HbA1c und durchschnittliche Glucosewerte stimmen nicht bei allen Menschen gleichermaßen gut überein. Ursache dafür sind unter anderem individuelle Unterschiede in der Lebensdauer und Physiologie der roten Blutkörperchen sowie in der Glykierung. Dadurch können zwei Personen mit vergleichbarer mittlerer Glykämie deutlich unterschiedliche HbA1c-Werte aufweisen.
CGM-Daten sind von diesen Einflüssen weitgehend unabhängig. Eine kontinuierliche Nutzung von CGM ist jedoch nicht für alle Menschen mit Diabetes praktikabel oder verfügbar. Umso interessanter ist die Frage, ob sich der HbA1c-Wert stärker individualisieren lässt. Eine britische Forschergruppe untersuchte deshalb einen sogenannten personalisierten HbA1c-Wert (pA1c), der auf dem individuellen Verhältnis zwischen mittlerer Glucose und HbA1c basiert [1].
In die prospektive 26-wöchige Studie wurden 257 Menschen mit Diabetes eingeschlossen, davon 54 mit Typ-1- und 203 mit Typ-2-Diabetes. Die Teilnehmenden gehörten unterschiedlichen ethnischen Gruppen an: 59 waren schwarz, 76 weiß, 91 asiatisch und 31 wurden anderen ethnischen Gruppen zugeordnet. Während der gesamten Studie erfolgte eine CGM-Messung. HbA1c- und CGM-Daten der ersten zwölf Wochen dienten zur Berechnung des individuellen pA1c, dessen Aussagekraft anschließend in den Wochen 20 bis 26 überprüft wurde.
Die Ergebnisse waren deutlich: Bei 33 % der Teilnehmenden bestand zunächst eine klinisch relevante Diskrepanz von mindestens 0,5 Prozentpunkten zwischen HbA1c und der aus CGM-Daten abgeleiteten mittleren Glykämie. Durch die Verwendung von pA1c sank dieser Anteil auf 14 % – eine relative Reduktion um 58 %.
Besonders ausgeprägt war der Effekt bei schwarzen Studienteilnehmenden. Hier lag die Rate relevanter Diskrepanzen zunächst bei 41 % und sank mit pA1c auf 12 %, entsprechend einer relativen Reduktion um 71 %. Bemerkenswert ist allerdings auch eine andere Beobachtung: Die Unterschiede zwischen einzelnen Personen innerhalb derselben ethnischen Gruppe waren größer als die durchschnittlichen Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen. Dies spricht dafür, HbA1c-Diskrepanzen eher individuell als allein anhand ethnischer Zugehörigkeit zu betrachten.
Fazit: Ein personalisierter HbA1c-Wert könnte die tatsächliche mittlere Glykämie besser abbilden als der konventionelle HbA1c allein. Besonders interessant erscheint der Ansatz bei Menschen, bei denen HbA1c und CGM-Daten wiederholt nicht zusammenpassen. Ob und wie sich pA1c künftig in der klinischen Routine einsetzen lässt, muss jedoch weiter untersucht werden.
Literatur
- Ajjan RA, Choudhary P, Xu Y, Dunn TC. Glucose-Derived Personalized HbA1c Correction (GDAC) Study to Improve Alignment Between CGM-Derived Metrics and HbA1c in Different Individuals and Racial Groups with Diabetes: Implications for Clinical Practice. Diabetes Care. 2026;49(8):1420–1427. doi: 10.2337/dc26-0398.
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