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für welche Antwort würden sich Menschen mit Diabetes entscheiden, wenn die Frage lautet: Was ist im Umgang mit Diabetes-Technologie wichtiger – Sicherheit oder Bequemlichkeit? Die häufigste Antwort dürfte lauten: „Ich möchte mich darauf verlassen können.“ Dahinter steckt vor allem der Wunsch nach Sicherheit. Doch auch Bequemlichkeit hat mit Sicherheit zu tun. Ein System, das zwar theoretisch sicher ist, aber kompliziert zu bedienen, häufig kalibriert werden muss oder im Alltag stört, wird schlechter genutzt – und damit sinkt letztlich auch seine Sicherheit.

Sicherheit gehört zu den wichtigsten Versprechen moderner Diabetes-Technologie. Noch nie war die Behandlung des Diabetes so präzise und zuverlässig wie heute. Korrekte Messwerte, verlässliche Insulinabgaben und rechtzeitige Warnungen sind für Nutzer von CGM- und AID-Systemen längst selbstverständlich geworden.

Umso verstörender war die Nachricht vom vergangenen Wochenende. Nach seiner Niederlage im Halbfinale von Halle gegen Taylor Fritz berichtete der deutsche Tennisstar Alexander Zverev, sein Glucosesensor habe während des Matches deutlich zu hohe Werte angezeigt. Daraufhin korrigierte er mit Insulin und geriet anschließend in eine schwere Unterzuckerung, die er nach eigenen Angaben mit rund 350 Gramm Zucker zu behandeln versuchte. Zverev betonte allerdings auch, dass dies der erste derartige Vorfall in rund neun Jahren Nutzung dieser Technologie gewesen sei. Ob tatsächlich ein technischer Fehler vorlag, wird sich möglicherweise nie vollständig klären lassen.

Tatsache ist: Millionen Menschen verlassen sich täglich auf Glucosesensoren, Insulinpumpen und automatisierte Insulinabgabesysteme – und das in den allermeisten Fällen problemlos. Dennoch sind auch moderne Technologien nicht unfehlbar. Technische Störungen oder unerwartete Situationen lassen sich nie vollständig ausschließen. Das gilt für Navigationssysteme ebenso wie für Smartphones oder bargeldlose Bezahlsysteme. Selbst Piloten werden intensiv darauf trainiert, Instrumentenfehler zu erkennen und notfalls manuell zu fliegen. Sicherheit entsteht durch Technik, aber auch durch Redundanz und menschliche Kontrolle.

Die Möglichkeiten moderner Diabetes-Technologie sind beeindruckend. Schwere Hypoglykämien und Ketoazidosen sind seltener geworden, die Lebensqualität vieler Menschen hat sich deutlich verbessert und Glucosewerte, die vor wenigen Jahren noch kaum erreichbar schienen, gehören heute für viele zum Alltag. Dennoch bleiben technische Grenzen bestehen. Sensoren messen nicht direkt den Blutzucker, sondern den Gewebezucker in der Gewebeflüssigkeit, der verzögert reagieren oder durch äußere Einflüsse – etwa körperliche Aktivität – beeinflusst werden kann. Auch Pumpen können ausfallen, und Algorithmen treffen ihre Entscheidungen nur auf Basis der Daten, die ihnen zur Verfügung stehen.

Das macht die Systeme nicht unsicher – im Gegenteil. Moderne Diabetes-Technologie gehört zu den sichersten medizinischen Technologien überhaupt. Doch Sicherheit entsteht nicht allein durch Technik. Hersteller entwickeln zuverlässige Produkte, Diabetes-Teams schulen und begleiten ihre Patienten, und Gesundheitssysteme schaffen die Voraussetzungen für eine qualitätsgesicherte Versorgung. Am Ende bleibt jedoch eine Verantwortung, die niemand vollständig abgeben kann: die eigene Aufmerksamkeit.

Wenn sich ein CGM-Wert nicht mit dem eigenen Befinden deckt, sollte man skeptisch werden. Dann kann eine Kontrollmessung sinnvoll sein. Wer ein AID-System nutzt, sollte zudem verstehen, wie das System funktioniert und wo seine Grenzen liegen. Die Zukunft der Diabetologie wird zweifellos digital sein. Aber gerade deshalb wird sie Menschen brauchen, die aufmerksam bleiben und im entscheidenden Moment die richtige Frage stellen: Passt das, was mir das System gerade zeigt, wirklich zu dem, was mein Körper mir sagt?

Bei allen Innovationen, die bereits verfügbar sind oder noch kommen werden, sollten wir eines nicht vergessen: Die größte Stärke moderner Diabetes-Technologie ist nicht, dass sie Fehler unmöglich macht. Ihre größte Stärke ist, dass sie Fehler seltener macht. Wachsamkeit bleibt dennoch die wichtigste Sicherheitsfunktion im System.

Die Themen der Woche: Nachdem der Insulinhersteller Novo Nordisk am 11. Juni 2026 einen IT-Sicherheitsvorfall gemeldet hatte, bei dem Unbefugte Zugang zu internen Systemen erhielten und dabei auch nicht öffentliche sowie teilweise personenbezogene Daten kopierten, beschäftigen wir uns im ersten Beitrag grundsätzlich mit dem Thema Cyber Security und gibt Hinweise zur besseren Sicherheit. Anschließend folgt ein Gastbeitrag von Dr. Inge van Boxelaer aus Gent, Belgien. Sie hat nach dem ADA eine hervorragende Übersicht über aktuelle Entwicklungen der Diabetes-Technologie zusammengestellt – insbesondere zu AID-Systemen. Prädikat: Absolut lesenswert.

Novo Nordisk hat nach eigenen Angaben vorsorglich einzelne Systeme abgeschaltet, externe Cybersicherheitsexperten hinzugezogen und arbeitet an der sicheren Wiederherstellung der IT-Infrastruktur. Das Kerngeschäft und die Patientenversorgung sind nicht beeinträchtigt.

Auf geht’s!

Moderne Diabetesversorgung basiert zunehmend auf vernetzten Geräten, Cloud-Plattformen und dem Austausch großer Datenmengen. Mit jedem zusätzlichen Sensor, jeder Insulinpumpe und jeder Schnittstelle zwischen Gerät, Smartphone und elektronischer Patientenakte wächst jedoch auch die potenzielle Angriffsfläche für Cyberkriminalität. Auf einer Vorveranstaltung zur ADA 2026 in New Orleans widmete sich der renommierte Diabetes-Technologieexperte David Klonoff diesem Thema und machte deutlich: Die größte Bedrohung betrifft derzeit weniger die Geräte selbst als vielmehr die dahinterliegenden IT-Systeme des Gesundheitswesens:

ADA 2026: Cyber Security – Die unterschätzte Herausforderung der digitalen Diabetologie

Nach einer aktuellen Analyse des FBI zählt das Gesundheitswesen zu den am stärksten gefährdeten Bereichen der sogenannten kritischen Infrastruktur. Krankenhäuser, Gesundheitsnetzwerke und medizinische Informationssysteme sind besonders attraktive Ziele für Datendiebstahl, Erpressungssoftware und andere Cyberangriffe.

Mit Dr. Inge Van Boxelaer begrüßen wir heute eine der engagiertesten Stimmen der europäischen Diabetes-Technologie. Die belgische Endokrinologin aus Gent beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie moderne Diabetes-Technologien besser verstanden, sicher eingesetzt und für Menschen mit Diabetes sowie ihre Behandlungsteams zugänglich gemacht werden können.

Aus dieser Überzeugung heraus hat sie das Projekt „Diabetotech“ gegründet – eine unabhängige Bildungsinitiative, die hochwertiges Wissen zu CGM-Systemen, Insulinpumpen, automatisierter Insulinabgabe, digitaler Gesundheitsversorgung und Künstlicher Intelligenz in der Diabetologie vermittelt. Ziel ist es, Menschen mit Diabetes, Angehörige und Fachkräfte weltweit durch praxisnahe, evidenzbasierte und frei zugängliche Weiterbildung zu unterstützen.

Ihr Projekt zeigt eindrucksvoll, dass technologische Innovation ihren größten Nutzen erst dann entfaltet, wenn Wissen, Schulung und Vertrauen mitwachsen. Genau darüber wird sie uns heute berichten:

Aktuelles aus dem Closed-Loop-Bereich von der ADA 2026

Inge van Boxelaer, Gent, Belgien, am 18. Juni 2026

Anfang dieses Monats fanden in Chicago die wissenschaftlichen Tagungen der American Diabetes Association (ADA) statt, die eine weitere Welle von Neuigkeiten im Bereich der automatisierten Insulinabgabe (AID) mit sich brachten. Wie erwartet nutzten die meisten großen Hersteller die Veranstaltung, um neue klinische Daten, Produkteinführungen und zukünftige Roadmaps vorzustellen.

Das Bild der Woche

Selbst vor unseren Mythen schrecken die kopierbegeisterten Chinesen nicht zurück und bauen eine originalgetreue Nachbildung des berühmten britischen Luxusdampfers Titanic. 269 Meter lang und 28 Meter breit wird sie und soll damit dem Original innen wie außen zu 100 % entsprechen.
Bleibt die Frage, ob die Replik dann auch untergehen soll ….!

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Zum Schluss noch wie immer das Letzte!

PCs, das Internet, Smartphones oder moderne Mobilität – alles Werkzeuge, die der Mensch geschaffen hat, um sein Leben zu verbessern und sie haben ihren Zweck erfüllt. Künstliche Intelligenz ist anders. Sie kann eigenständig funktionieren, sie ist selbstlernend, selbstanpassend und entwickelt sich in einer Geschwindigkeit weiter, die wir bei keiner früheren Technologie erlebt haben.

Die Chancen sind enorm. KI kann Krankheiten früher erkennen, Forschung beschleunigen, Bildung verbessern und viele Menschen von Routineaufgaben entlasten. Gleichzeitig verändert sie die Art, wie wir kommunizieren, arbeiten und Informationen wahrnehmen. Die eigentliche Herausforderung liegt dabei vielleicht gar nicht in der Technologie selbst, sondern in ihrer Verbindung mit sozialen Netzwerken. Noch nie konnten Informationen so schnell verbreitet werden. Leider gilt das auch für Desinformation, Manipulation und künstlich erzeugten Lärm. Gesellschaften sind gespaltener als früher und es wird immer schwieriger zu erkennen, was wahr ist und was nicht.

Die Antwort darauf kann nicht darin bestehen, den technologischen Fortschritt aufzuhalten, das wäre auch weder realistisch noch wünschenswert. Aber wir werden lernen müssen, mit dieser neuen Realität umzugehen, und zwar ganz schnell. Durch Bildung, Medienkompetenz, Transparenz und kluge Regeln dort, wo sie notwendig sind. Was dabei allerdings verwundert: Der philosophische Diskurs hat kaum begonnen. Wir sprechen zwar viel darüber, was KI bereits kann, kaum jedoch sprechen wir darüber, was sie langfristig für Homo sapiens bedeuten könnte – also für uns selbst!

Und das könnte nicht so ohne sein. Seit Jahrtausenden steht der Mensch an der Spitze seiner eigenen Ordnung. Seither gestalten wir unsere Umwelt, halten Nutztiere, bekämpfen Schädlinge und entscheiden über das Schicksal vieler anderer Lebewesen. Doch was passiert, wenn wir eine Intelligenz erschaffen, die uns in nahezu allen Bereichen überlegen ist? Eine Intelligenz, die schneller als wir lernt, die bessere Entscheidungen trifft, die effizienter plant und die komplexere Zusammenhänge besser und schneller versteht als wir selbst?

Eine Vorstellung ist das, die wie ein Science-Fiction-Film wirkt und trotzdem ganz weit hinten in unseren Gehirnen die leise und unbequeme Frage aufwirft, warum wir uns so selbstverständlich als die dauerhaft gestaltende Kraft sehen? Es könnte doch sein, dass auch wir irgendwann zu denjenigen gehören, über die entschieden wird? So wie heute über Hühner, Kühe und Schweine?

Vielleicht wird es so nicht kommen, vielleicht bleibt die KI ein nützliches, wenn auch mächtiges Werkzeug. Vielleicht aber stehen wir am Beginn einer Entwicklung, die unsere Rolle als dominierende Spezies grundlegend verändern wird. So wie die Erfindung des Buchdrucks, die industrielle Revolution und das Internet die Welt verändert haben, so wird KI das ebenfalls tun. Die entscheidende Frage, für die uns dringend Antworten überlegen sollten, lautet wie wir diesen Veränderungsprozess gestalten wollen. Möglicherweise geht es am Ende nicht nur darum, das Signal vom Rauschen zu unterscheiden. Sondern darum, zu verstehen, welche Rolle der Mensch in einer veränderten Welt spielen soll, die er selbst erschaffen hat.

In diesem Sinne wünschen wir ihnen ein nachdenkliches Wochenende. Es wird heiß werden, was irgendwie auch schön ist – denn der Sommer ist da! Genießen wir ihn.

Es grüßen herzlich,

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Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!

Mit freundlichen Grüßen