Herzlich willkommen beim diatec weekly,
was braucht ein Rockstar, um erfolgreich und berühmt zu werden? Einen tollen Namen wie Elvis oder Bono oder Mick Jagger. Groß sollte er sein und gut aussehen, so wie Jim Morrison. Fancy Klamotten muss er tragen und natürlich eine großartige und unverwechselbare Stimme haben wie Freddy Mercury oder Robin Williams.
Herbert Grönemeyer hat nicht viel davon. Sein Name ist sperrig deutsch und international schwer aussprechbar, wirklich schön ist er auch nicht mit seinen dünnen Spaghetti-Haaren und er ist klein. Und dann die Stimme – brüchig und rau bellt er seine Botschaften hinaus und oft spricht er mehr, als dass er singt. Und doch ist er zu einem Superstar geworden, zumindest im deutschsprachigen Raum. So ziemlich jeder Deutsche kennt ihn und fast alle mögen ihn. Seit 1979 ist er auf der Bühne und hat seitdem mehr als 22 Mio. Tonträger verkauft. Das muss man erstmal schaffen!
Dabei war sein Anfang schwer. Grönemeyer wusste lange nicht, ob er lieber singen oder schauspielern will, obwohl ihm alle Welt vom Singen abgeraten hat. Er hat dann tatsächlich in ein paar Filmen mitgespielt, meist kleinere Rollen. Im Welterfolg „Das Boot“ verkörperte er zwar eine prägnante Figur, hatte aber kaum Text und musste vor allem eins: schauen! Nervös, ängstlich, betroffen – je nachdem, was im Drehbuch stand. Diese reduzierte Spielweise passte zu ihm: weniger großes Schauspiel, mehr Präsenz. Seine Rolle lebte von dem, was zwischen den Zeilen passiert. Ein großer Schauspieler ist er damit trotzdem nicht geworden.
Dann also Musik! Vier erfolglose Platten hatte er bereits veröffentlicht, als die Plattenfirma den Vertrag aufkündigte. Und dann kam „Bochum“. Eine Hymne auf seine unprätentiöse Heimatstadt, getragen von einem schlichten Sound und diesem berühmten „Pulsschlag aus Stahl“. Bochum wurde zu seinem Durchbruch, obwohl selbst die Inhaber der örtlichen Plattenläden, die es damals noch gab, meinten, die Platte würde es ja nicht mal bis Bottrop schaffen. Heute füllt er Stadien und wenn er eine Tour ankündigt, muss man verdammt schnell sein, um eines der begehrten Tickets zu bekommen.
Was ist das Besondere an Herbert Grönemeyer? Wie gelingt es ihm, uns über Jahrzehnte hinweg zu erreichen? Wie schafft er es, eine Generation nach der nächsten mit seiner Musik zu begeistern? Und warum lieben wir ihn so? Vielleicht weil er jede Zeile zu durchleben scheint. Weil er die Worte dehnt, sie betont oder auch nicht und vieles auch einfach verschluckt. Dadurch entsteht etwas sehr Persönliches, etwas fast Intimes. Seine Texte, die er im Übrigen alle selbst schreibt, sind Teil des deutschen Sprachgefühls geworden: „Gib mir mein Herz zurück“, „Zeit, dass sich was dreht“ oder „Momentan ist richtig“. Keine überhöhte Lyrik, keine kunstvollen Verrenkungen. Seine Worte kommen direkt aus dem Alltag, jede Zeile ein Zitat. Seine Texte wirken unmittelbar, weil Grönemeyer Gedanken und Gefühle in kurze Sätze packt, die jeder sofort versteht und irgendwie auch schon einmal selbst gedacht hat.
Bei alledem ist Grönemeyer ein Mensch geblieben, wie der Titel eines seiner besten Alben. Er wirkt nahbar, fast wie jemand, den man zu kennen glaubt, obwohl man ihm nie begegnet ist. Er ist scheinbar immer fröhlich, kann über sich selbst lachen und nimmt alles nicht so ernst. Seine Musik, seine Biografie und die Zeitgeschichte sind eng miteinander verschränkt, so dass das Phänomen Grönemeyer viel mehr ist als eine Sängerkarriere. Offen zeigt er uns seine Verletzlichkeit mit dem Song „Der Weg“ – den er nach dem frühen Tod seiner Frau geschrieben hat. Trauer ohne Pathos und Grönemeyer singt ihn ohne Schutzschicht auf der Bühne. Viele müssen dann weinen.
Mit seinen Texten greift er Themen auf, die uns beschäftigen, und wirkt dabei wie ein Seismograf unserer Gesellschaft. Ob mit dem Song „Männer“ oder noch eindrucksvoller bei „Mensch“ – immer zeigt er das Mensch-Sein mit allen Schwächen und Fehlern und gleichzeitig dem Wunderbaren, zu dem wir auch fähig sind. In seinen Liedern spiegelt sich der Glaube an das Gute, an ein „Wir schaffen das!“ Deutschland ist ein kluges und aufgeklärtes Land, sagt er und glaubt an uns als eine interessante Gemeinschaft. Bleibt gelassen und habt keine Angst! ruft er uns mit seinen Texten zu: „Telefon, Gas, Elektrik unbezahlt, das geht auch!“ Bei allen Rückschlägen hat er einfach immer weitergemacht und dabei eine große persönliche Stärke entwickelt: „Ich geh hier nicht weg, hab meine Frist verlängert!“
Grönemeyer ist bei allem Erfolg bodenständig geblieben und zeigt uns, dass es sich lohnt, seinen Weg zu gehen. Ihm war es egal, ob er erfolgreich war oder nicht, er wollte einfach nur singen, selbst für den einen einzigen Zuhörer im Raum. Er spielt uns nichts vor, was er nicht ist, bietet keine perfekte Oberfläche, und wird aber gerade dadurch zur Projektionsfläche für viele. Wir sind mit ihm älter geworden und seine Lieder haben unsere Lebensphasen begleitet, von jugendlicher Verliebtheit bis zu Verlust und Reflexion. Deshalb haben wir auch das Gefühl, ihn zu kennen – weil wir in Wahrheit vor allem uns selbst in seinen Liedern wiederfinden.
Nun wird er 70 und die ARD hat ihm zu Ehren eine Doku gewidmet. Er geht immer noch auf Tour und hat angekündigt, sein letztes Konzert mit 86 Jahren in Travemünde in der Kurhalle zu spielen. Wir sind gespannt und ordern schon mal Tickets 😉 Herzlichen Glückwunsch, Herbert Grönemeyer!!!
Die Themen der Woche drehen sich um Smart Pens und die Frage, warum sie sich so zäh am Markt behaupten. Dann haben wir einen Gastbeitrag der Medizinjournalistin Antje Thiel zu ihren Erfahrungen mit der Pumpentherapie und zum Schluss aktuelle Ergebnisse zur Frage des Monats März. Und natürlich die neue Frage des Monats April, auch wenn der schon wieder fast herum ist. Auf geht’s.
Smart Pens gelten als „vernünftige Mitte“ zwischen klassischer Pen-Therapie und High-End-AID-Systemen. Sie versprechen mehr Struktur, bessere Daten und weniger vergessene Dosen – ohne gleich die ganze Therapie umzustellen. Die Realität ist, wie so oft, etwas widersprüchlicher: hohe Zufriedenheit bei den Nutzern, aber eine erstaunlich geringe Verbreitung im Alltag. Ein Blick auf aktuelle Daten und Einschätzungen zeigt, warum der Durchbruch bislang auf sich warten lässt – und warum er dennoch kommen könnte:
Smart Pens – Viel Potenzial und zäher Durchbruch
Dominic Ehrmann vom Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Mergentheim eröffnete eine Session zu diesem Thema beim ATTD in Barcelona mit Ergebnissen aus dem dt-report 2026. Die Zahlen lesen sich beeindruckend: Die Daten von mehr als 6.500 Menschen mit Diabetes und rund 1.000 Gesundheitsfachkräften aus acht Ländern wurden in die Auswertung einbezogen, und die Zufriedenheit mit Smart Pens ist hoch. Das spiegelt sich in einem Empfehlungsindex von 52 % wider, mit deutlichen Unterschieden zwischen den Ländern, von 19 % in Italien bis zu 59 % in Österreich.
Unser dritter und letzter Beitrag zeigt aktuelle Ergebnisse der Frage des Monats, die sich wie immer aktuellen politischen, versorgungs- oder behandlungsbezogenen Diabetesthemen widmet. Wie die dia·link-Community die Frage beantwortet hat, können Sie jeweils im Folgemonat in Ihrem Newsbereich einsehen. Hier geht es zu den Ergebnissen der
Frage des Monats März.
In diesem Monat kommt die Frage des Monats wieder aus der Community und bevor wir einsteigen, möchten wir kurz vorstellen, wofür Diabsurance steht, denn sie unterstützt Menschen mit Diabetes dabei, transparent, unabhängig und mit besonderer Expertise den bestmöglichen Versicherungsschutz zu fairen Konditionen zu finden.
Das Bild der Woche

Glückliche Landung! Sie erinnert daran, dass wir Menschen – jenseits aller Krisen und Konflikte – auch weiterhin zu Präzision, Zusammenarbeit und erstaunlichen Leistungen fähig sind, wenn wir unsere Kräfte bündeln und auf ein gemeinsames Ziel richten.
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Zum Schluss noch wie immer das Letzte
Die amerikanische Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) hat Anfang Januar zwei Leitliniendokumente veröffentlicht, die die Regulierung bestimmter Wellness- und Softwareprodukte spürbar lockern. Ziel ist es, Innovationen zu fördern, die insbesondere im Bereich künstlicher Intelligenz liegen. Angekündigt wurden die Änderungen von dem FDA-Kommissar Marty Makary auf der Technologiemesse Consumer Electronics Show im Januar in Las Vegas.
Im Kern geht es um eine feinere Trennlinie zwischen medizinischer Anwendung und allgemeinem Wohlbefinden. Oder, etwas zugespitzt formuliert: Wann ist ein Wert nur ein Hinweis auf den eigenen Lebensstil – und wann beginnt bereits die Diagnose? Die erste Leitlinie definiert neu, was als „Wellness-Produkt“ gilt. Wearables, die Daten zu Herzfrequenz, Blutdruck oder sogar Blutzucker liefern, können künftig leichter unter diese Kategorie fallen, vorausgesetzt, sie dienen ausdrücklich NICHT der medizinischen Diagnose oder Behandlung.
Eine am Handgelenk getragene Uhr, die Schlaf, Puls und Blutdruck erfasst, gilt als Wellness-Produkt, solange sie validierte Blutdruckwerte liefert, aber keine medizinischen Schlüsse daraus zieht. Damit verschiebt die FDA die Grenze deutlich in Richtung Alltagstauglichkeit.
Bemerkenswert ist, dass diese Einschätzung einer früheren Haltung widerspricht. Noch 2025 hatte die Behörde ein Unternehmen namens Whoop abgemahnt, weil es ohne Zulassung eine Blutdruckfunktion eingeführt hatte. Damals galt Blutdruck als per se medizinisch relevant. Nun scheint die FDA diese Sicht zumindest teilweise zu relativieren.
Auch beim Thema Blutzucker lockert die FDA die Zügel, wenn auch mit Einschränkungen. Wearables, die Blutzuckerwerte schätzen, um etwa Ernährungseffekte sichtbar zu machen, können als Wellness-Produkt gelten, sofern sie sich ausdrücklich NICHT an Menschen mit Diabetes oder Prädiabetes richten. Sobald jedoch invasivere Technologien wie Mikronadeln zum Einsatz kommen, greift diese Ausnahme nicht mehr. Noch im Jahr 2024 hatte sie ausdrücklich vor Geräten gewarnt, die eine Blutzuckermessung ohne Hautdurchdringung versprechen. Die neue Leitlinie wirkt daher wie ein vorsichtiger Schritt nach „vorn“ – aber keiner ohne Sicherheitsnetz.
Für Hersteller von Wearables wie Oura, die an neuen Funktionen wie Blutdruckmessung arbeiten, ist das ein willkommenes Signal. Ihr CEO Tom Hale begrüßte die Anpassung ausdrücklich und betonte die Bedeutung moderner Regulierung, die zwischen „früher Sensibilisierung“ und echter medizinischer Diagnose unterscheidet.
Die zweite Leitlinie betrifft Software zur klinischen Entscheidungsunterstützung, die zunehmend von KI geprägt ist. Auch hier lockert die FDA ihre Aufsicht, neu ist vor allem, dass eine Software, die eine einzelne medizinische Empfehlung ausspricht, künftig von der Regulierung ausgenommen sein kann. Zuvor wäre sie automatisch als Medizinprodukt eingestuft worden. Hier ein Beispiel: Ein Programm, das auf Basis von Gewicht, Blutdruck, Rauchstatus und Laborwerten das langfristige Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen berechnet, fällt nicht mehr unter die FDA-Kontrolle. Anders sieht es aus, wenn die Vorhersage kurzfristig, etwa innerhalb von 24 Stunden, erfolgen soll oder genetische Daten einbezogen werden. In diesem Fall bleibt es ein reguliertes Medizinprodukt.
Die beiden Leitlinien geben einen guten Einblick in den gesundheitspolitischen Kurs der Regierung von Donald Trump: Weniger Regulierung und mehr Geschwindigkeit bei der Einführung neuer Technologien. Bereits Ende 2025 hatte das US-Gesundheitsministerium die Branche um Vorschläge gebeten, wie sich der Einsatz von KI beschleunigen lässt. Gleichzeitig macht die FDA deutlich, dass Transparenz zur neuen Währung wird: Hersteller sollen offenlegen, wie ihre Algorithmen funktionieren, auf welchen Daten sie basieren und wie sie validiert wurden. Gerade bei zeitkritischen Anwendungen bleibt die Regulierung streng. Auffällig ist auch das Verfahren: Beide Dokumente wurden ohne öffentliche Kommentierungsphase veröffentlicht. Dieses Vorgehen ist in jüngster Zeit häufiger zu beobachten.
Was bleibt, ist eine Verschiebung der Verantwortung. Die FDA zieht sich an einigen Stellen zurück, definiert aber gleichzeitig klarere Leitplanken. Für Hersteller bedeutet das mehr Freiheit und mehr Verantwortung, für Anwender die Aussicht auf schnellere Innovationen. Und für die Versorgung bleibt die ewige alte und doch immer wieder neue Frage: Wie viel Regulierung braucht Fortschritt, um sicher zu bleiben?
Das war’s für diese Woche. Viel Bewegung, wenig Stillstand, wie fast immer. Jetzt ist Freitag. Lassen Sie es gut sein, wo es gut ist, und offen, wo es offenbleiben darf.
Ein entspanntes Wochenende wünschen
Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!
Mit freundlichen Grüßen
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