Bis zu 20 % der hospitalisierten Patienten haben Diabetes. Das Glucosemanagement im Krankenhaus ist besonders anspruchsvoll, weil akute Erkrankungen, Infektionen, Medikamente, Operationen, veränderte Ernährung und wechselnde Insulinsensitivität die Glucosewerte erheblich beeinflussen können. Gleichzeitig sind sowohl Hypo- als auch Hyperglykämien mit ungünstigeren klinischen Verläufen assoziiert.
Die stationäre Insulintherapie basiert bislang meist auf intermittierenden Point-of-Care-Messungen und manueller Anpassung der Insulindosis. Das ist personalintensiv und kann schnelle Glucoseschwankungen, insbesondere nächtliche Hypoglykämien, nur unvollständig erfassen.
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse untersuchte deshalb, welchen Nutzen automatisierte Insulinabgabesysteme im Krankenhaus bieten [1].
Eingeschlossen wurden acht randomisierte kontrollierte Studien: fünf auf Normalstationen mit insgesamt 300 Teilnehmenden und drei auf Intensivstationen mit 142 Teilnehmenden. In den Nicht-ICU-Studien hatten mehr als 80 % der Patienten einen Typ-2-Diabetes.
Die Ergebnisse auf Normalstationen waren deutlich: AID erhöhte die Time in Range von 100–180 mg/dL gegenüber der Standardtherapie im Mittel um 24,6 %. Gleichzeitig sank die Zeit oberhalb von 180 mg/dL um 24,2 %, die mittlere Glucosekonzentration nahm um etwa 1,7 mmol/L ab und auch die glykämische Variabilität wurde reduziert.
Bemerkenswert war zudem die hohe Konsistenz der Ergebnisse zwischen den Studien. Die Zeit in Hypoglykämie blieb in beiden Gruppen niedrig und unterschied sich nicht signifikant. Aufgrund der geringen Zahl hypoglykämischer Ereignisse ist die Sicherheit der Evidenz für diesen Endpunkt allerdings begrenzt.
Für Intensivstationen ist die Datenlage deutlich schwächer. Die drei verfügbaren Studien verwendeten unterschiedliche Zielbereiche und Endpunkte, sodass keine gemeinsame Metaanalyse möglich war. Einzelne Studien zeigten zwar ebenfalls Vorteile unter AID, belastbare Schlussfolgerungen lassen sich daraus bislang jedoch nicht ableiten.
Auch klinische Endpunkte wurden nur selten untersucht. Zwei Studien auf Normalstationen berichteten eine hohe Patientenzufriedenheit: 85–98 % der Teilnehmenden waren mit ihren Glucosewerten beziehungsweise dem AID-System zufrieden. Eine ICU-Studie beobachtete zudem weniger chirurgische Wundinfektionen und eine kürzere Krankenhausverweildauer, während eine andere keinen Unterschied in der Mortalität fand.
Warum könnte AID gerade im Krankenhaus interessant sein? Im Gegensatz zu konventionellen Basal-Bolus-Konzepten verbinden diese Systeme kontinuierliche Glucosemessung mit einer algorithmus-basierten Anpassung der Insulinzufuhr und können damit schneller auf Veränderungen der Insulinsensitivität reagieren. Systeme, die zudem ohne Mahlzeitenankündigung auskommen, könnten insbesondere im Klinikalltag Vorteile bieten, da Kohlenhydratzählung und exakte Mahlzeitenplanung dort häufig schwierig sind.
Allerdings bleiben erhebliche Einschränkungen. Die Studien waren klein, mehrere stammen aus eng verbundenen Forschungsgruppen, und die untersuchten Populationen bestanden überwiegend aus älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes. Menschen mit Typ-1-Diabetes – also gerade jene Patientengruppe, die im Alltag bereits besonders häufig AID nutzt – waren in den Nicht-ICU-Studien nicht vertreten.
Zudem wurde die Kontrolltherapie nicht immer klar standardisiert. Harte klinische Endpunkte wie Infektionen, Wiederaufnahmen oder Mortalität wurden nur selten erfasst. Auch Daten zur Kosteneffizienz sowie klare Empfehlungen dazu, ob und unter welchen Bedingungen Patienten ihre eigenen AID-Systeme während eines Krankenhausaufenthalts weiterverwenden können, fehlen bislang weitgehend.
Fazit: Die bisherige Evidenz spricht dafür, dass AID-Systeme auf Normalstationen die Glucosekontrolle deutlich verbessern können. Die Time in Range steigt, Hyperglykämien und glykämische Variabilität nehmen ab – bislang ohne Hinweis auf ein erhöhtes Hypoglykämierisiko.
Für Intensivstationen reicht die Datenlage dagegen noch nicht für belastbare Aussagen. Entscheidend werden nun größere, pragmatische und multizentrische Studien sein, die neben Glucoseparametern auch klinische Endpunkte, Arbeitsaufwand und Kosteneffizienz untersuchen. Die Frage dürfte deshalb weniger sein, ob AID im Krankenhaus eine Rolle spielen wird, sondern wie und unter welchen Bedingungen es sicher in den klinischen Alltag integriert werden kann.
Literatur
- Olsen MT, Liarakos AL, Wilmot EG, Dhatariya K, Mustafa O, Thabit H, et al. Automated Insulin Delivery Systems in Hospitals: A Systematic Review with Meta-Analysis. Diabetes Technology & Therapeutics. 2026. doi: 10.1177/15209156261457746. PubMed PMID: 42338280.
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