Auch bei uns in Europa gibt es kleinere, innovative Unternehmen, die neue Technologien für die Diabetestherapie entwickeln und auf den Markt bringen. Eines davon ist das niederländische Unternehmen Inreda, das mit dem Inreda AP ein bihormonales Fully-Closed-Loop-System (FCL) entwickelt hat. In einer aktuellen Publikation werden nun die Drei-Jahres-Real-World-Ergebnisse von 102 Menschen mit Typ-1-Diabetes vorgestellt [1].
Untersucht wurde, wie stabil die Glucosekontrolle unter Anwendung des Inreda AP (https://www.inredadiabetic.nl/en/home-english/) über einen Zeitraum von drei Jahren blieb. Für die Glucosemessung kamen der Medtronic Guardian Sensor 3 bzw. Guardian Sensor 4 zum Einsatz. Eine Besonderheit ergab sich durch die zeitweise eingeschränkte Verfügbarkeit des verwendeten Glucagons (GlucaGen), weshalb ein Teil der Anwender im Verlauf der Beobachtung auf eine alternative Glucagon-Formulierung (Glugon) umgestellt werden musste. Dies betraf insbesondere die spätere Studienphase.
Die Ergebnisse zeigen insgesamt eine gute und über lange Zeit stabile Glucosekontrolle. Bei den 60 Anwendern, die ausschließlich GlucaGen verwendeten, lag die Time in Range (TIR; 70–180 mg/dl) in den jeweiligen Sechs-Monats-Intervallen zwischen 76 % und 81 %. In der Gesamtkohorte wurden Werte zwischen 77 % und 81 % erreicht. In den ersten sechs Monaten lag die TIR bei 81 % in der reinen GlucaGen-Gruppe und bei 80 % in der Gesamtkohorte. Auch nach mehr als zwei Jahren blieb sie mit etwa 80 % weitgehend stabil. Erst in den letzten sechs Monaten zeigte sich ein leichter Rückgang auf 79,5 % in der GlucaGen-Gruppe und auf 77 % in der Gesamtkohorte.
Die Time below Range (TBR; <70 mg/dl) blieb während des gesamten Beobachtungszeitraums niedrig. Sie lag in der GlucaGen-Gruppe zwischen etwa 0,95 % und 1,6 % und in der Gesamtkohorte zwischen 1 % und 1,7 %. Am Ende der drei Jahre betrug sie 1,09 % bzw. 1,33 %. Auch die Time above Range (TAR; >180 mg/dl) zeigte insgesamt nur geringe Veränderungen. In der reinen GlucaGen-Gruppe lag sie zu Beginn bei 18,2 %, erreichte zwischen den Monaten 19 und 24 mit 17,5 % ihren niedrigsten Wert und stieg zum Ende auf 19,2 %. In der Gesamtkohorte verlief die Entwicklung ähnlich, allerdings erhöhte sich die TAR in den letzten sechs Monaten auf 21,1 %. Der aus den CGM-Daten berechnete Glucose Management Indikator (GMI) blieb in beiden Gruppen weitgehend stabil und lag zwischen 49,5 und 51,1 mmol/mol.
Am Ende der dreijährigen Beobachtungszeit erreichten in der Gesamtkohorte 80 % der Anwender eine TIR von über 70 %, 96 % eine TBR von unter 4 % und 68 % eine TAR von unter 25 %. Insgesamt erfüllten 66 % alle drei Therapieziele gleichzeitig. Noch etwas günstiger fielen die Ergebnisse bei den Anwendern aus, die ausschließlich GlucaGen verwendeten: Hier erreichten 87 % eine TIR von über 70 %, 98 % eine TBR von unter 4 % und 75 % eine TAR von unter 25 %. Drei Viertel dieser Gruppe erfüllten damit alle drei Zielkriterien.
Interessant sind insbesondere die Ergebnisse der 51 Anwender, für die Daten vor und nach der Umstellung von GlucaGen auf Glugon ausgewertet wurden. Ihre TIR sank von durchschnittlich 79 % in den drei Monaten vor dem Wechsel auf 76 % in den drei Monaten danach. Gleichzeitig stieg die TAR von 19 % auf 22 % und die TBR von 1,8 % auf 2,3 %. Die Autoren vermuten, dass Unterschiede in der Pharmakodynamik der beiden Glucagon-Formulierungen hierfür verantwortlich sein könnten. Insbesondere ein möglicherweise verzögerter Wirkungseintritt von Glugon könnte die Glucosekontrolle beeinträchtigen. Ob dieser Zusammenhang tatsächlich ursächlich ist, muss allerdings in weiteren Untersuchungen geklärt werden.
Auch die technischen Anwendungsdaten sprechen für eine hohe Akzeptanz und zuverlässige Nutzung des Systems. Der Median des Zeitanteils, in dem der FCL-Algorithmus aktiv war, lag in beiden Gruppen in sämtlichen Sechs-Monats-Intervallen bei über 95 %. Der mediane tägliche Insulinverbrauch bewegte sich in der reinen GlucaGen-Gruppe zwischen 48 und 53 Einheiten, in der Gesamtkohorte zwischen 50 und 56 Einheiten. Der durchschnittliche tägliche Glucagonverbrauch lag bei 0,47–0,59 mg bzw. 0,53–0,62 mg.
Fazit: Die Drei-Jahres-Daten zeigen, dass mit einem bihormonalen Fully-Closed-Loop-System auch unter Alltagsbedingungen langfristig eine stabile Glucosekontrolle mit hoher TIR und sehr niedriger TBR erreicht werden kann. Interessant ist insbesondere, dass die verwendete Glucagon-Formulierung offenbar einen Einfluss auf die Systemleistung haben könnte. Das unterstreicht die Bedeutung eines zuverlässigen Zusammenspiels von Algorithmus, Insulin- und Glucagonabgabe. Bihormonale FCL-Systeme könnten damit eine interessante Alternative zu den derzeit verfügbaren, ausschließlich insulinbasierten AID-Systemen darstellen. Ob sich daraus auch ein zusätzlicher klinischer Nutzen ergibt, müssen vergleichende Studien zeigen.
- Jansen TJP, den Drijver C, Vlaskamp LB, van Bon AC. Three-Year Real-World Performance of Bihormonal Fully Closed-Loop Therapy in Type 1 Diabetes. *Diabetes Technology & Therapeutics*. 2026. doi: 10.1177/15209156261492793. PMID: 42786561.
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