Herzlich willkommen beim diatec weekly,

da sind wir wieder, mit einer Woche Verspätung. Leider hat bei uns das aktuelle Sommervirus zugeschlagen und uns ein wenig „außer Gefecht“ gesetzt. Und das ist auch gleich eine gute Überleitung zum Thema des heutigen Intros, denn es geht um Framing! Framing, abgeleitet von Frame = Rahmen, bedeutet frei übersetzt: Das Wort bestimmt die Wirklichkeit. So wie wir den militärischen Begriff vom Schlachtfeld „außer Gefecht“ heute metaphorisch benutzen und damit nicht unsere Verwundung oder Gefangennahme meinen, so geht es in der modernen Kommunikation um den gedanklichen Rahmen, in den eine Information eingebettet wird. Dieser Rahmen beeinflusst, wie wir eine Botschaft verstehen und bewerten.

Ein gutes Beispiel aus der jüngeren Zeit ist der „Heizhammer“, ein Wort, mit dem ein Gesetzentwurf emotional aufgeladen wurde. Heizhammer suggeriert Zwang, Härte und Bedrohung. Aus einem Gesetz zur Energieeffizienz wurde so sprachlich kein Infrastrukturprojekt, sondern ein Angriff auf das Wohnzimmer. Der Clou dabei: Es hat funktioniert! Aus einem komplexen Gebäudeenergiegesetz wurde binnen weniger Wochen eine Erzählung über Verbote, Zwang und milliardenschwere Belastungen. Viele Menschen hatten am Ende den Eindruck, ihre funktionierende Heizung müsse kurzfristig herausgerissen werden oder Wärmepumpen seien unbezahlbar. Sicherlich entstand ein Teil dieser Wahrnehmung durch schlechte politische Kommunikation, ein anderer Teil aber durch eine mediale Dynamik, die lieber starke Bilder produziert als komplizierte Zusammenhänge erklärt.

Weitere Beispiele für Framing sind Flüchtlingswelle, obwohl es um schutzsuchende Menschen geht, oder Sparpakete anstelle von Kürzungen, Sondervermögen anstelle von Schulden und das Bürokratiemonster anstelle von staatlicher Kontrollfunktionen. Auch die „Kosten des Gesundheitssystems“ hören sich beunruhigender an als „Investitionen in die Gesundheit der Bürger“ oder „KI ersetzt den Arzt“, obwohl KI den Arzt unterstützen kann. So setzt die Wortwahl den Interpretationsrahmen.

Framing ist deshalb wirksam, weil unser Gehirn gern mit Abkürzungen arbeitet. Wir könnten nicht tagtäglich Tausende von Informationen neu bewerten und greifen deshalb auf mentale Modelle zurück. Framing nutzt diesen Mechanismus, weil es Komplexität reduziert, emotionale Reaktionen erzeugt und Bewertungen beeinflusst. Und meistens bemerken wir es nicht einmal. Medien berichten selten über Fakten, sondern benutzen Bilder, Zitate oder gerne auch Zahlen: „Krankenkassen müssen Millionen für neue Diabetes-Technologie bezahlen.“ Das hört sich anders an als: „Neue Diabetes-Technologien verhindern schwere Unterzuckerungen.“ Im Prinzip unterscheiden sich beide Aussagen nicht voneinander, trotzdem ist ihre Wirkung unterschiedlich. Wenn wir von „Kostenexplosion“, „Ärztemangel“, „Pflegenotstand“ oder „Datenkrake“ sprechen, hinterfragen nur noch wenige Menschen, ob und welche Tatsachen hinter diesen Begriffen stecken. So wird der Frame zur Wirklichkeit.

Auch Wiederholungen funktionieren, denn sie erzeugen – konsequent eingesetzt – eigene Wahrheiten. Als Donald Trump immer wieder behauptete, Barack Obama sei ein unrechtmäßiger Präsident, weil er nicht in den USA geboren worden sei, dauerte es nicht lange, bis viele Menschen ihm das abnahmen. So entstanden die Fake News, die seither im großen Stil eingesetzt werden und in dem Wissen, dass das menschliche Gehirn, das glaubt, was vertraut klingt. Auch unsere Überschrift „Bild Dir Deine Meinung“ ist ein gutes Beispiel. Seit Jahrzehnten begleitet uns dieser Slogan, der nach Aufklärung, Eigenständigkeit und kritischem Denken klingt und nicht nach einer Werbebotschaft.

Sich eine eigene Meinung zu bilden war vermutlich nie einfach. Heute bedeutet es mehr denn je, zunächst zu akzeptieren, dass man etwas noch nicht weiß. Vielleicht liegt die größte Gefahr nicht darin, dass andere versuchen, unsere Meinung zu beeinflussen, sondern darin, dass wir glauben, dagegen immun zu sein. Die meisten Menschen halten sich selbst für vernünftig, kritisch und unabhängig. Manipulierbar sind immer nur die anderen: die Leser der Boulevardpresse, die Anhänger einer Partei oder die Nutzer sozialer Medien. Tatsächlich aber sitzt niemand außerhalb des Rahmens. Jeder von uns blickt durch die Brille seiner Erfahrungen, Überzeugungen und Vorurteile auf die Welt.

Heute reicht es auch nicht mehr, Informationen zu finden, die gibt es im Überfluss. Die Herausforderung besteht darin, die Verpackung zu erkennen. Warum wurde genau dieses Wort gewählt? Warum genau dieses Bild? Warum genau diese Zahl? Und welche Geschichte soll damit erzählt werden?

Wer sich diese Fragen stellt, wird nicht automatisch klüger, aber vorsichtiger und vielleicht auch etwas demütiger gegenüber den eigenen Gewissheiten. Eine eigene Meinung zu haben bedeutet auch nicht, auf jede Frage sofort eine Antwort zu kennen. Es bedeutet, bereit zu sein, seinen Rahmen gelegentlich zu verlassen und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. In diesem Sinne: Bilden Sie sich Ihre Meinung. Aber vergessen Sie nicht, gelegentlich auch den Rahmen zu hinterfragen, in dem sie entstanden ist.

Unsere Wochenthemen sind diesmal ein Gastbeitrag von Christoph Neumann aus München zu Diabetes-Technologie im Praxisalltag und im Anschluss eine etwas längere Übersicht mit News aus der Industrie. Auf geht’s!

Es hängt von der Perspektive ab, wie wir über Diabetes-Technologie sprechen. Die einen sehen vor allem die steigenden Ausgaben für CGM-Systeme und AID-Technologien und fragen, ob sich unser Gesundheitssystem diese Entwicklung langfristig leisten kann. Die anderen sehen einen der größten Fortschritte in der Geschichte der Diabetologie: bessere Glucosekontrolle, weniger Hypoglykämien, mehr Sicherheit und Lebensqualität für Menschen mit Diabetes. Geht es also um Kosten oder um Investitionen in eine bessere Versorgung? Der folgende Beitrag von Dr. Christoph Neumann aus München beleuchtet diese Entwicklung aus diabetologischer Sicht und zeigt, warum moderne Diabetes-Technologie zwar Ressourcen bindet, ihr Nutzen für die Versorgung jedoch kaum zu überschätzen ist:

Kosten oder Fortschritt – eine Frage der Perspektive

Ein Gastbeitrag von Christoph Neumann, München

Wir sind uns sicher einig, dass die Etablierung von CGM im ambulanten Bereich unsere Arbeit vollkommen verändert und auf eine andere Ebene gestellt hat. Statt willkürlich gewählter Messzeitpunkte bilden sich lückenlos die wirklichen Glucosefluktuationen ab, die eine bis dahin nicht vorstellbare Therapieanpassung durch Diabetesspezialisten ermöglichen. Aber auch durch die Betroffenen selbst können klare Rückschlüsse gezogen werden, welche Maßnahme zu welchem Ergebnis führt. Ob Essen, Bewegung oder medikamentöse Therapie vor allem in Form von Insulin eingesetzt werden, das Ergebnis ist sichtbar und kann im besten Fall zu einer positiven Verhaltensänderung führen.

Ein Blick auf die Umsätze im Diabetes-Technologie-Markt in den letzten 20 Jahren zeigt, wie sie bei den Blutzuckerteststreifen deutlich runtergehen, auf einem niedrigen Niveau jedoch recht stabil bleiben, während Umsätze von CGM-Systemen weiter deutlich ansteigen, gefolgt von Insulin-Pumpen/AID-Systemen. Hier kommt ein

Update mit Firmeninfos zu Diabetes-Technologie Mai 2026 (Firmen in alphabetischer Reihenfolge sortiert)

Abbott erhält CE-Kennzeichnung für zwei kombinierte Glucose-Ketonkörper-Sensoren unter den Namen Libre Duo und Libre Duo 10 Day – 27. Mai 2026

Dexcom Flex kommt nach Deutschland

Insulet startet FCL-Studie bei T2DM

MiniMed-Insulinpumpen – Rückruf der Klasse II in den USA

Senseonics bringt Eversense 365 in der EU auf den Markt

Roche Diagnostics hat seine Strategie bei digitalen Lösungen und technologischer Integrationen sowie seine Pipeline vorgestellt

ViCentra liefert die Kaleido-Pflasterpumpe aus

Das Bild der Woche

Der Düsseldorfer Fotograf Andreas Gursky, weltweit bekannt für seine monumentalen, wandfüllenden
Bilder, hat Harry Styles fotografiert und fokussiert dabei weniger auf den Sänger selbst als auf die riesige
Menge junger Fans, die mit ihren allgegenwärtigen Smartphones ihren Star permanent festhalten wollen.

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Zum Schluss noch wie immer das Letzte

Es gibt einen traurigen Anlass für das heutige Letzte, denn Bastian Hauck ist vor einigen Tagen verstorben. Bastian hat sich sehr für die Interessen von Menschen mit Diabetes engagiert und damit kulturelle und politische Veränderung in der Diabeteswelt angestoßen.

Bastian Hauck war Unternehmer, Netzwerker, begeisterter Segler, Autor und einer der einflussreichsten Patientenvertreter der internationalen Diabetes-Community. Nach seiner Typ-1-Diabetes-Diagnose im jungen Erwachsenenalter entwickelte er schnell die Überzeugung, sich nicht auf seine Erkrankung reduzieren zu lassen und verwirklichte seinen Traum von einem fünf-monatigen Segeltörn rund um die Ostsee. Mit ausreichend Insulinvorrat und Blutzuckerteststeifen an Bord ging es von Berlin über Polen, Kaliningrad und die baltischen Staaten bis nach Russland, zurück über Finnland und die Alandinseln zurück nach Berlin – ganz allein auf seinem Boot Tadorna. Auch weitere Segelreisen bis hin zu Fahrten rund um Kap Hoorn wurden für ihn zum Symbol eines selbstbestimmten Lebens mit Diabetes.

Beruflich führte ihn sein Weg über das Auswärtige Amt, die OECD, die Vereinten Nationen und die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik. Seine akademische Ausbildung absolvierte er in Witten/Herdecke und Beirut. 2012 gründete er #dedoc, ursprünglich als deutsche Diabetes Online Community. Aus einem Twitter-Hashtag für wöchentliche Online-Gespräche entwickelte sich innerhalb weniger Jahre eine der bedeutendsten Patientenbewegungen im Diabetesbereich weltweit. Was #dedoc von vielen anderen Initiativen unterscheidet, war Bastians Verständnis von echter Teilhabe. Sein Leitsatz lautete: „Nothing About Us Without Us“! Menschen mit Diabetes sollten nicht länger Objekt von Forschung, Versorgung oder Gesundheitspolitik sein, sondern gleichberechtigte Partner am Tisch. Dieses Prinzip wurde später zu einem internationalen Leitmotiv der Diabetes-Advocacy.

Bastian Hauck war früh darüber irritiert, dass auf großen wissenschaftlichen Kongressen zwar über Menschen mit Diabetes gesprochen wurde, aber selten mit ihnen. Deshalb initiierte er zunächst die sogenannten #docdays, Treffen von Diabetes-Aktivisten im Umfeld internationaler Fachkongresse. Aus diesen Anfängen entstand später das weltweit größte Stipendienprogramm für Menschen mit Diabetes: die #dedoc Voices. Diabetes-Aktivisten aus mehr als 100 Ländern erhielten dadurch Zugang zu Kongressen wie ATTD, EASD oder ISPAD und konnten ihre Perspektiven direkt in wissenschaftliche und gesundheitspolitische Diskussionen einbringen und was heute selbstverständlich ist, z.B. Patientenvertretungen bei Fachkongressen oder Beteiligungen von Betroffenen an Panels, Advisory Boards oder Forschungsprojekten, wurden so mitgeprägt.

In Deutschland war Hauck Gründungsmitglied der Deutschen Diabetes-Hilfe und Vorstandsmitglied von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Dort verantwortete er insbesondere die Bereiche Patient Engagement, Advocacy, eHealth, mHealth und Online-Community. Bei Kongressen und politischen Foren war er ein gefragter Referent, immer mit dem Ziel, die Perspektive der Betroffenen sichtbar zu machen und Selbsthilfe als unverzichtbaren Teil moderner Versorgung zu stärken.

Öffentlich wurde erst in jüngster Zeit bekannt, dass Bastian Hauck seit 2021 mit einer Krebserkrankung lebte. Nach zahlreichen Behandlungen und Operationen beendete er Anfang 2026 die kurativen Therapieversuche und erhielt zuletzt palliative Versorgung. Die Nachricht von seinem Tod löste weltweit große Anteilnahme in der Diabetes-Community aus und die Reaktionen aus Europa, Nordamerika, Australien, Asien und Afrika zeigen, wie weit sein Einfluss reichte. Für viele Menschen war er nicht nur Organisator oder Aktivist, sondern jemand, der ihnen erstmals das Gefühl gab, dass ihre Stimme zählt.

Was Bastian Hauck so besonders machte, war weniger die Gründung einer Organisation als die Erzeugung von Gedanken wie: Erfahrung ist Wissen, Betroffene sind Experten ihres eigenen Lebens und gute Medizin ist erst dann wirklich gut, wenn sie den Menschen berücksichtigt. Sein größter Erfolg lässt sich vielleicht daran erkennen, dass heute auf internationalen Diabeteskongressen kaum noch eine Diskussion über Versorgung, Technologie oder Forschung stattfindet, ohne dass auch Menschen mit Diabetes vertreten sind. Diese Selbstverständlichkeit musste erst geschaffen werden.

Wir werden uns an Bastian an den Segler, den Netzwerker, den Diplomaten oder den leidenschaftlichen Debattierer erinnern. Sein bleibendes Vermächtnis ist, dass er unzähligen Menschen eine Stimme und das sichere Gefühl gegeben hat, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Das wars für diese Woche. Der Sommer ist da und damit die unbeschwerte Zeit mit Aussicht auf baldige Ferien. Genießen Sie das Wochenende mit hoffentlich schönen langen Abenden irgendwo draußen im Garten oder in freier Natur und bleiben Sie entspannt,

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