CGM-Daten werden fast immer über Mittelwerte, Time in Range und Variabilität beurteilt. Interessant ist aber auch, ob und wann Glucosewerte aus dem Zielbereich geraten. Eine große Real-World-Analyse zeigt nun, dass sich erstaunlich stabile tägliche und wöchentliche Muster erkennen lassen [1]. Besonders auffällig: Die Glucosekontrolle ist zur Wochenmitte am besten und verschlechtert sich am Wochenende. (Was einen nicht wirklich wundert…)
Eine retrospektive Analyse umfasste 86.779 Menschen mit Diabetes aus zwei unabhängigen Kohorten, mehr als 21 Millionen CGM-Messtage und Daten aus 15 Ländern. Über die Woche hinweg zeigte sich ein konsistentes Muster: Die TIR verbesserte sich zunächst und erreichte zur Wochenmitte ihren besten Wert. Am Mittwoch lag sie im Mittel 0,96 % höher. Danach verschlechterte sich die Glucosekontrolle wieder, besonders am Wochenende. Am Sonntag lag die TIR im Mittel 1,74 % niedriger.
Doch der Wochenendeffekt zeigte sich nicht nur bei der TIR. Gleichzeitig nahmen Hyperglykämien, Glucosevariabilität und Insulinbedarf zu. So war auch der Bolus-Insulinbedarf am Wochenende höher; sonntags lag er beispielsweise im Mittel um 0,69 Einheiten über dem Durchschnitt.
Auch innerhalb einzelner Tage zeigte sich ein wiederkehrendes Muster. An Werktagen war die Glucosekontrolle morgens und mittags am besten, während sie sich am Abend und während der Nacht verschlechterte. Dieser Effekt war an Wochenenden besonders ausgeprägt. Die Autoren vermuten dahinter vor allem Veränderungen der täglichen Routinen: spätere oder unregelmäßigere Mahlzeiten, Unterschiede in der Zusammensetzung der Nahrung, veränderte körperliche Aktivität sowie andere Schlafgewohnheiten.
Interessant ist, dass die schlechtere Glucosekontrolle nicht am Sonntag endet. Auch montags blieben die Werte ungünstiger. Die Autoren interpretieren dies als möglichen „Nachlaufeffekt“ des Wochenendes. Maßnahmen, die auf Wochenendgewohnheiten abzielen, könnten damit möglicherweise auch den Start in die neue Woche verbessern.
Die beobachteten Verläufe zeigten sich über Altersgruppen und Länder hinweg. Größere Schwankungen fanden sich allerdings bei jüngeren Erwachsenen, während Menschen im Alter von 65 bis 99 Jahren die geringsten tagesabhängigen Veränderungen beim mittleren Glucosewert und bei der Bolus-Insulindosis aufwiesen.
Auch zwischen den Ländern zeigten sich Unterschiede. Dänemark: Spanien und Finnland wiesen größere zeitliche Schwankungen auf, während Japan und die Tschechische Republik stabilere Muster zeigten. Als mögliche Ursachen nennen die Autoren Unterschiede in Alltagsroutinen, Kultur, Diabetes-Schulung, Gesundheitssystemen sowie beim Zugang zu Therapie und Technologie.
Fazit: Die Studie macht deutlich, dass es sich lohnt, über die durchschnittliche TIR hinauszuschauen. Zwei Menschen können dieselbe TIR haben – und dennoch ganz unterschiedliche Problemzeiten im Tages- oder Wochenverlauf. Darin liegt ein Nutzen längerfristiger CGM-Analysen: Wiederkehrende Muster könnten genutzt werden, um Therapie, Mahlzeiten, Bewegung oder Insulineinstellungen gezielt an bestimmte Zeitfenster anzupassen.
Interessant ist dabei auch die Frage, ob die üblichen 14 Tage CGM-Daten immer ausreichen. Sie liefern zweifellos eine gute Momentaufnahme. Wiederkehrende Wochenmuster oder besondere Belastungen an Wochenenden könnten aber leichter sichtbar werden, wenn längere Zeiträume betrachtet werden. Damit entwickelt sich die CGM-Auswertung möglicherweise weiter: weg von der reinen Bewertung eines Durchschnitts – hin zur Erkennung individueller Zeitmuster.
Literatur
- Giese IE, Hangaard S, Hartvig NV, Hirsch IB, Jensen MH, Cichosz SL. Glucose in Motion: Characterizing Temporal Patterns in Real-World Glycemic Control in a Large Observational Cohort. Diabetes Care. 2026. doi:10.2337/dc26-0886.
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