AID im Krankenhaus – ein schwieriges Thema, bei dem nun ein möglicher Paradigmenwechsel bevorsteht. Die randomisierte multizentrische AIDING-Studie untersuchte den Einsatz automatisierter Insulinabgabesysteme (AID) bei 130 nicht intensivpflichtigen Erwachsenen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes und Hyperglykämie. Verglichen wurde eine AID-Therapie mit Omnipod 5 und Dexcom CGM gegenüber einer konventionellen Behandlung mit mehrfachen täglichen Insulininjektionen (MDI) plus CGM.
Die Ergebnisse fielen eindeutig zugunsten der AID-Systeme aus. Die Zeit im Zielbereich (70–180 mg/dl) lag bei 67,7 % gegenüber 40,8 % unter MDI plus CGM – ein Gewinn von rund 6,5 Stunden pro Tag im Zielbereich. Gleichzeitig wurden deutlich weniger schwere Hyperglykämien beobachtet. Die Zeit über 250 mg/dl sank von 20,6 % auf 6,7 %, der mittlere Glucosewert von 198 mg/dl auf 164 mg/dl.
Besonders wichtig: Die verbesserte Glucosekontrolle ging nicht mit einem erhöhten Hypoglykämierisiko einher. Schwere Hypoglykämien, diabetische Ketoazidosen oder hyperosmolare Entgleisungen traten in keiner Gruppe auf. Die Vorteile zeigten sich bereits am ersten Behandlungstag und blieben über den gesamten Krankenhausaufenthalt bestehen.
Bemerkenswert ist zudem, dass die positiven Effekte in allen untersuchten Untergruppen beobachtet wurden – einschließlich Menschen mit Typ-1-Diabetes, Patienten unter Steroidtherapie sowie Personen mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz. Eine zusätzliche Subgruppenanalyse bei Patienten mit einer eGFR ≤30 ml/min/1,73 m² bestätigte die Ergebnisse. Auch hier erreichten AID-Anwender eine nahezu doppelt so hohe Zeit im Zielbereich wie Patienten unter MDI-Therapie (68,6 % vs. 36,3 %), ohne Zunahme von Hypoglykämien.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Studie war die Integration der Technologie in bestehende Pflegeabläufe. Die Pflegekräfte übernahmen die Insulinverabreichung und wurden zu Beginn jeder Schicht geschult. Die Sensorwerte wurden zweimal täglich validiert, wodurch das Vertrauen in die Technologie gestärkt werden konnte.
Fazit: Die AIDING-Studie liefert erstmals robuste multizentrische Daten, dass AID-Systeme auch im stationären Alltag sicher und wirksam eingesetzt werden können. Besonders relevant sind die Ergebnisse für Patientengruppen, die bisher häufig von Studien ausgeschlossen wurden. Die Daten sprechen dafür, dass AID künftig einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der stationären Diabetesversorgung leisten könnte. Die Herausforderung liegt nun weniger in der Technologie als vielmehr in ihrer Integration in klinische Arbeitsabläufe und der Schulung des Personals.
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