Apple: Fortschritte beim nicht-invasiven Glucosemonitoring Es gibt, mal wieder, Berichte über Apples Aktivitäten im Bereich der nicht-invasiven Glucosemessung über die Apple Watch. Apple arbeitet seit mehr als 15 Jahren an diesem Ansatz, und offenbar ist das Projekt weiterhin aktiv. Unklar bleibt allerdings, ob eine solche Funktion jemals tatsächlich auf den Markt kommen wird.
Hinzu kommt: Die marktüblichen CGM-Systeme haben sich in den vergangenen Jahren so deutlich weiterentwickelt, dass der potenzielle Mehrwert eines nicht-invasiven Systems von Apple oder einem anderen Anbieter heute vermutlich geringer ausfallen würde als noch vor einigen Jahren.
Ascensia: Pen-Nadeln als Erweiterung des Portfolios Bislang vor allem als Hersteller von Blutglucosemesssystemen bekannt, erweitert Ascensia, sein Portfolio in Richtung Insulinabgabe. Die neuen Pen-Nadeln verfügen über eine kippsichere sechseckige Basis, die den Injektionsdruck gleichmäßiger verteilen soll. Ziel ist es, unbeabsichtigte Nadelbewegungen zu reduzieren, die Injektionstiefe konstanter zu halten und damit potenziell auch das Risiko einer intramuskulären Insulinabgabe zu senken.
Die Nadeln haben eine fünffach angeschliffene Spitze und sind mit gängigen Insulinpens kompatibel. Die Markteinführung ist offenbar bereits erfolgt.
CeQur: US-Zulassung für sieben Tage Tragedauer bei Simplicity Das Schweizer Unternehmen CeQur hat in den USA zwei Zulassungserweiterungen für seine Insulin-Patchpumpe Simplicity erhalten: Zum einen wurde die Tragedauer auf sieben Tage verlängert, zum anderen gibt es ein neues Dosiergerät für jeweils eine Einheit Insulin.
Die Patchpumpe fasst bis zu 200 Einheiten schnell wirksames Insulin und ist für Erwachsene ab 21 Jahren zugelassen, die Insulin zu den Mahlzeiten applizieren. Sie misst 65 x 36 mm, ist damit ungefähr so groß wie ein Omnipod 5, aber weniger als halb so dick. Zugelassen ist das System für U100 Humalog und Novolog; zudem kann es bis zu 30 Minuten im Wasser getragen werden.
Simplicity wurde 2021 auf den Markt gebracht, 2024 wurde die Tragedauer bereits auf bis zu vier Tage verlängert. Die neue Variante mit niedrigerer Dosierung pro Klick richtet sich vor allem an Menschen mit geringerem prandialen Insulinbedarf.
Dexcom: CONNECT-Studie bei Typ-2-Diabetes ohne Insulin Dexcom stellte beim ADA Anfang Juni die Ergebnisse der randomisierten kontrollierten CONNECT-Studie vor. Eingeschlossen wurden 283 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes aus 22 US-amerikanischen Hausarztpraxen, die kein Insulin verwendeten. Das Durchschnittsalter lag bei 60 Jahren, die Diabetesdauer bei 10 Jahren, der BMI bei 33 kg/m². Der mittlere HbA1c-Ausgangswert betrug 8,8 %, die Time in Range lag zu Beginn im Mittel nur bei 30 %.
Die Teilnehmenden setzten ihre bestehende blutglucosesenkende Medikation fort und erhielten Aufklärung zu Ernährung und Bewegung. Die CGM-Gruppe bekam zusätzlich eine Einweisung in die Nutzung des Systems. Beide Gruppen nahmen regelmäßig an virtuellen Betreuungsterminen teil. Die Studienadhärenz war hoch: 97 % der CGM-Gruppe und 90 % der BGM-Gruppe schlossen die Studie ab.
Nach 26 Wochen zeigte sich unter CGM eine um rund fünf Stunden pro Tag längere Zeit im Zielbereich im Vergleich zur konventionellen Blutglucosemessung. Auch HbA1c und weitere glykämische Parameter verbesserten sich deutlich. Der HbA1c sank in der CGM-Gruppe von 8,8 % auf 7,2 %, während er in der BGM-Gruppe von 8,7 % auf 8,0 % zurückging. Besonders deutlich profitierten Menschen mit hohem Ausgangs-HbA1c sowie Teilnehmende, die CGM in Kombination mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten nutzten.
Dexcom sieht in den Ergebnissen eine wichtige Grundlage für die Diskussion um die Erstattung von CGM bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie.
Dexcom: Stelo in den USA rezeptfrei ab zwei Jahren nutzbar Das rezeptfreie CGM-System Stelo von Dexcom, ursprünglich für Erwachsene ohne Insulintherapie entwickelt, kann in den USA nun auch bei Kindern ab zwei Jahren eingesetzt werden. Stelo wurde im August 2024 für Erwachsene eingeführt und war damals das erste rezeptfrei erhältliche CGM-System in den USA.
Innerhalb des ersten Jahres erzielte Stelo bereits einen Umsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar. Die erweiterte Indikation unterstreicht das wachsende Interesse an CGM auch jenseits der insulinbehandelten Diabetespopulation. Gerade bei Kindern und Jugendlichen mit Prädiabetes oder erhöhtem Risiko könnten Glucosedaten helfen, die Auswirkungen von Mahlzeiten, Bewegung und Lebensstil besser zu verstehen.
FiberSense: CE-Kennzeichnung für neues CGM-System Das Schweizer Start-up FiberSense hat die CE-Kennzeichnung für sein CGM-System erhalten. Das Gerät soll eine Tragedauer von bis zu 28 Tagen ermöglichen und nutzt eine mikroskopische Glasfaser-Glucosesensorik statt klassischer enzymbasierter Verfahren.
Bislang liegen nur wenige Details vor. Eine ältere Studie aus dem Jahr 2013 weist nach 14 Tagen auf einen MARD von 8,3 % hin. FiberSense bereitet derzeit Fertigung, Logistik und Marktzugang für ausgewählte Einführungsmärkte vor; erste Lieferungen sind für Ende 2026 vorgesehen. Besonders interessant ist die strategische Perspektive: Das CGM ist das erste zugelassene Gerät einer Plattform für kontinuierliche Multi-Analyten-Messung. In der Pipeline befinden sich Sensoren für Ketone, Laktat und Cortisol.
Insulet: Freiwilliger Sicherheitshinweis für bestimmte Omnipod-Pods Insulet hat einen freiwilligen Sicherheitshinweis für bestimmte Chargen von Omnipod 5, Omnipod DASH und Omnipod Eros herausgegeben. Hintergrund ist ein Herstellungsproblem, bei dem ein kleiner Riss in der Kanüle direkt oberhalb der Haut auftreten kann. Dadurch kann Insulin austreten, anstatt vollständig in den Körper abgegeben zu werden.
Betroffene Nutzerinnen und Nutzer können möglicherweise Nässe auf der Haut oder am Pflaster bemerken oder Insulingeruch wahrnehmen. In einigen Fällen kann das Leck jedoch unbemerkt bleiben. Die Folge kann eine Unterdosierung mit steigenden Glucosewerten sein. Beim Omnipod 5 kann im automatisierten Modus die Warnung „Automatisierte Abgabebeschränkung“ ausgelöst werden; das Problem kann aber auch ohne Warnhinweis auftreten.
Weltweit wurden 24 schwerwiegende unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit hohen Glucosewerten gemeldet, darunter Krankenhausaufenthalte und diabetische Ketoazidosen. Todesfälle wurden nicht berichtet. Nutzerinnen und Nutzer sollen die Chargennummern prüfen und betroffene Pods nicht verwenden bzw. einen aktuell getragenen betroffenen Pod umgehend wechseln.
MiniMed: Erste Zahlen und Pläne als eigenständiges Unternehmen Nach der Trennung von Medtronic hat MiniMed erstmals eigene Geschäftszahlen vorgestellt und seine strategischen Pläne erläutert. Das Unternehmen will ein führendes „Full-Stack-Ökosystem“ für das Diabetesmanagement aufbauen und spricht dabei von einer „dritten Ära“ in der Unternehmensgeschichte.
In den USA bringt MiniMed die neue Flex-Pumpe auf den Markt. Sie ist deutlich kleiner und leichter als die MiniMed 780G, fasst aber weiterhin 300 Einheiten Insulin. Gesteuert wird sie ausschließlich über eine Smartphone-App; die Pumpe selbst hat keinen Bildschirm. In Verbindung mit einem siebentägigen Infusionsset könnte sie die Nutzung deutlich vereinfachen und zugleich die Abfallmenge reduzieren.
Die Flex-Pumpe nutzt den SmartGuard-Algorithmus. Perspektivisch soll darauf auch der Vivera-Algorithmus für einen vollständig geschlossenen Regelkreis laufen. Entsprechende Studien laufen bereits. Beim ATTD 2026 wurden Machbarkeitsdaten mit einer Time in Range von 76,6 bis 79,4 % vorgestellt.
Auch im CGM-Bereich meldet MiniMed Fortschritte. Das erste Quartal 2026 war das erste vollständige Quartal seit Einführung von Simplera Sync und Instinct in den USA. International wuchs das Geschäft gegenüber dem Vorquartal um 12,2 %. Instinct soll noch im Juni 2026 in der EU auf den Markt kommen.
MiniMed und Abbott – Ausbau der Partnerschaft: MiniMed will die Partnerschaft mit Abbott ausweiten. Geplant ist unter anderem eine gemeinsame Vermarktung von Dual-Glucose-Keton-Sensoren, die exklusiv in MiniMed-Pumpen integriert werden sollen. Für MiniMed erweitert dies das Sensorportfolio, während Abbott zusätzliche Reichweite im entstehenden CGKM-Markt erhält.
Parallel bringt MiniMed in Europa die mit Instinct-CGM integrierten Systeme MiniMed 780G und MiniMed Go auf den Markt. Beide Systeme nutzen unterschiedliche Sensorvarianten, die als Instinct und Instinct Go bezeichnet werden. Die schrittweise Einführung in Europa soll im Juni 2026 beginnen.
mylife Diabetes Care – neue Unternehmens- und Produktnamen: Die in Burgdorf ansässige mylife Diabetes Care AG wird im Zuge der Ausgliederung aus Ypsomed zum rechtlichen Hersteller der mylife-Produkte. Damit verbunden sind ein neuer Firmenauftritt, aktualisierte Produktnamen, neue Verpackungen, Kennzeichnungen und eine neue Website.
Der Verkauf des Diabetes-Care-Geschäfts an TecMed wurde im April 2025 bekanntgegeben, im Juli 2025 erfolgte die Umfirmierung in mylife Diabetes Care AG. Nicht Teil des Verkaufs war das Pen- und Autoinjektor-Geschäft von Ypsomed, das sich weiterhin auf Biologika und Biosimilars, darunter GLP-1-Rezeptoragonisten, konzentriert.
Das Diabetes-Care-Franchise fokussiert sich auf das mylife Loop AID-System aus YpsoPump und CamAPS FX-Algorithmus. Im Zuge der neuen globalen Markenstrategie werden die Produktnamen vereinfacht: mylife Loop wird zu myLoop, mylife YpsoPump zu YpsoPump und die bisherigen Orbit-Infusionssets werden unter der myOrbit-Familie zusammengefasst.
myLoop AID und Dexcom G7 arbeiten zusammen: CamDiab hat das Dexcom G7-CGM-System in das myLoop AID-System integriert, das auf dem CamAPS FX-Algorithmus basiert. Diese Variante wird nun in Europa eingeführt. Für beide Unternehmen ist dies ein wichtiger Schritt, weil die Integration die Auswahlmöglichkeiten für Menschen mit Diabetes erweitert.
PharmaSens – erste Patienten in Machbarkeitsstudie mit All-in-One-Pflasterpumpe: Das Schweizer Start-up PharmaSens hat den ersten Teilnehmer in die SMART02-Machbarkeitsstudie aufgenommen. Untersucht wird ein tragbares Pflasterpumpensystem, das Glucosemessung und Insulinabgabe in einem All-in-One-System kombiniert. Die Studie wird gemeinsam mit der McGill University in Toronto durchgeführt und soll etwa 40 Personen einschließen.
Das System besteht aus der niia essential Insulin-Pflasterpumpe von PharmaSens und einem integrierten CGM-System von Sibionics. Das All-in-One-Design soll die Nutzung vereinfachen und Probleme bei der Bluetooth-Kopplung zwischen mehreren Geräten vermeiden. Allerdings ist die Pflasterpumpe deutlich größer als andere derzeit verfügbare Systeme.
Tandem – CE-Kennzeichnung für erweiterte Indikationen: Tandem hat für seine beiden AID-Systeme Mobi und t X2 eine CE-Kennzeichnung für erweiterte Indikationen in der EU erhalten. Beide Systeme sind nun für Patientinnen mit Typ-1-Diabetes während der Schwangerschaft sowie für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes zugelassen.
Die t X2 ist bereits in mehreren EU-Ländern erhältlich. Die Mobi-Insulinpumpe soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 in ausgewählten europäischen Märkten eingeführt werden.
Fazit: Das Juni-Update zeigt, wie stark sich die Diabetes-Technologie derzeit ausdifferenziert. CGM wird zunehmend auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie relevant. AID-Systeme erhalten erweiterte Indikationen, unter anderem für Schwangerschaft und Typ-2-Diabetes. Gleichzeitig entstehen neue Sensorplattformen, längere Tragedauern, integrierte Pumpen-Sensor-Systeme und erste Ansätze für kontinuierliche Multi-Analyten-Messung.
Auffällig ist zudem, dass die Grenzen zwischen klassischen Herstellern von Blutzuckermesssystemen, CGM-Anbietern, Pumpenfirmen und Plattformunternehmen weiter verschwimmen. Die Zukunft der Diabetes-Technologie wird damit nicht nur durch einzelne Produkte bestimmt, sondern zunehmend durch Ökosysteme, Datenintegration, Interoperabilität und die Frage, welche Systeme im Versorgungsalltag tatsächlich einfach, sicher und sinnvoll nutzbar sind.
Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!
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