Heiße Sommertage mit Temperaturen von bis zu 40°C sind in Deutschland keine Seltenheit mehr. Prognosen des Deutschen Wetterdienstes zufolge könnten in Berlin, wenn sich die Entwicklung wie bisher fortsetzt, künftig im Sommer 16 Hitzetage und fünf tropische Nächte auftreten. Menschen mit Diabetes sind durch Hitze besonders gefährdet, denn sie kann zu größeren Blutglucoseschwankungen mit Hypo- und Hyperglykämien führen, Neuropathien verstärken und zusätzlich Kreislauf und Nieren belasten. Gleichzeitig können auch Wirkung und Stabilität von Medikamenten und Diabetes-Technologie durch hohe Temperaturen beeinflusst werden.
Bislang standen systematische Analysen der zu diesem Themenkomplex veröffentlichten Studien noch aus. Dabei geht es zum einen um die Frage, welchen Einfluss Hitze möglicherweise auf die Entstehung eines Diabetes hat, und zum anderen darum, wie sich hohe Temperaturen auf den Verlauf einer bestehenden Diabeteserkrankung auswirken. Ein interdisziplinäres Team führte mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Diabetes-Stiftung eine systematische Suche nach entsprechenden Studien in verschiedenen Datenbanken durch. Grundlage waren zuvor festgelegte Kriterien und Suchbegriffe.
Von mehr als 15.000 identifizierten Studien waren 134 für die Analyse geeignet – diese Zahl kann sich allerdings noch verändern, da vor der Veröffentlichung ein weiteres Update vorgesehen ist. Dabei könnten zusätzliche Untersuchungen hinzukommen oder auch einzelne Studien ausgeschlossen werden, wenn sich beispielsweise herausstellt, dass zwei Publikationen auf derselben Studienpopulation beruhen. Ein Großteil der Untersuchungen stammt aus den USA, aber auch aus China und Australien sowie aus mehreren europäischen Ländern liegen entsprechende Daten vor.
Aus den bislang ausgewerteten Daten lässt sich ableiten, dass der stärkste gesundheitliche Effekt offenbar nach zwei bis drei Tagen auftritt. Allerdings wurden auch zeitlich verzögerte Auswirkungen bis zu sieben oder zehn Tage nach Beginn einer Hitzeperiode beobachtet. Die beiden häufigsten Endpunkte der analysierten Studien waren diabetesbedingte Mortalität und Krankenhaus-Aufenthalte. Demnach liegt das relative Sterberisiko bei Menschen mit Diabetes während Hitzewellen um 20 % höher als in Zeiträumen ohne Hitzewelle. Darüber hinaus nimmt das relative Sterberisiko mit jedem Temperaturanstieg um 5°C um 13 % zu.
Auch diabetesbedingte Krankenhausaufenthalte und Behandlungen in Notaufnahmen treten während Hitzewellen häufiger auf. Das relative Risiko steigt gegenüber hitzefreien Phasen um 12 % und mit jedem zusätzlichen Temperaturanstieg um 5°C um weitere 4 %.
Fazit: Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass Hitzewellen und steigende Temperaturen für Menschen mit Diabetes mit einem erhöhten Risiko für Mortalität und Hospitalisierung verbunden sind. Der mögliche Einfluss hoher Temperaturen auf die Manifestation von Diabetes sowie auf das Diabetesmanagement wird derzeit noch analysiert. Für diese Fragestellungen ist die Studienlage allerdings deutlich weniger umfangreich.
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