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unsere Geschichte beginnt mit einem jungen, charismatischen Hoffnungsträger und endet mit einem Despoten, der buchstäblich auf Leichen thronte. Heute kennen wir ihn vor allem als jenen englischen König mit sechs Ehefrauen, von denen er zwei hinrichten und sich von zwei weiteren scheiden ließ, eine starb eines natürlichen Todes und die letzte überlebte ihn. Heinrich VIII., von dem hier die Rede ist, war ein ebenso schillernder wie grausamer Herrscher und wer sich intensiver mit seiner Regierungszeit beschäftigt, entdeckt noch eine ganz andere und interessantere Geschichte hinter einem Mann, der im Laufe seiner fast vier Jahrzehnte langen Regentschaft ein ganzes Land grundlegend veränderte.

Als Heinrich 1509 mit gerade einmal 17 Jahren den englischen Thron bestieg, war er gebildet, charmant, sportlich und musikalisch begabt. Mit Energie und Durchsetzungskraft verkörperte das Idealbild eines Renaissancefürsten. England sollte unter seiner Regentschaft zu neuer Größe aufsteigen, um sich gegenüber den europäischen Mächten Frankreich und Spanien zu behaupten. Vieles davon gelang ihm auch. Um England zur führenden Macht Europas zu machen, investierte er in Kriegsschiffe, Werften, Bewaffnung und Küstenbefestigungen, um England als Inselreich mit einer leistungsfähigen Flotte auszustatten. Damit legte er die Grundlage für jene Seemacht, die unter Elisabeth I. weiterentwickelt wurde und in späteren Jahrhunderten zu einem Fundament des britischen Weltreichs werden sollte.

Doch mit zunehmender Regierungsdauer entwickelte Heinrich ein immer ausgeprägteres Verständnis seiner eigenen Macht. Widerspruch wurde unmöglich, aus Vertrauten wurden Gegner und aus politischen Meinungsverschiedenheiten schließlich nicht selten eine Frage von Leben und Tod. Der entscheidende Wendepunkt kam, als Heinrich seine Ehe mit Katharina von Aragón annullieren lassen wollte, weil sie ihm keinen überlebenden männlichen Thronfolger geboren hatte. Der Papst verweigerte seine Zustimmung, was für Heinrich wohl eine Grenze war, die er nicht akzeptieren wollte. Wenn die bestehenden Regeln seinem Willen entgegenstanden, mussten eben die Regeln geändert werden. So ließ er sich 1534 durch das Parlament zum Oberhaupt der englischen Kirche erklären und brach damit endgültig mit der päpstlichen Autorität. Was ursprünglich aus einem dynastischen und persönlichen Konflikt erwachsen war, wurde zu einer der folgenreichsten Veränderungen der englischen Geschichte. In der Folge wurden die Klöster aufgelöst und ihre gewaltigen Vermögen eingezogen. Dadurch verlor die katholische Kirche große Teile ihrer wirtschaftlichen Macht, während eine neue, wohlhabende Schicht von Landbesitzern profitierte und Heinrich in seinen Reformvorhaben unterstützte. Über Jahrhunderte gewachsene religiöse und gesellschaftliche Strukturen wurden zerstört und wer den königlichen Machtanspruch nicht anerkannte, riskierte sein Leben. Selbst Thomas Morus, einst enger Vertrauter und Lordkanzler des Königs, wurde 1535 hingerichtet.

Bemerkenswert ist weniger, dass Heinrich seine Macht ausübte – das taten alle Könige damals mit völliger Selbstverständlichkeit. Bemerkenswert aus unserer heutigen Perspektive ist vielmehr, wie systematisch er bestehende Institutionen für seine Zwecke umgestaltete und dabei auch das Parlament nutzte, um seinen Entscheidungen eine gesetzliche Grundlage zu geben. Was gestern noch unverrückbare Ordnung gewesen war, konnte morgen bereits verboten sein. Und was als persönliche Forderung des Königs begonnen hatte, wurde schließlich zum verbindlichen Recht für Millionen Menschen. Heinrich VIII. schuf neue Machtverhältnisse und verschob Besitz und Einfluss. Damit legte er Grundlagen für die weitere Entwicklung des englischen Staates und sein persönlicher Wille wurde zu einem Teil der Geschichte seines Landes.

Und damit kommen wir in die heutige Zeit. Wenn wir die aktuelle politische Situation betrachten, entdecken wir durchaus Parallelen zu Heinrich VIII., auch wenn wir längst nicht mehr im England des 16. Jahrhunderts leben. Schließlich haben wir demokratische Verfassungen, unabhängige Gerichte, freie Medien und Institutionen, die politische Macht kontrollieren sollen. Aber wir sehen auch in unserem westlich geprägten Kulturraum, dass viele der für unumstößlich gehaltenen Strukturen wohl doch nicht in Stein gemeißelt sind. Im Gegenteil: Sie können sehr wohl ausgehöhlt, umgebaut oder sogar ganz abgeschafft werden.

Das zeigt ein Blick nach Westen: In seiner zweiten Amtszeit verfolgt der amerikanische Präsident Donald Trump eine weitreichende Neuordnung der Bundesregierung. Dabei geht es nicht nur um politische Inhalte, sondern zunehmend auch um die Frage, wie viel Kontrolle ein Präsident über Behörden und bislang unabhängige Institutionen ausüben kann. Er macht das natürlich nicht allein. Einflussreiche Unterstützer sehen darin eine notwendige Wiederherstellung demokratischer Verantwortlichkeit und die Korrektur eines übermächtig gewordenen Verwaltungsapparats. Kritiker dagegen befürchten eine zunehmende Konzentration politischer Macht und eine Schwächung unabhängiger Kontrollinstanzen. Auch in Ungarn hat Viktor Orbán über viele Jahre Verfassung, Medienlandschaft und staatliche Institutionen so verändert, dass die Folgen über seine eigene Amtszeit hinausreichen.

Nichtsdestoweniger ist ein demokratisch gewählter Präsident selbstverständlich kein Tudor-König und über den Verbleib von in Ungnade gefallenen Ex-Ehefrauen sind wir heutzutage durchaus im Bilde. Aber es bleibt eine interessante Gemeinsamkeit: Politische Macht verändert nicht nur Gesetze und Entscheidungen, sondern auch die Spielregeln, nach denen zukünftig regiert wird. Solche Entwicklungen vollziehen sich selten über Nacht. Sie geschehen schrittweise, häufig sogar mit Zustimmung eines erheblichen Teils der Bevölkerung. Veränderungen werden als notwendig erklärt, Widerstände als Blockaden verstanden, Kritiker als Gegner des Fortschritts oder der nationalen Interessen dargestellt. Nicht jede dieser Veränderungen ist deshalb falsch. Staaten müssen sehr wohl reformierbar bleiben. Aber wir sollten uns immer wieder die Frage stellen, ob die bestehenden oder neu geschaffenen Institutionen noch dem Gemeinwohl dienen oder zunehmend den Vorstellungen derjenigen, die gerade an der Macht sind.

Heinrich VIII. hat England in seiner Regierungszeit dauerhaft verändert und als er 1547 starb, war er bis zuletzt von seiner königlichen Autorität überzeugt. Was er hinterließ, war ein Land, das mit dem seiner Thronbesteigung kaum noch vergleichbar war. Und was einmal zerstört ist, lässt sich häufig nur mühsam wieder aufbauen. Aber wenn wir heute einen Blick auf den weiteren Verlauf der Geschichte werfen, sehen wir, dass es ausgerechnet Heinrichs Tochter Elisabeth I. war, die England in ein Zeitalter großer kultureller Entfaltung und wachsender maritimer Bedeutung führte. Dabei hatte Heinrich jahrzehntelang vor allem auf einen männlichen Thronfolger gesetzt.

Diese tröstliche Erkenntnis der Geschichte zeigt, dass selbst diejenigen, die glauben, die Zukunft eines ganzen Landes nach ihrem Willen gestalten zu können, letztlich nur begrenzten Einfluss darauf haben, was die nachfolgenden Generationen daraus machen. Oder, um es mit Martin Luther King zu sagen: „Der Bogen des moralischen Universums ist lang, aber er neigt sich zur Gerechtigkeit.“

Diese Woche berichten wir über Libre Duo, das nun auch in den USA die Zulassung erhalten hat, stellen danach mit Inreda zur Abwechselung mal ein europäisches AID-System vor, das bihormonal den Glucoseverlauf reguliert und berichten im dritten und letzten Beitrag über eine deutsche Publikation in Diabetologia zur DiGA Glucura von Perfood. Auf geht’s!

Während sich die kontinuierliche Glucosemessung längst als Standard in der modernen Diabetestherapie etabliert hat, erfolgt die Ketonmessung noch immer überwiegend punktuell und häufig erst dann, wenn bereits ein konkreter Verdacht auf eine Ketoazidose besteht. Mit dem Libre Duo von Abbott könnte sich das grundlegend ändern: Ein einziger Sensor misst kontinuierlich sowohl Glucose als auch Ketone und soll damit helfen, eine drohende diabetische Ketoazidose frühzeitig zu erkennen. Nach der CE-Kennzeichnung im Mai hat das System jetzt auch die FDA-Zulassung erhalten:

Libre Duo erhält Zulassung auch in den USA

Gerade für Menschen mit einem erhöhten DKA-Risiko könnte die kontinuierliche Ketonmessung einen erheblichen Nutzen haben. Allerdings müssen wir zwischen dem technologischen Potenzial und einem tatsächlich nachgewiesenen Rückgang von Ketoazidosen unterscheiden. Die diabetische Ketoazidose (DKA) gehört nach wie vor zu den gefürchteten akuten Komplikationen des Diabetes. Besonders bei Menschen mit Typ-1-Diabetes kann sie sich innerhalb weniger Stunden entwickeln und lebensbedrohlich werden. Nicht selten wird ein Typ-1-Diabetes sogar erst im Zusammenhang mit einer DKA diagnostiziert. Aber auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung.

Während die meisten heute verfügbaren AID-Systeme ausschließlich die Insulinzufuhr automatisieren, verfolgt ein niederländisches Unternehmen einen anderen Ansatz: ein bihormonales Fully-Closed-Loop-System, das neben Insulin auch Glucagon abgibt. Wie gut funktioniert ein solches System über mehrere Jahre im Alltag? Dazu liegen jetzt interessante Real-World-Daten vor:

Europäisches AID-System in der Praxis

Auch bei uns in Europa gibt es kleinere, innovative Unternehmen, die neue Technologien für die Diabetestherapie entwickeln und auf den Markt bringen. Eines davon ist das niederländische Unternehmen Inreda, das mit dem Inreda AP ein bihormonales Fully-Closed-Loop-System (FCL) entwickelt hat. In einer aktuellen Publikation werden nun die Drei-Jahres-Real-World-Ergebnisse von 102 Menschen mit Typ-1-Diabetes vorgestellt [1].

CGM-Daten können Menschen mit Typ-2-Diabetes helfen, den Einfluss von Ernährung und Bewegung auf ihre Glucosewerte besser zu verstehen. Doch aus Erkenntnis allein entsteht noch keine Verhaltensänderung. Eine aktuelle deutsche Studie zeigt nun, dass die Kombination aus intermittierender CGM-Nutzung und einer digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA) offenbar deutlich mehr bewirken kann als CGM allein – und das nicht nur beim HbA1c, sondern auch beim Körpergewicht und bei der diabetesbezogenen Belastung:

DiGA plus CGM bei Typ-2-Diabetes: Deutsche Studie zu Glucura in Diabetologia veröffentlicht

Das kontinuierliche Glucosemonitoring (CGM) gewinnt zunehmend auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes an Bedeutung, die nicht mit Insulin behandelt werden. Entsprechend berücksichtigen die ADA Standards of Care 2026 diese Patientengruppe inzwischen stärker. Allerdings ist der zusätzliche Nutzen von CGM bei bereits guter Standardversorgung bislang begrenzt. Metaanalysen zeigen eine durchschnittliche HbA1c-Senkung von etwa 0,3–0,4 %. Entscheidend scheint dabei nicht allein die Verfügbarkeit der Glucosedaten zu sein, sondern vor allem, ob diese auch zu nachhaltigen Veränderungen des Lebensstils führen.

Das Bild der Woche

Ich habe fertig! Scheint sie zu sagen, als sie mit strammen Schritt und entschlossenem Blick davongeht – als bereits 12. Parteivorsitzende der vergangenen 25 Jahre, die das Handtuch wirft.

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Zum Schluss noch wie immer das Letzte

Fabian Köster ist eigentlich ein Meister seines Fachs. Frech, respektlos, schlagfertig und immer mit diesem leicht unschuldigen Gesichtsausdruck, wenn er Politikern Fragen stellt, die diese lieber nicht beantworten würden. In der heute-show vom vergangenen Freitag allerdings gab es eine Begegnung, bei der einem das Lachen ein wenig im Halse stecken blieb. Köster traf im Landtag von Sachsen-Anhalt auf den AfD-Politiker Ulrich Siegmund. Und der hatte offenbar wenig Lust, sich auf das übliche satirische Wortgefecht einzulassen. Stattdessen fragte er den Reporter, ob dieser sich schon einen neuen Job gesucht habe. Schließlich wolle man noch in diesem Jahr den Medienstaatsvertrag kündigen. Dann legte Siegmund dem Reporter auch noch den Arm um die Schulter, fragte ihn, ob er nervös sei, und begrüßte ihn in der „neuen Zeit“.

Das war bemerkenswert. Denn hier begegnete ein Politiker einem Satiriker nicht einfach mit mangelndem Humor, sondern mit der Ankündigung, die berufliche Grundlage seines Gegenübers infrage stellen zu wollen. Ob eine solche Drohung überhaupt umsetzbar wäre, steht auf einem anderen Blatt. Ein einzelnes Bundesland kann schließlich nicht einfach das ZDF abschaffen. Aber darum ging es ja auch gar nicht.

Satire lebt davon, dass sie Macht infrage stellt und übertreibt, provoziert, macht sich lustig und hält den Mächtigen einen Spiegel vor, in den diese nicht immer gerne schauen. Das muss man als Politiker nicht mögen. Man kann widersprechen, zurückspotten oder die Fragen schlicht unbeantwortet lassen, so wie es unser Kanzler macht. Wenn aber statt einer Antwort die Aussicht auf den Verlust des Arbeitsplatzes ins Spiel gebracht wird, verändert sich die Qualität einer solchen Begegnung.

Und damit sind wir bei einer Frage, die über Fabian Köster und Ulrich Siegmund hinausgeht: Was passiert eigentlich mit einer Gesellschaft, wenn diejenigen, die Macht anstreben oder ausüben, zunehmend Schwierigkeiten haben, Widerspruch und Spott auszuhalten? Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass das ZDF gerade angekündigt hat, das bisherige ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann zum Jahresende einzustellen. Offiziell ist das keine politische Entscheidung. Böhmermann selbst möchte ein neues Format entwickeln, entsprechende Gespräche mit dem Sender laufen bereits. Dennoch verschwindet damit zunächst eine Sendung, die über Jahre hinweg mit ihrer Mischung aus Satire und investigativer Recherche immer wieder für erhebliche Aufregung gesorgt hat.

Nun muss man weder Böhmermanns Stil lieben noch jeden Witz von Köster gelungen finden. Satire darf und muss selbst kritisiert werden und hat keinen Anspruch darauf, immer recht zu haben oder immer lustig zu sein. Aber sie sollte einen festen Platz in einer offenen Gesellschaft behalten, gerade dann, wenn sie unbequem wird. Natürlich kann Satire keine politischen Probleme lösen. Aber sie kann Widersprüche sichtbar machen, Denkgewohnheiten erschüttern und manchmal mit einem einzigen Satz mehr erreichen als eine stundenlange politische Debatte.

Wenn aber nicht mal mehr Satire hilft, was hilft dann noch?

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende unserer heutigen Ausgabe angelangt. Die Tage werden kürzer, die Abende länger und draußen zeigt sich der Herbst gerade von seiner schönsten Seite. Wir hoffen, Sie finden am Wochenende ein wenig Zeit, um all das zu genießen, vielleicht bei einem langen Spaziergang, einem guten Essen oder einfach bei einem gemütlichen Abend mit netten Menschen.

Machen Sie es sich schön, lassen Sie die Woche in Ruhe ausklingen und kommen Sie gut in die neue Woche. Wir machen eine kurze Herbstpause und melden und in drei Wochen wieder.

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