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ausgerechnet der Chef von Microsoft war es, der der KI-Branche im Januar 2026 beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine bemerkenswert deutliche Botschaft mit auf den Weg gegeben hat. Satya Nadella sagte sinngemäß: Wenn wir mit künstlicher Intelligenz nicht bald etwas wirklich Sinnvolles schaffen, das der Gesellschaft einen erkennbaren Nutzen bringt, werden wir die gesellschaftliche Erlaubnis dafür verlieren.
Das ist ein bemerkenswerter Satz von einem Mann, dessen Unternehmen Milliarden in Rechenzentren, Sprachmodelle und KI-Anwendungen investiert. Und es ist weit mehr als die übliche Mahnung, neue Technologien verantwortungsvoll einzusetzen. Nadella stellt eine grundsätzliche Frage: Wie lange akzeptiert eine Gesellschaft den enormen Aufwand für eine Technologie, wenn sie deren Nutzen im eigenen Leben kaum wahrnimmt?
Nadella sprach von einer „social permission“ und meint damit eine Art gesellschaftliche Zustimmung für den enormen Ressourcenverbrauch. KI verbraucht Energie, Wasser, Rohstoffe, Kapital und nicht zuletzt sehr viel menschliche Aufmerksamkeit – und sie verändert Arbeitsplätze, Geschäftsmodelle und Machtverhältnisse. All das lässt sich nur rechtfertigen, wenn am Ende mehr herauskommt als schneller produzierte Präsentationen oder automatisch formulierte E-Mails oder täuschend echte Bilder von Menschen, die niemals existiert haben. Oder jedenfalls nicht so!
Technologische Machbarkeit allein ist aber noch kein Fortschritt. Gerade im Gesundheitswesen ist diese Unterscheidung entscheidend. Hier fehlt es wahrlich nicht an möglichen Anwendungsfeldern: KI könnte medizinische Daten zusammenführen, Risiken früher erkennen, Routinetätigkeiten übernehmen, Therapieentscheidungen unterstützen und Fachkräfte entlasten. Sie könnte dazu beitragen, Versorgung auch dort verfügbar zu machen, wo heute Zeit, Personal oder spezialisierte Strukturen fehlen. Doch zwischen „könnte“ und „tut es tatsächlich“ liegt noch immer ein beträchtliches Stück Weg.
Auch in der Diabetologie produzieren wir inzwischen enorme Datenmengen. Glucosewerte, Insulindosen, Mahlzeiten, Bewegung, Schlaf, Laborwerte und Begleiterkrankungen ergeben ein immer dichteres digitales Abbild des einzelnen Menschen. Was fehlt, ist ein System, das daraus im richtigen Moment die richtige Information macht, für den Menschen mit Diabetes ebenso wie für das Behandlungsteam. Ein weiterer Algorithmus, der Daten nur hübscher sortiert, wird die Versorgung nicht retten. Sinnvoll wird KI erst, wenn sie beispielsweise frühzeitig eine drohende Verschlechterung erkennt, bevor daraus eine Klinikeinweisung entsteht. Wenn sie Muster sichtbar macht, die im Praxisalltag übersehen würden. Wenn sie DiabetesberaterInnen und ÄrztInnen von Dokumentationsarbeit entlastet und ihnen dadurch wieder mehr Zeit für ihre Patientinnen und Patienten gibt. Wenn sie Menschen dabei unterstützt, ihre Therapie im Alltag besser und sicherer zu bewältigen.
Der gesellschaftliche Nutzen von KI entscheidet sich deshalb nicht in den Rechenzentren und auch nicht auf den großen Technologiekongressen, sondern dort, wo Menschen versorgt, unterrichtet, beraten und unterstützt werden. Es geht auch nicht darum, jede KI-Anwendung sofort an einer großen gesundheitsökonomischen Studie zu messen. Aber wir müssen lernen, viel konsequenter fragen: Welches konkrete Problem wird hier eigentlich gelöst? Wer profitiert davon? Wird die Versorgung besser, gerechter oder leichter zugänglich? Werden Fachkräfte tatsächlich entlastet? Und entsteht der Nutzen dort, wo er gebraucht wird? Oder vor allem dort, wo mit der Technologie Geld verdient werden kann?
Die KI-Branche spricht gern von exponentiellem Wachstum. Die Zahl der Parameter wächst, die Modelle werden leistungsfähiger und die Investitionen immer gewaltiger. Doch gesellschaftliche Akzeptanz wächst nicht exponentiell, sie muss verdient werden.
Hierin liegt die wichtigste Botschaft in Nadellas Aussage: KI besitzt keinen automatischen Anspruch auf Zukunft – und darf das auch nicht! Jede noch so beeindruckende Technologie braucht einen sozialen Mehrwert, der das Leben von Menschen tatsächlich besser macht. Für die Gesundheitsversorgung bedeutet das: Wir brauchen weniger KI als Selbstzweck und mehr Anwendungen, die sich an realen Versorgungsproblemen orientieren. Weniger Demonstrationen dessen, was technisch möglich ist, als mehr Nachweise dessen, was medizinisch sinnvoll ist. Weniger Versprechen und mehr spürbare Verbesserung für Ergebnisse in Gesundheit, Bildung und Produktivität.
Bei den Themen der Woche schauen wir diesmal auf drei sehr unterschiedliche Aspekte der Diabetestechnologie. Zunächst geht es um die Frage, was AID-Systeme leisten, wenn bei Menschen mit Typ-1-Diabetes zusätzlich eine GLP-1-basierte Therapie eingesetzt wird. Dann zeigt sich: Nicht jeder Tag ist gleich – das gilt offenbar auch für den Glucoseverlauf. Denn CGM-Daten zeigen nicht nur, wie gut die Glucosekontrolle ist, sondern auch, wann sie weniger gut wird. Und der dritte Beitrag widmet sich etwas vermeintlich Kleinem, das im Alltag dennoch eine große Rolle spielen kann: der Pen-Nadel. Auf geht’s!
AID-Systeme haben die Glucosekontrolle bei Typ-1-Diabetes erheblich verbessert, darüber haben wir an dieser Stelle schon häufig berichtet. Bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas stellt sich zunehmend die Frage, ob zusätzlich eingesetzte Medikamente wie GLP-1-Rezeptoragonisten, Tirzepatid oder SGLT-2-Hemmer einen weiteren Nutzen bringen können:
GLP-1-basierte Therapien mit AID-System
Eine aktuelle Übersichtsarbeit hat die bislang noch überschaubare Datenlage dazu zusammengetragen [1]. Das Ergebnis: Vor allem GLP-1-basierte Therapien erscheinen vielversprechend, allerdings fehlen weiterhin größere und längerfristige Studien. Insgesamt werteten die Autoren neun randomisierte kontrollierte Studien und zehn Real-World-Studien zu begleitenden medikamentösen Therapien bei Menschen mit Typ-1-Diabetes und AID-Systemen aus.
CGM-Daten zeigen nicht nur „wie gut“ die Glucosekontrolle ist, sondern auch „wann“ sie regelmäßig schlechter wird. Genau daraus ergibt sich der interessante Ansatz für ein gezielteres, zeitbezogenes Diabetesmanagement, denn:
Nicht jeder Tag ist gleich
CGM-Daten werden fast immer über Mittelwerte, Time in Range und Variabilität beurteilt. Interessant ist aber auch, ob und wann Glucosewerte aus dem Zielbereich geraten. Eine große Real-World-Analyse zeigt nun, dass sich erstaunlich stabile tägliche und wöchentliche Muster erkennen lassen [1]. Besonders auffällig: Die Glucosekontrolle ist zur Wochenmitte am besten und verschlechtert sich am Wochenende. (Was einen nicht wirklich wundert…)
Trotz großer Fortschritte bei Insulinen und Applikationssystemen erreichen viele Menschen mit Diabetes nicht ihre Glucose-Zielwerte. Neben therapeutischen Faktoren spielen dabei auch praktische Aspekte eine Rolle, z.B. eine unzureichende Schulung, Fehler bei der Injektion, Angst vor Nadeln oder Schmerzen bei der Anwendung. Entsprechend wurden in den vergangenen Jahren immer kürzere und dünnere Pen-Nadeln entwickelt:
Auch die Nadel macht einen Unterschied.
Nicht alle Menschen mit Diabetes nutzen Insulinpumpen oder AID-Systeme. Für viele gehört die Insulininjektion mit dem Pen weiterhin zum Alltag. Dabei wird die Wahl der Pen-Nadel oft eher als technisches Detail betrachtet. Eine aktuelle italienische Studie zeigt jedoch, dass Nadellänge und -dicke einen spürbaren Unterschied machen können, vor allem beim Einstichschmerz und bei der Handhabung [1].
Das Bild der Woche

So also sieht die Zukunft aus? Der Europäische Diabetes-Kongress in Mailand fand mitten im futuristischen CityLife statt – einem modernen Quartier, das Wohnen, Arbeiten, Shopping,
Sport und Gastronomie miteinander verbindet. Fast wie ein Blick in die Stadt von morgen.
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Zum Schluss noch wie immer das Letzte
Huthi-Rebellen sollen die KI Claude von Anthropics genutzt haben, um Software für die Steuerung von Langstreckenraketen zu entwickeln. Als ein Test misslang, wurde offenbar auch die Fehlersuche mit Claude diskutiert. Anthropic bemerkte die Nutzung und sperrte die Accounts. Das ist erstmal eine gute Nachricht!
Zeitgleich versucht die Berliner Senatsverwaltung nach einem Hackerangriff herauszufinden, welche Daten eigentlich gestohlen worden waren. Ein Team aus vier Mitarbeitern durchsucht nun die betroffenen Datensätze, und zwar „händisch“! Als die Hacker die Daten schließlich veröffentlichten, wussten Journalisten und Privatleute mithilfe von KI offenbar schneller, was drinstand als die Behörde selbst. Das ist keine gute Nachricht!
Dies sind zwei Geschichten, die ziemlich gut beschreiben, wo wir beim Thema Künstliche Intelligenz stehen. Denn während die einen längst mit leistungsfähigen KI-Systemen programmieren, analysieren und automatisieren, diskutieren andere noch darüber, welche Anwendungen freigegeben werden dürfen, welche Daten irgendwohin gelangen könnten und welcher Prompt vorher geprüft werden muss. Und dann ist das natürlich noch der Datenschutz, der immer gerne als Rechtfertigung für jedwedes Versagen herhalten muss.
William Gibson wird der Satz zugeschrieben: „Die Zukunft ist schon da – sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt.“ Leider können wir das „noch“ inzwischen streichen. Natürlich sind Datenschutz, Sicherheit und Compliance wichtig, aber gerade deshalb braucht es vernünftige Lösungen. Wer jedoch aus Angst vor Risiken eine Technologie praktisch nicht nutzt, beseitigt nicht die Risiken, sondern die eigenen Möglichkeiten. Und während Behörden und auch viele Unternehmen noch Use Cases definieren und Prompt-Schulungen organisieren, hat sich am anderen Ende der KI-Welt die Frage längst verändert. Dort fragt man nicht mehr, was KI kann, sondern: Was kann sie eigentlich noch nicht?
Dies ist die eigentliche digitale Kluft unserer Zeit. Die Zukunft ist da, aber sie ist nicht gleichmäßig verteilt. Und möglicherweise wird der Abstand gerade größer statt kleiner.
Wir sind ans Ende angelangt und hoffen, der weekly hat Euch gefallen. Der EASD, der diese Woche in Mailand stattfand, hat zwar Neues gebracht, aber traditionell beschäftigen sich die Wissenschaftler, die an dieser europäischen „Leistungsshow“ teilnehmen, wenig mit Diabetes-Technologie. Wir werden dennoch kommende Woche aus Mailand berichten.
Für heute wünschen wir ein schönes Wochenende,
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Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!
Mit freundlichen Grüßen
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