Wer auf der diesjährigen ADA-Tagung nach den wichtigsten Entwicklungen im Bereich Diabetes-Technologie gesucht hat, wurde bei Tandem Diabetes Care, Insulet und Dexcom fündig. Obwohl die vorgestellten Studien unterschiedliche Fragestellungen untersuchten, zeigen sie gemeinsam einen klaren Trend: Automatisierte Insulinabgabesysteme und kontinuierliche Glucosemessung werden zunehmend für weitere Patientengruppen verfügbar und liefern dabei überzeugende klinische Ergebnisse. Drei Studien stachen dabei besonders hervor.
1. Tandem erweitert die Einsatzmöglichkeiten seiner AID-Systeme
Tandem Diabetes Care erhielt kurz vor der ADA-Tagung die CE-Kennzeichnung für eine erweiterte Zulassung seiner automatisierten Insulinabgabesysteme (AID) in Europa. Künftig dürfen die Systeme nicht nur bei Menschen mit Typ-1-Diabetes eingesetzt werden, sondern auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sowie bei Schwangeren mit Typ-1-Diabetes.
Die Erweiterung gilt sowohl für die Insulinpumpe t X2 als auch für die kompakte Mobi-Pumpe. Grundlage für die Zulassung bei Schwangeren waren die Ergebnisse der sogenannten Circuit-Studie, die bereits 2025 im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht wurden. In der randomisierten kontrollierten Studie erreichten Nutzerinnen des Control-IQ+-Systems eine um 12,6 %e höhere Time in Range als Frauen, die mit konventioneller Pumpentherapie oder Insulininjektionen behandelt wurden.
Auch die Zulassungserweiterung für Menschen mit Typ-2-Diabetes basiert auf hochwertigen Studiendaten. In einer im vergangenen Jahr im New England Journal of Medicine veröffentlichten randomisierten Studie mit mehr als 300 Teilnehmenden erzielten Anwender des Tandem-AID-Systems eine signifikant stärkere HbA1c-Senkung als Personen unter Standardtherapie.
Die Botschaft ist eindeutig: AID-Systeme verlassen zunehmend die Nische der klassischen Typ-1-Diabetes-Therapie und entwickeln sich zu einer Technologie für deutlich breitere Patientengruppen.
2. Insulet zeigt die nächste Evolutionsstufe des Omnipod-Systems
Auch Insulet nutzte die ADA, um einen Blick in die Zukunft der automatisierten Insulintherapie zu geben. Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse der Zulassungsstudie „Strive“ für den Omnipod 6, die nächste Generation der erfolgreichen Patch-Pumpe.
In der randomisierten Crossover-Studie wurden 132 Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes sowohl mit dem aktuellen Omnipod 5 als auch mit dem neuen Omnipod 6 behandelt. Der neue Algorithmus arbeitet mit einem niedrigeren Glucosezielwert von 100 mg/dl statt bisher 110 mg/dl und erreichte dennoch bessere Ergebnisse. Die Time in Range stieg bei Menschen mit Typ-1-Diabetes auf 77 % und bei Menschen mit Typ-2-Diabetes auf 76 %. Unter Omnipod 5 lag sie jeweils bei etwa 73 %.
Besonders spannend waren darüber hinaus erste Daten zu einem neuartigen AID-System für Menschen mit Typ-2-Diabetes, das langfristig sogar ohne Mahlzeiten-Bolus auskommen soll. In ersten Untersuchungen verbesserte sich die Time in Range um 12 % auf 64 %, während die Hypoglykämierate niedrig blieb. Die Rekrutierung für die entscheidende Zulassungsstudie läuft bereits.
Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, könnte dies insbesondere für Menschen mit Typ-2-Diabetes einen weiteren Schritt hin zu einer deutlich einfacheren Insulintherapie bedeuten.
3. Dexcom liefert starke Evidenz für CGM bei Typ-2-Diabetes ohne Insulin
Möglicherweise die größte Überraschung der ADA kam von Dexcom. Das Unternehmen präsentierte Ergebnisse der randomisierten kontrollierten CONNECT-Studie, die den Nutzen kontinuierlicher Glucosemessung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie untersuchte.
Über einen Zeitraum von 26 Wochen wurden Anwender des Dexcom-G7-Systems mit Personen verglichen, die ihren Blutzucker mittels klassischer Selbstmessung kontrollierten. Die Ergebnisse fielen bemerkenswert aus: Die CGM-Nutzer reduzierten ihren HbA1c-Wert durchschnittlich um 1,6 % und verbrachten täglich rund fünf Stunden mehr im Zielbereich als die Kontrollgruppe.
Der leitende Autor der Studie, Roy Beck vom Jaeb Center for Health Research, sprach von Daten, die das Potenzial hätten, die Evidenzlage für CGM bei nicht insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes grundlegend zu verändern. Bislang gilt diese Patientengruppe in den ADA-Leitlinien nur mit Evidenzgrad C als abgesichert. Die neuen Daten könnten den Weg zu einer deutlich höheren Evidenzbewertung ebnen.
Für Dexcom-CEO Jake Leach markieren die Ergebnisse sogar den möglichen Beginn eines neuen Behandlungsstandards für Menschen mit Typ-2-Diabetes – nicht nur in den USA, sondern weltweit.
Fazit: Der ADA 2026 hat erneut gezeigt, dass sich die Diabetes-Technologie in Richtung einer breiteren, einfacheren und stärker personalisierten Versorgung entwickelt. Automatisierte Insulinabgabesysteme werden für immer mehr Patientengruppen zugänglich, die Algorithmen werden leistungsfähiger und gleichzeitig einfacher in der Anwendung. Parallel dazu wächst die Evidenz, dass kontinuierliche Glucosemessung weit über die klassischen Einsatzgebiete hinaus Nutzen stiften kann.
Die zentrale Botschaft der diesjährigen ADA lautet daher: Diabetes-Technologie wird zunehmend zur Standardversorgung – und nicht mehr zur Speziallösung für ausgewählte Patientengruppen.
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