Herzlich willkommen beim diatec weekly,
wer wie wir während des EASD viel durch Mailand gelaufen ist, konnte es nicht übersehen: Rote Banner und Installationen überall, eine historische Lilly-Tram, ein „Walking Path“ zwischen dem Konferenzcenter MiCo und Piazza Tre Torri und schließlich das große „Fuori Congresso“ im CityLife-Viertel mit Talks, Running-Events, Kochformaten und interaktive Angebote rund um das Thema kardiometabolische Gesundheit. Selbst die „Stazione Centrale“ wurde im Rahmen eines Lilly-Light Projects mit pulsierendem rotem Licht inszeniert. Aus einem wissenschaftlichen Kongress wurde zumindest teilweise ein öffentliches Stadt-Event und aus einem berechtigtem Marketingkonzept ein Consumer-Branding.
Lilly selbst nennt rund 20 Mio. € als gesamtes Kommunikations-investment in Italien für 2026 und war im Übrigen auch nicht die einzige Firma mit einem unübersehbaren Werbeauftritt. Auch Novo trug den Kongress sichtbar in die Stadt hinaus, unter anderem mit einer großen Mongolfiera vor dem Kongressgebäude, bei der man sich für ein paar Minuten mit einem Heißlustballon in die Luft tragen lassen und so das Motiv eines „leichteren Lebens“ visualisieren konnte. Kostenlose kardiometabolische Checks mit Blutdruck, Fitnessparameter und weitere Risikomarkern wurden in der großen Foodhall angeboten und unter dem Titel „Advancing person-centred care across the cardiometabolic spectrum through scientific innovation“ wurde fast der gesamte Montag vor dem eigentlichen Kongress von Novo bespielt. Für beide Unternehmen kamen beeindruckend große Stände in der Industrieausstellung hinzu, daneben gab es viele wissenschaftliche Abstracts, Symposien und Vorträge. Novo war sichtbar, Lilly omnipräsent.
Man kann das alles durchaus positiv sehen. Diabetes, Adipositas und andere kardiometabolische Erkrankungen gehören schließlich nicht nur in Kongresshallen. Wenn Gesundheitswissen stärker in die Öffentlichkeit getragen wird, Menschen zu Bewegung und einer besseren Ernährung motiviert oder auf bislang unbekannte Risiken aufmerksam gemacht werden, kann das einen echten Nutzen haben. Und natürlich geht es für die Unternehmen immer auch um Markenbildung, Sichtbarkeit und Unternehmenskommunikation. Besonders Lilly setzt hier offenbar bewusst neue Akzente.
Trotzdem bleibt die Größenordnung solcher Aktivitäten bemerkenswert, führt sie doch zwangsläufig zu einer weitergehenden Frage: Wenn Unternehmen bereit sind, erhebliche Mittel dafür einzusetzen, Aufmerksamkeit für Gesundheitsthemen zu schaffen, ließe sich ein Teil dieser Energie nicht noch stärker mit konkreten Verbesserungen der Versorgung verbinden? An Ideen mangelt es ja nicht. Innovative regionale Versorgungskonzepte, telemedizinische Betreuung, CGM-basierte Triage, digitale und hybride Schulungsangebote oder eine bessere Vernetzung zwischen Schwerpunktpraxen und Kliniken könnten für Menschen mit Diabetes in Deutschland und darüber hinaus einen sehr unmittelbaren Nutzen haben.
Gerade dort fehlt es häufig weniger an Konzepten als an personellen und finanziellen Ressourcen für deren Umsetzung und wenn wir in Deutschland mal vorsichtig bei den entsprechenden Unternehmen anfragen und um Unterstützung bitten, heißt es immer: Kein Geld! Auch Prävention ließe sich einen gehörigen Schritt weiterdenken. Beispielsweise hätte ein Gesundheitscheck während des Kongresses mitten in Mailand Menschen sensibilisieren und aufmerksam machen können. Noch wertvoller sogar, wenn für Menschen mit auffälligen Ergebnissen anschließend ein klarer Weg in Beratung, Diagnostik und Versorgung genannt werden könnte.
Wir wollen die Unternehmen „keineswegs“ kritisieren, schließlich dürfen sie das Geld ausgeben, wofür sie es für richtig halten – auch wenn es aus der Solidargemeinschaft kommt. Aber vielleicht könnte auch einmal gemeinsam definiert werden, was heute so gerne als „Patient Activation“ bezeichnet wird, und dazu gehört unserer Meinung nach nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern Menschen dabei unterstützen, aus dieser Aufmerksamkeit tatsächlich etwas zu machen.
Das soll den Wert guter Kommunikation keineswegs kleinreden. Im Gegenteil: Die Aktivitäten rund um den EASD haben gezeigt, welche Reichweite, Kreativität und organisatorische Kraft große Unternehmen mobilisieren können. Spannend wäre es, wenn sich diese Stärke künftig noch stärker mit innovativen und nachhaltigen Versorgungskonzepten verbinden ließe. Dann bliebe auch von einem Kongress wie dem EASD nicht nur ein eindrucksvolles „Stadtbild“ zurück, sondern vielleicht auch die eine oder andere konkrete Verbesserung für Menschen mit Diabetes.
Diese Woche berichten wir die wichtigsten News vom EASD mit einer Zusammenfassung, gefolgt von einer Studie der Firma Abbott, die untersucht hat, ob CGM zu weniger kardiovaskulären Ereignissen und Todesfällen führt und von dem deutschen Diabetologen Jochen Seufert vorgestellt wurde. Zum Schluss gibt es aktuelle Ergebnisse zu dia·link.
Bevor‘s losgeht, möchten wir noch auf zwei Veranstaltungen aufmerksam machen:
- CONGRESS COMPACT EASD 2026– hier berichten im Rahmen der Freestyle-Akademie am 14.10.2026 von 18:00 bis 20:00 Uhr Experten und Expertinnen kritisch und im Detail von aktuellen Entwicklungen und klinischen Daten, die in Mailand vorgestellt wurden.
- Die Anmeldungen für diatec und t1day 2027 sind freigeschaltet.
Nun aber – auf geht’s!
Nun ist auch er wieder Geschichte – der EASD 2026 in Mailand. Er war so gut besucht, wie lange nicht, mehr als 15.000 Teilnehmer hatten sich bereits im Vorfeld registriert, meldet das Tagungsbüro. Das sind deutlich mehr als in 2025 und hinzu kommen wohl nicht wenige Spontan-Anmeldungen. Auch die Industrie-Halle war zum Bersten gefüllt, nirgends klafften Lücken wie in den vergangenen Jahren. Wer versuchte, noch ein Plätzchen für einen Ministand zu bekommen, wurde abgewiesen:
Full House in Milano
Unter der Vielzahl von Symposien, Vorträgen, Industrieveranstaltungen und Postern zeigten sich thematisch drei große Bereiche: Beyond GLP-1 mit Triple Agonisten und oralen Inkretinen, dann das große Technologiefeld AID-Systeme und Typ-2 Diabetes und als drittes Themenfeld: Diabetes beginnt vor der Diagnose – Screening, Immuntherapie und Betazellersatz. Damit lässt sich klar erkennen, wohin die Reise geht: Diabetes wird größer als Diabetes! Natürlich geht es auch weiterhin um Glucosewerte, HbA1c, Insulin und Technologie, aber die Grenzen verschieben sich.
CGM wird längst nicht mehr nur bei Menschen mit Typ-1-Diabetes eingesetzt. Zunehmend rückt auch die Frage in den Fokus, welchen Nutzen das kontinuierliche Glucosemonitoring bei Menschen mit Typ-2-Diabetes hat – insbesondere bei Menschen, die mit Basalinsulin behandelt werden. Beim EASD wurden dazu bemerkenswerte Real-World-Daten der Firma Abbott vorgestellt: CGM-Nutzer hatten deutlich niedrigere Raten für Tod und kardiovaskuläre Ereignisse. Doch wie immer bei Beobachtungsdaten gilt: Zusammenhang ist nicht gleich Ursache:
Führt CGM bei Typ-2-Diabetes zu weniger Todesfällen und kardiovaskuläre Ereignissen?
Für die Analyse nutzten Abbott und kooperierende Institutionen Daten der Truveta-Plattform, die anonymisierte elektronische Gesundheitsdaten von mehr als 140 Millionen Menschen in den USA umfasst. Untersucht wurden Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, die zwischen Januar 2017 und März 2024 mit Basalinsulin behandelt wurden, mit oder ohne zusätzliche nicht-insulinbasierte Diabetesmedikamente.
Was tun Menschen mit Diabetes konkret, wenn der Glucosewert in den Keller geht? Traubenzucker dürfte wohl die klassische Antwort sein. Aber wer schon lange mit Diabetes lebt, weiß: Theorie und Alltag sind nicht immer dasselbe. Die aktuelle „Frage des Monats“ der dia·link-Community zeigt jedenfalls eine erstaunliche Vielfalt und vor allem, wie viel persönliche Erfahrung hinter der Wahl des richtigen „Hypo-Helfers“ steckt:
Hypo-Helfer – Traubenzucker, Gummibärchen oder doch lieber Saft?
Was nutzen Sie normalerweise, um eine Unterzuckerung zu behandeln? Diese Frage wurde im September an die dia·link Community gestellt. Insgesamt 919 Menschen mit Diabetes haben geantwortet. 72,8 % von ihnen leben mit Typ-1-Diabetes, 27,2 % mit Typ-2-Diabetes. Im Mittel waren die Teilnehmenden knapp 60 Jahre alt und lebten bereits fast 30 Jahre mit ihrem Diabetes. Hier kommt also einiges an Alltagserfahrung zusammen.
Das Bild der Woche

Wir suchen Kunst im Museum und Liebe fürs Leben überall.
Manchmal begegnet einem beides auf der Straße, man muss nur um die nächste Ecke schauen.
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Zum Schluss noch wie immer das Letzte
Trotz aller aktuellen Diskussionen und Warnungen hat OpenAI kürzlich sein neustes Flagship-Modell veröffentlicht: GPT-6 Astra Es kann Flugsimulatoren bauen, Videos schneiden, Canva bedienen und erstaunlich komplexe digitale Welten erschaffen. Wenn man das alles nicht braucht, merkt im eigenen Alltag zunächst einmal nichts davon. Zeit also, sich mal den aktuellen Stand der künstlichen Intelligenz anschauen.
Die KI-Entwicklung schreitet rasant voran. Die neuen Modelle werden leistungsfähiger, KI-Agenten immer autonomer und ihre Handlungen immer schwerer nachvollziehbar. Merkwürdigerweise kommt davon bei vielen Nutzern wenig an, weil sie ChatGPT, Claude und Co zwar verwenden, indem sie Fragen stellen und Antworten bekommen und trotzdem den Eindruck haben, dass sich gar nicht viel verändert hat. Weil wir KI immer noch wie eine bessere Suchmaschine behandeln!? Bevor jemand Auto fahren darf, muss er lernen, wie ein Auto funktioniert. Theorie, Praxis, Gefahrensituationen, Prüfung. Für LLMs, also den Sprachmotoren hinter der KI, gibt es keinen Führerschein, mit guten Gründen natürlich, denn ein falsch bedienter Chatbot verursacht keinen Blechschaden, außerdem verändert sich KI wesentlich schneller als ein Auto.
Ein LLM kann sich schließlich selbst erklären, also fragen wir einfach, was wir wissen wollen. Genau das funktioniert nur begrenzt, denn LLMs wissen nicht automatisch, was für uns wichtig ist, wie wir arbeiten, welche Erfahrungen wir haben oder welche Antworten wir bereits als unbrauchbar verworfen haben. Ohne diesen Kontext beginnen viele Gespräche immer wieder bei null. Die Antwort ist vielleicht korrekt, aber eben nur „okay“. Und beim nächsten Chat geht alles wieder von vorne los.
Wer so arbeitet, nutzt KI zwar, entwickelt aber kaum ein besseres System für die eigene Nutzung. Der entscheidende Feedback-Loop fehlt. Beim Autofahren würden wir das niemals akzeptieren, dort lernen wir aus Fehlern, bekommen Rückmeldung und werden schrittweise besser. Bei KI müssen wir diesen Prozess selbst organisieren. Wir sind gleichzeitig Fahrer, Fahrlehrer und Mechaniker.
Eine schlechte Antwort sollte deshalb nicht nur Anlass für einen besseren Prompt sein, sondern die Frage auslösen: Was muss ich an meinem System verändern, damit diese Antwort beim nächsten Mal besser wird? Braucht das Modell mehr Kontext? Zugriff auf Dokumente, Mails oder Daten? Klare Regeln, wiederkehrende Workflows oder Erinnerungen an frühere Entscheidungen? Das klingt aufwendig – und ist es auch. Doch hier beginnt der Unterschied zwischen gelegentlicher KI-Nutzung und einem persönlichen KI-System. Je besser ein solches System die eigene Arbeit, die eigenen Daten, Vorlieben und Abläufe kennt, desto größer wird sein Nutzen, denn die entscheidende „Netzwerkgröße“ besteht dann nicht mehr darin, wie viele Menschen ein System nutzen – sondern darin, wie gut es mit meinem eigenen Netzwerk aus Wissen, Daten und Werkzeugen verbunden ist.
Nun muss nur noch die eigentliche Frage beantwortet werden: Will ich das auch? Wo endet Unterstützung und wo beginnt die Delegation des eigenen Denkens? Will ich einer seelenlosen KI tatsächlich Zugriff auf meine persönlichen Gedanken und Ideen geben? Will ich meine persönliche Kreativität an ein Netzwerk übergeben und diesem auch noch Einblick in meine individuelle Arbeitsweise gewähren? Was ja dann auch nicht nur für „meinem persönlichen KI-Agenten“ gilt, sondern der dies wiederum für seinen Kontakt mit allen anderen auch nutzt? Schließlich kann er ja lernen! Je leistungsfähiger die KI wird, desto mehr hängt ihr tatsächlicher Nutzen davon ab, was wir selbst daraus machen – oder auch nicht. Der beste Pinsel braucht zwar gute Hände, man lässt ihn aber nicht entscheiden, was gemalt wird.
Wir sind ans Ende angelangt. Der Herbst-Pinsel malt inzwischen draußen die Blätter golden und die Bäume zeigen uns für dieses Jahr ein letztes Mal ihre Pracht, bevor sie alles abwerfen und in den Winterschlaf gehen. Nun aber genug der Poesie und dafür die besten Wünsche für ein entspanntes Wochenende,
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Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!
Mit freundlichen Grüßen
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