Bereits zum 26. Mal hatte David Klonoff zum DTM eingeladen, diesmal wieder in Zusammenarbeit mit der American Diabetes Association (ADA) und unter Beteiligung des Diabetes Center Bern (DCB). Und tatsächlich hatte sich einiges verändert. Das Publikum war jünger und deutlich stärker klinisch orientiert. Wo früher vor allem Wissenschaftler und Entwickler aus der Industrie vertreten waren, traf man nun vermehrt Diabetologen, DiabetesberaterInnen und andere Fachkräfte aus der Versorgung. Dafür fehlten manche der älteren Kollegen, die bislang zum festen Inventar des DTM gehörten.
Auch das Programm spiegelte diesen Wandel wider: Weniger Grundlagenforschung, mehr klinische Praxis. Die gut 600 Teilnehmenden konnten zwischen stärker klinisch und technisch ausgerichteten Vorträgen wählen. Dazu kamen zahlreiche Podiumsdiskussionen, Posterpräsentationen und eine Industrieausstellung. Bei dieser Fülle fiel die Auswahl nicht immer leicht.
Auffällig war die geringe europäische Beteiligung. Gerade einmal rund 30 Teilnehmende, also etwa fünf Prozent, kamen aus Europa, darunter vier aus Deutschland. Woran liegt das? Sicherlich spielen die hohen Teilnahmegebühren, der erhebliche Reiseaufwand und möglicherweise auch die aktuelle politische Situation in den USA eine Rolle. Hinzu kommt, dass mit dem ATTD im März in Paris und der diatec Ende Januar in Berlin zwei attraktive europäische Alternativen zur Verfügung stehen.
Inhaltlich zeichneten sich drei Schwerpunkte ab: der Einsatz von AID-Systemen bei weiteren Patientengruppen, die zunehmend differenzierte Auswertung von CGM-Daten und natürlich die künstliche Intelligenz, die sowohl im Diabetesmanagement als auch bei der Entwicklung neuer Technologien immer mehr an Bedeutung gewinnt. Weitere Themen waren die kontinuierliche Aktualisierung der ADA-„Standards of Care“, die Multi-Analyt-Überwachung sowie der Einsatz von Diabetestechnologie im Krankenhaus, während der Schwangerschaft und in der Pädiatrie.
Eine besondere Auszeichnung erhielt der Leiter des Diabetes Center Bern, Derek Brandt, mit dem „Artificial Pancreas Research Award“ der Diabetes Technology Society. Dies ist eine Ehrung, die bislang nur wenigen Europäern zuteilwurde. Nicht zu unterschätzen war auch der persönliche Austausch. An zwei Abenden boten die Poster-Sessions Gelegenheit, bei einem Glas Wein oder Bier mit den Autoren zu diskutieren und alte oder neue Kollegen zu treffen. Gerade diese Gespräche zwischen Klinikern, Wissenschaftlern, Ingenieuren und Entwicklern machen den besonderen Reiz dieser Veranstaltung aus. Allerdings beschäftigten sich zahlreiche Poster mit sehr spezifischen US-amerikanischen Fragestellungen, während grundlegende wissenschaftliche Arbeiten eher selten vertreten waren.
Fazit: Die Diabetes-Technologie hat die Diabetes-Therapie in den vergangenen zwei Jahrzehnten stärker verändert als vermutlich in den 80 Jahren davor. Heute stehen uns Medikamente, CGM- und AID-Systeme zur Verfügung, die vielen Menschen mit Diabetes zum Zeitpunkt ihrer Diagnose noch wie Science-Fiction vorgekommen wären. Und die Entwicklung geht weiter – mit zunehmend konkreten Auswirkungen auf die Versorgung. Deshalb ist es folgerichtig, dass auch das DTM immer klinischer wird. Oder, etwas salopp formuliert: Das DTM wird ein bisschen mehr wie die diatec – nur eben auf Englisch!
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