In einer renommierten europäischen Fachzeitschrift wurden neue Leitlinien zur Nutzung von Diabetes-Technologien während der Schwangerschaft veröffentlicht [1]. Unter der Leitung von Katrien Benhalima (Belgien) haben Expertinnen und Experten aus sechs Kontinenten diese Empfehlungen erarbeitet, unterstützt von 25 Fachgesellschaften und Organisationen.
Diabetes in der Schwangerschaft erfordert eine besonders enge Glucosekontrolle, um optimale Ergebnisse für Mutter und Kind zu erreichen. Empfohlen wird ein Zielbereich von 63–140 mg/dl, enger als außerhalb der Schwangerschaft üblich. Diese Zielwerte dauerhaft einzuhalten, ist anspruchsvoll, zumal hormonelle Veränderungen zusätzliche Schwankungen in der Glucosekontrolle verursachen.
In den vergangenen Jahren haben mehrere klinische Studien gezeigt, dass der Einsatz von kontinuierlichen Glucosemonitoringsystemen (CGM) und Systemen zur automatisierten Insulindosierung (AID) entscheidende Vorteile bei der Güte der Glucosekontrolle bieten : Mehr Zeit im Zielbereich, ein geringeres Risiko für makrosome Neugeborene und insgesamt bessere Schwangerschaftsverläufe. Gleichzeitig bleibt eine qualifizierte Betreuung der Frauen ein zentraler Erfolgsfaktor.
Die neue Konsensuserklärung liefert hierzu erstmals klare, aktuelle und praxisorientierte Empfehlungen. Sie richtet sich sowohl an Frauen, die bereits Diabetes-Technologien nutzen, als auch an jene, für die der Einsatz davon während der Schwangerschaft neu ist. Gleichzeitig bietet sie wertvolle Orientierung für Behandelnde – von Diabetologinnen und Diabetologen bis hin zu Hausärzten und Gynäkologen, die zunehmend mit diesen Fragestellungen konfrontiert sind.
Die Veröffentlichung umfasst insgesamt 14 Empfehlungen, unter anderem zu folgenden Aspekten:
- Auswahl geeigneter AID-Systeme und Anpassung der Einstellungen an die individuellen Bedürfnisse während der Schwangerschaft
- Einsatz von Technologie vor der Empfängnis, während der Schwangerschaft, unter der Geburt und im unmittelbaren Wochenbett
- Zielwerte für die „Zeit im Zielbereich“ bei CGM, auch für Frauen mit Typ-2-Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes (Erweiterung der bisherigen Empfehlungen für Typ-1-Diabetes)
Gleichzeitig benennt der Konsens auch die bestehenden Wissenslücken. Insbesondere für den Einsatz von Diabetes-Technologien bei Frauen mit einem Typ-2- oder einem Schwangerschafts-Diabetes basiert vieles bislang auf klinischer Erfahrung. Es bedarf weiterer gut konzipierter klinischer Studien, um die Evidenz zu stärken und die Versorgung weiter zu verbessern. Um die Umsetzung in die Praxis zu erleichtern, werden auf Basis dieser Empfehlungen derzeit kompakte Schnellreferenzleitfäden für medizinisches Fachpersonal und Menschen mit Diabetes entwickelt.
Fazit: Ziel der Autorinnen und Autoren ist es, den sicheren Einsatz von CGM und AID während der Schwangerschaft zu fördern und den Zugang zu diesen Technologien zu verbessern. Die Publikation bietet mit ihren detaillierten Übersichten zu verfügbaren CGM- und AID-Systemen und empfohlenen Einstellungen eine wertvolle Orientierung für alle, die Frauen mit Diabetes in dieser sensiblen Lebensphase betreuen und begleiten.
- Benhalima K, Durnwald C, Sweeting A, Adams D, Addala A, Battelino T, et al. Application of continuous glucose monitoring and automated insulin delivery technolodasss for pregnant women with type 1, type 2, or gestational diabetes: an international consensus statement. The Lancet Diabetes & Endocrinology. 2026;14(2):157–77. doi: 10.1016/S2213-8587(25)00335-3.
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