Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der European Association for the Study of Diabetes und der American Diabetes Association hat zeitgleich in Diabetes Care und Diabetologia eine umfassende Stellungnahme veröffentlicht. Darin wird aufgezeigt, wie Diabetes-Technologien gezielter individualisiert eingesetzt und ihre Umsetzung in der klinischen Praxis verbessert werden kann [1, 2].
Im Zentrum steht die Beobachtung einer sich dynamisch entwickelnden Technologielandschaft. Für Behandelnde bedeutet dies, sich kontinuierlich über Funktionen, Vorteile und Grenzen der verfügbaren Systeme zu informieren und deren Einsatz konsequent an die Bedürfnisse der einzelnen Nutzer anzupassen.
Die Autoren betonen die Notwendigkeit praxisnaher und zugleich nachhaltiger Leitlinien, die sich an Kliniker, Gesundheitssysteme, Kostenträger und Regulierungsbehörden richten. Ziel ist es, sowohl die Akzeptanz als auch den klinischen Nutzen der Technologien zu steigern. Eine zentrale Rolle spielt dabei die gemeinsame Entscheidungsfindung: Die Auswahl der jeweils passenden Technologie sollte immer auf einem strukturierten Dialog beruhen, der Erwartungen von Patienten und Behandelnden transparent macht und in Einklang bringt.
Besonders deutlich wird der Wandel beim Blick auf Menschen mit Typ-2-Diabetes. Während der Zugang zu moderner Technologie bei dieser Nutzergruppe lange eingeschränkt war, nimmt er aktuell deutlich zu – vor allem bei insulinbehandelten Patienten. Die Nutzung von CGM-Systemen wächst in dieser Gruppe spürbar, und auch für AID-Systeme liegen zunehmend Daten vor, die ihren Nutzen belegen. Für Situationen, in denen eine kontinuierliche CGM-Nutzung nicht möglich ist, empfehlen die Autoren eine intermittierende Anwendung in Kombination mit der klassischen Blutglucoseselbstmessung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf speziellen Patientengruppen sowie auf Fragen des gerechten Zugangs. Die Stellungnahme unterstreicht, dass weder ein bestimmter HbA1c-Ausgangswert noch der sozioökonomische Status darüber entscheiden sollten, ob jemand Zugang zu Diabetes-Technologie erhält. Gerade für marginalisierte Gruppen ist eine Ausweitung der Versorgung entscheidend.
Fazit: Diese Arbeitsgruppe hat in den vergangenen Jahren eine Reihe praxisnaher Empfehlungen zu zentralen Aspekten der Diabetes-Technologie vorgelegt – von CGM über Insulinpumpen bis hin zu AID-Systemen und digitalen Anwendungen. Die aktuelle Stellungnahme bildet gewissermaßen den Abschluss dieser Reihe und bündelt die Erkenntnis, dass der wahre Fortschritt nicht allein in der Technologie liegt, sondern in ihrer klugen, individuellen Anwendung.
- Bruttomesso D, Petrie JR, Evans M, Fleming GA, Hanaire H, Holl RW, et al. Challenges in and Opportunities for Individualizing Diabetes Technology: A Position Statement by the European Association for the Study of Diabetes (EASD) and the American Diabetes Association (ADA) Diabetes Technology Working Group. Diabetes Care. 2026. doi: 10.2337/dci26-0018.
- Bruttomesso D, Petrie JR, Evans M, Fleming GA, Hanaire H, Holl RW, et al. Challenges in and opportunities for individualising diabetes technology: a position statement by the European Association for the Study of Diabetes (EASD) and the American Diabetes Association (ADA) Diabetes Technology Working Group. Diabetologia. 2026. Epub 20260312. doi: 10.1007/s00125-025-06651-9. PubMed PMID: 41820663.
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