Herzlich willkommen beim diatec weekly,

gestresst wirkt sie und geschwächt, konfrontiert mit Herausforderungen der Moderne ist sie in Gefahr oder steckt zumindest in einer massiven Krise – die Demokratie. Warum ist das so? Ist sie wirklich die beste aller Staatformen und muss deshalb unter allen Umständen geschützt werden? Und warum wollen wir sie dann aufgeben? Zeit, sie mal ein wenig genauer zu betrachten …

Die Demokratie gilt als die erfolgreichste und zugleich anspruchsvollste Form politischer Herrschaft mit dem Kernprinzip: Alle Macht geht vom Volke aus. Regierungen können friedlich gewählt und wieder abgewählt werden, Kritik ist erlaubt, Gerichte kontrollieren die Macht und gesellschaftliche Konflikte werden durch Debatten und nicht durch Gewalt ausgetragen. Ein erstrebenswerter Weg also für jede Gesellschaft, das ist die Demokratie. Zumindest in der Theorie, denn sie hat auch Schwächen. Doch dazu später, zunächst ein Blick in ihre Entwicklung.

Die praktische Umsetzung der Demokratie hat sich über Jahrtausende entwickelt. Ihre Wiege liegt im antiken Griechenland, insbesondere in Athen, wo sich um 500 v. Chr. erstmals eine Form von direkter Demokratie entwickelte. Allerdings galt das nur für die Oberschicht: Frauen und Fremde durften nicht mitbestimmen, Sklaven hatten überhaupt keine Rechte und von den etwa 300.000 Bewohnern hatte nur ein Zehntel politische Rechte. Außerdem war die erste Demokratie der Welt keineswegs dauerhaft stabil. Während großer Krisen und Kriege wurde sie mehrfach aufgehoben, weil man in Krisenzeiten schnelle Entscheidungen brachte und keine endlosen Debatten – aber man kehrte immer wieder zu ihr zurück.

Ein paar Jahrhunderte später entwickelte die Römische Republik erste Elemente von Gewaltenteilung, Volksvertretung und Rechtsstaatlichkeit. Es gab einen Senat, eine Volksvertretung, Amtszeitbegrenzungen und eine Kontrolle der Machtausübung. Allerdings war das Wahlsystem so gestaltet, dass wohlhabende Bürger deutlich mehr Einfluss hatten als arme. Auch wuchsen nach und nach Korruption und Machtkämpfe einzelner Eliten heran und führten zu einer politischen Polarisierung, bis Leute wie Crassus, Caesar und Pompeius die Institutionen zunehmend für ihre persönlichen Machtziele zu nutzen. Das kommt einem doch gerade recht bekannt vor …!

In den dunklen Jahrhunderten des Mittelalters verschwanden demokratische Strukturen völlig, Europa wurde von Monarchien, Adel und Kirche beherrscht. Und doch entwickelten sich nach und nach erste Ansätze von Stadtparlamenten und Handelsgilden, vorerst nach ohne Macht und Einfluss und dennoch entscheidend für die Grundlagen moderner Demokratien, die während der Aufklärung entstanden. Vordenker wie Montesquieu und Rousseau schrieben von Menschenrechten und Gewaltenteilung und der Freiheit des Individuums und trafen damit den Zahn der Zeit. Mit der französischen Revolution wurden erstmal Menschenrechte gedacht und die bis heute geltende Idee von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit schallte in die Welt hinaus.

Erstmals entstand jedoch mit den Vereinigten Staaten im Jahr 1776 ein moderner demokratischer Staat mit einer Verfassung, Grundrechten der Bürger und Gewaltenteilung. Von diesem fernen Kontinent aus schwappte die Demokratie nach und nach auch in die alte Welt rüber. Erste Parteien entstanden, es gab Wahlrechte für wohlhabende Männer und irgendwann, nach langen und schweren Debatten, sogar auch für Frauen, die man grundsätzlich für zu emotional und sensibel hielt!

Nach den beiden Weltkriegen begann der Siegeszug der Demokratie in vielen Teilen der Welt. Der Schutz individueller Freiheiten wie Meinungs- und Religionsfreiheit, aber auch Rechtsstaatlichkeit galten als erstrebenswert. Die Demokratie führte zu besserer Bildung für alle, höherem Wohlstand für viele und einer größeren Innovationskraft für die Industrie. Regierungen können abgewählt werden, ohne dass Bürgerkrieg oder Gewalt nötig sind, was ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil gegenüber autoritären Systemen ist.

Aber wie immer gibt es Schatten dort, wo Licht ist und nach Dekaden in stabilen politischen Systemen in der westlich-orientierten Welt werden nun zunehmend die Schwächen der Demokratie sichtbar! Die regelmäßig anstehenden Wahlen machen Parteien zu Wahlkampfmaschinen und schaffen Politiker, die sich auf kurzfristige Erfolge konzentrieren als auf nachhaltige Reformen. Die ewigen Entscheidungsprozesse, die permanenten Diskussionen um alles und jedes und ein zunehmender Populismus mit einfachen Antworten auf komplexe Probleme knabbern an unser sicher geglaubtes demokratisches System, denn vor diesem Hintergrund scheinen autoritäre Systeme handlungsfähiger zu sein.

Der Blick nach Westen zeigt, was auch hier blühen kann. Dort befindet sich die Demokratie zurzeit in einer Phase erheblicher Spannungen und Polarisierung. Unter der zweiten Amtszeit von Donald Trump wird intensiv darüber diskutiert, wie weit die Macht des Präsidenten reichen darf und welche Rolle Gerichte, Bundesstaaten und unabhängige Behörden als Gegengewichte noch spielen sollen. Befürworter sehen darin eine notwendige Stärkung demokratisch gewählter Führung, Kritiker befürchten eine Schwächung traditioneller Kontrollmechanismen.

Wer jedoch glaubt, dies sei dem aktuellen Präsidenten zu verdanken, sei eines Besseren belehrt. Bereits der deutschstämmige amerikanische Politiker Henry Kissinger hat angesichts des Aufstieg Chinas als globale Wirtschaftsmacht öffentlich darüber nachgedacht, ob nicht eine „Konsultative Demokratie“ ein sinnvollerer Weg sein könnte – zumal dies kompetentere Führungspersönlichkeiten hervorbringen könnte als das reine Wahlsystem. Kissingers Gedanken könnten heute als Blaupause für die Befürworter des aktuellen Umbaus gelten.

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss erlernt, geschützt und immer wieder erneuert werden. Gerade in einer Zeit zunehmender Polarisierung, sozialer Medien, globaler Krisen und wachsender Zweifel an politischen Institutionen lohnt ein Blick auf ihre Geschichte, ihre Leistungen, aber auch ihre Schwächen. Demokratie verspricht auch keine perfekten Entscheidungen, sondern bietet den besten bekannten Weg, um mit menschlichen Irrtümern, unterschiedlichen Interessen und gesellschaftlicher Vielfalt friedlich umzugehen. Wohin sie sich entwickelt – nun, die Geschichte wird es uns zeigen. Bis dahin lohnt es sich allemal, für die Demokratie zu kämpfen. Um es mit den Worten Winston Churchills zu sagen: „Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen – ausgenommen alle anderen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“ Dem ist unsererseits nichts hinzuzufügen.

Die Themen der Woche geben einen kurzen Überblick zu den wichtigsten Entwicklungen in der Diabetes-Technologie, die beim diesjährigen ADA in New Orleans vorgestellt wurden, gefolgt von einem Beitrag zur AIDING-Studie, die eindrucksvoll den Einsatz von AID-Systemen im Krankenhaus belegt. Zuletzt haben wir eine ausführliche Zusammenstellung von Stellungnahmen aus der nationalen und internationalen Diabeteswelt zum Eklat beim ADA in New Orleans. Auf geht’s!

Der ADA 2026 markiert einen Wendepunkt in der Diabetes-Technologie. Jahrelang standen neue Sensoren, Pumpen und Algorithmen vor allem für Menschen mit Typ-1-Diabetes im Fokus. Die diesjährigen Daten zeigen hingegen eine deutliche Ausweitung: Menschen mit Typ-2-Diabetes, Schwangere und künftig möglicherweise sogar Anwender mit minimalem Therapieaufwand rücken zunehmend in den Mittelpunkt. Technologie wird damit weniger exklusiv und mehr zum integralen Bestandteil einer modernen Diabetesversorgung. Die entscheidende Frage lautet künftig nicht mehr, wer von diesen Technologien profitieren kann, sondern wie möglichst viele Menschen Zugang dazu erhalten können:

ADA 2026: Drei Studien, ein Trend – Diabetes-Technologie erreicht neue Patientengruppen

Wer auf der diesjährigen ADA-Tagung nach den wichtigsten Entwicklungen im Bereich Diabetes-Technologie gesucht hat, wurde bei Tandem Diabetes Care, Insulet und Dexcom fündig. Obwohl die vorgestellten Studien unterschiedliche Fragestellungen untersuchten, zeigen sie gemeinsam einen klaren Trend: Automatisierte Insulinabgabesysteme und kontinuierliche Glucosemessung werden zunehmend für weitere Patientengruppen verfügbar und liefern dabei überzeugende klinische Ergebnisse. Drei Studien stachen dabei besonders hervor.

Die stationäre Diabetesversorgung bleibt eine große Herausforderung. Verzögerte Insulingaben, unzureichende Kenntnisse über Diabetes und komplexe Klinikabläufe führen immer wieder zu vermeidbaren Hyper- und Hypoglykämien. Auf dem ADA 2026 wurden nun die Ergebnisse der multizentrischen AIDING-Studie vorgestellt. Sie zeigen, dass automatisierte Insulinabgabesysteme (AID) auch im Krankenhaus sicher eingesetzt werden können und die Glucosekontrolle deutlich verbessern:

Die AIDING-Studie belegt den Nutzen von AID-Systemen im Krankenhaus!

AID im Krankenhaus – ein schwieriges Thema, bei dem nun ein möglicher Paradigmenwechsel bevorsteht. Die randomisierte multizentrische AIDING-Studie untersuchte den Einsatz automatisierter Insulinabgabesysteme (AID) bei 130 nicht intensivpflichtigen Erwachsenen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes und Hyperglykämie. Verglichen wurde eine AID-Therapie mit Omnipod 5 und Dexcom CGM gegenüber einer konventionellen Behandlung mit mehrfachen täglichen Insulininjektionen (MDI) plus CGM.

Der Clash beim diesjährigen ADA in New Orleans beschäftigt die nationale und internationale Diabeteswelt massiv. Wir hatten bereits vergangene Woche kurz über den Eklat am ersten Tag berichtet, als der Editor der US-Fachzeitschrift Diabetes Care, Stephen Kahn und einige andere bekannte US-Kollegen von der Polizei aus dem Kongressgebäude geführt und dieses nicht mehr betreten durften! Inzwischen gibt es eine Reihe von Stellungnahmen und Petitionen, die wir hier auszugsweise vorstellen:

Forschungsförderung in den USA und Clash bei diesjährigen ADA

Was war passiert? Vor kurzen wurde in Diabetes Care von Editorial zur aktuellen Situation bei der Diabetes-Forschung in den USA und wie die Regierung Einfluss darauf nimmt, publiziert. Hier eine KI-generierte Zusammenfassung der Kernaussagen des Editorials und der 5 wichtigsten Punkte darin:

Das Bild der Woche

Sie sehen zauberhaft aus, so wie hübsche Quallen im Ozean.
Es sind aber Abwehrraketen gegen den Dauerbeschuss der Drohnen.

***

Zum Schluss noch wie immer das Letzte

Das Leben kommt in die Jahre und immer öfter sucht man nach Namen, Wörtern und Begriffen. Sind das normale Alterserscheinungen oder bereits erste Anzeichen von Demenz? Wie weit ist überhaupt die Forschung – lässt sich Demenz verhindern und hilft eine gesunde Lebensweise dabei, die schreckliche Auflösung der eigenen Erinnerungen abzuwenden? Jedenfalls wird man aufmerksam, wenn man auf einen Artikel wie diesen hier aus der FAZ der vergangenen Woche stößt: Die Geschichte klingt so unglaublich, dass man sie zunächst für eine Fiktion hält. Sie stammt jedoch aus einem wissenschaftlichen Fallbericht.

Eine 80-jährige Frau mit schwerer Alzheimer-Demenz war kaum noch ansprechbar, außerdem inkontinent und vollständig auf Hilfe angewiesen. Im Rahmen eines Experiments erhielt sie Psilocybin, den Wirkstoff aus dem so genannten Zauberpilzen. Die erste Reaktion war heftiges Schwitzen, die zweite große Müdigkeit. Sie schlief 19 Stunden lang aus als sie wieder aufwachte, begann sie wieder zu sprechen und erzählte aus ihren Erinnerungen. Sie konnte sich wieder selbst anzuziehen, am sozialen Leben teilzunehmen und verlor sogar ihre Inkontinenz. Noch bemerkenswerter: Die Verbesserungen hielten über Wochen an. Nach einer zweiten Gabe verstärkten sich einige der Effekte sogar.

Die Forscher vermuten nun, dass Psilocybin, ein natürlich vorkommender Wirkstoff aus bestimmten Pilzarten, den sogenannten „Magic Mushrooms“, vorübergehend Hirnnetzwerke reorganisieren und bislang verborgene funktionelle Reserven aktivieren könnte.

Im Körper wird Psilocybin zu Psilocin umgewandelt und wirkt vor allem an Serotonin-Rezeptoren im Gehirn. Psilocybin ist aber keine harmlose Substanz, sondern kann zu Angstzuständen oder Panikreaktionen, Verwirrtheit und psychischen Krisen führen. Der Wirkstoff sollte deshalb keinesfalls ohne medizinische Begleitung eingesetzt werden.

Bevor also nun Hoffnung auf eine neue Alzheimer-Therapie aufkommt: Es handelt sich bei der Geschichte um einen einzelnen Fallbericht. Ob die Beobachtung reproduzierbar ist, weiß derzeit niemand. Der Dresdner Neurowissenschaftler Gerd Kempermann mahnt deshalb zur Vorsicht. Seine Einschätzung: hochinteressant, aber keineswegs ein Beleg für eine Therapie.

Dennoch bleibt die Geschichte faszinierend. Vielleicht erinnert sie uns daran, wie wenig wir über das Gehirn noch wissen – und dass selbst bei schweren neurodegenerativen Erkrankungen manchmal mehr Möglichkeiten verborgen sein könnten, als wir heute vermuten. Wissenschaft beginnt nicht selten dort, wo wir über etwas staunen. Und manchmal ist ein einzelner ungewöhnlicher Fall zwar noch keine Antwort, aber vielleicht der Anfang einer neuen Frage.

In diesem Sinne: Bleiben Sie neugierig und kommen Sie gut ins Wochenende,

der wöchentliche Newsletter zu aktuellen Entwicklungen zum Thema Diabetes und Technologie.

Für den Versand unserer Newsletter nutzen wir rapidmail. Mit Ihrer Anmeldung stimmen Sie zu, dass die eingegebenen Daten an rapidmail übermittelt werden. Beachten Sie bitte deren AGB und Datenschutzbestimmungen .

Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!

Mit freundlichen Grüßen