Für die Analyse nutzten Abbott und kooperierende Institutionen Daten der Truveta-Plattform, die anonymisierte elektronische Gesundheitsdaten von mehr als 140 Millionen Menschen in den USA umfasst. Untersucht wurden Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, die zwischen Januar 2017 und März 2024 mit Basalinsulin behandelt wurden, mit oder ohne zusätzliche nicht-insulinbasierte Diabetesmedikamente.
Im Rahmen einer sogenannten Target Trial Emulation wurden 13.935 Personen, die erstmals ein CGM verordnet bekommen und eingelöst hatten, mit ebenso vielen Nicht-CGM-Nutzern verglichen. Beide Gruppen wurden anhand von 29 Merkmalen möglichst genau abgeglichen, darunter Alter, Geschlecht, Diabetesdauer, HbA1c, Begleiterkrankungen, Diabeteskomplikationen, Medikation, Nutzung medizinischer Leistungen und bisherige Blutglucosemessung. Das mittlere Alter lag bei 58 Jahren, 47 % der Teilnehmenden waren Frauen.
Die Ergebnisse fallen durchaus eindrucksvoll aus: Nach zwölf Monaten war die Gesamtmortalität bei CGM-Nutzern um 44 % niedriger als bei Nichtnutzern. Konkret starben 1,16 % der CGM-Nutzer gegenüber 2,09 % der Vergleichsgruppe. Nach 24 Monaten lag das relative Risiko noch um 35 % niedriger (2,12 % vs. 3,26 %).
Auch bei makrovaskulären Ereignissen zeigte sich ein Unterschied. Das Risiko für ein erstmaliges Ereignis, und dazu zählten unter anderem Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall, TIA oder periphere arterielle Verschlusskrankheit, war bei den CGM-Nutzern nach zwölf Monaten um 26 % und nach 24 Monaten um 24 % geringer. Bei wiederkehrenden makrovaskulären Ereignissen war der Unterschied ähnlich deutlich: Hier lag das Risiko nach zwölf Monaten um 35 % und nach 24 Monaten um 36 % niedriger.
Besonders auffällig waren die Daten zur Herzinsuffizienz. Krankenhausaufnahmen wegen Herzinsuffizienz traten bei CGM-Nutzern nach zwölf Monaten um 54 % und nach 24 Monaten um 47 % seltener auf – also nahezu halb so häufig. Die Ergebnisse blieben auch in verschiedenen Sensitivitätsanalysen weitgehend stabil, unter anderem nach Ausschluss des COVID-19-Zeitraums sowie von Todesfällen innerhalb der ersten 90 Tage.
Jochen Seufert aus Freiburg, deutscher Leiter der Studie, sieht in den Ergebnissen einen weiteren Hinweis darauf, dass CGM auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes unter Basalinsulin einen relevanten gesundheitlichen Nutzen haben könnte. Die Daten liefern damit Argumente für einen breiteren Zugang zu CGM in dieser Patientengruppe.
Aber: Die Studie konnte nicht zeigen, dass CGM selbst die niedrigere Mortalität oder die geringere Zahl kardiovaskulärer Ereignisse verursacht hat. Trotz des sorgfältigen Abgleichs anhand von 29 Faktoren können andere, nicht erfasste Unterschiede zwischen CGM-Nutzern und Nichtnutzern eine Rolle gespielt haben. Denkbar ist beispielsweise, dass CGM-Nutzer insgesamt therapieaktiver und gesundheitsbewusster waren, oder auch ganz einfach besser betreut wurden. Hinzu kommt, dass Veränderungen der Medikation oder anderer klinischer Parameter, während der Nachbeobachtung nicht vollständig berücksichtigt wurden. Auch ist unklar, wie gut sich die Ergebnisse auf alle Menschen mit Typ-2-Diabetes unter Basalinsulin übertragen lassen.
Fazit: Die Daten sind bemerkenswert und passen gut zu der Entwicklung, CGM auch bei Typ-2-Diabetes breiter einzusetzen. Sie zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen CGM-Nutzung und niedrigeren Raten für Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse. Ob CGM hierfür tatsächlich ursächlich verantwortlich ist, müssen jedoch prospektive Studien klären. Spannend ist die Frage allemal – denn möglicherweise liefert CGM eben nicht nur bessere Glucosedaten, sondern unterstützt auch ein insgesamt besseres Diabetesmanagement mit langfristigen Folgen.
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