Herzlich willkommen beim diatec weekly,

was für ein Sommer das doch war! Wochenlang nur Shorts und T-Shirts, die Fenster geöffnet bis tief in die Nacht, Frühstück auf der Terrasse, Kinder barfuß im Garten, lange Abende in den Parks oder draußen vor den Restaurants. Die Tage schleppten sich dahin und schienen irgendwie länger zu sein und das Leben langsamer als sonst. Endlich mal wieder ein richtiger Sommer, wie er früher einmal war! In Memoriam an Rudi Carrell, der das Lied im verregneten Sommer 1975 sang und sich Sonnenschein von Juni bis September wünschte. Nun, 2026 hatten wir ihn, diesen Sommer!

Doch während wir das Licht, die Wärme und diese wunderbaren langen Abende genießen konnten, brannten anderswo die Wälder, auch bei uns und manchmal gar nicht weit entfernt. In Frankreich, Spanien, Griechenland, Kroatien, Deutschland und Belgien kämpften Feuerwehrleute bis zur Erschöpfung gegen Wald- und Vegetationsbrände. Menschen mussten ihre Häuser verlassen, Campingplätze wurden evakuiert und Touristen nach Hause geschickt, ganze Landschaften sind nun verwüstet. Wer das für „natürlich“ hält, irrt, denn solche Brände entstehen nicht einfach so. Fast immer sind Menschen die Auslöser: durch Unachtsamkeit, weggeworfene Zigaretten, Funken bei Arbeiten oder manchmal auch durch Brandstiftung. Hitze und anhaltende Trockenheit schaffen dann die Bedingungen dafür, dass aus einem kleinen Feuer innerhalb kürzester Zeit ein kaum noch beherrschbarer Brand werden kann.

Die Faktenlage im August 2026 ist ernst, denn Hitze und Trockenheit haben große Teile Europas erfasst. Wasser wird knapp, Böden trocknen aus und viele Flüsse haben extrem niedrige Pegel, das gilt für fast alle großen Wasserstraßen wie Loire, Rhein und Donau – mit Folgen für Landwirtschaft, Schifffahrt und Energieversorgung.

Ein Ausnahme-Sommer also? Hitzewellen, Dürren, Waldbrände und andere Wetterextreme werden unser Leben zunehmend prägen, davon geht die Europäische Umweltagentur inzwischen aus. Europa gehört zu den Regionen der Erde, in denen die Auswirkungen des Klimawandels besonders deutlich spürbar werden. Das bedeutet nicht, dass nun jeder Sommer aussehen wird wie dieser. Es wird kühlere Sommer geben, verregnete Wochen und vermutlich auch wieder Jahre, in denen wir uns über zu wenig Sonne beklagen. Aber die Richtung ist inzwischen ziemlich klar und deshalb sollten wir uns langsam einmal die Frage stellen: Wie wollen wir in einer Welt leben, in der solche Sommer häufiger werden? Und wie können wir uns darauf vorbereiten?

Wir brauchen so etwas wie eine „Sommer-Infrastruktur“. Unsere Städte beispielsweise sind für Hitze erstaunlich schlecht gebaut. Viel Beton, Asphalt und versiegelte Flächen speichern tagsüber die Wärme und geben sie nachts wieder ab, was für zu warme Nächte sorgt, in denen unsere Körper nicht mehr auskühlen können. Wir brauchen mehr Schatten, mehr Grünflächen und viele Bäume, mehr Wasser in unseren Städten. Schattige Plätze, öffentliche Trinkwasserbrunnen, außenliegenden Sonnenschutz an Gebäuden, begrünte Dächer und Fassaden und systematische Hitzepläne für Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Pflegedienste sind dringend angesagt. Neue Gebäude müssen so geplant werden, dass sie auch ohne permanent laufende Klimaanlagen bewohnbar bleiben. Und wo es sinnvoll und möglich ist, können Balkonkraftwerke tagsüber genau jene Energie liefern, die benötigt wird, um Ventilatoren oder Klimageräte in den Wohnungen zu betreiben.

Auch mit Wasser müssen wir anders wirtschaften, denn es wird womöglich bald nicht mehr immer und überall und jederzeit selbstverständlich zur Verfügung stehen. Regenwasser darf nicht mehr möglichst schnell in der Kanalisation verschwinden, sondern muss dort gespeichert werden, wo es fällt. Schwammstädte wie Rotterdam zeigen, wie das gehen kann – die Idee ist ebenso einfach wie überzeugend: Regenwasser aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben, eben wie ein Schwamm. Bei Starkregen kann auf diese Weise viel Wasser aufgenommen werden, bevor es Kanalisation, Straßen und Keller überflutet und gleichzeitig steht mehr Feuchtigkeit für trockene Perioden zur Verfügung. Das Ganze hat also einen doppelten Nutzen: Eine Schwammstadt schützt nicht nur vor Starkregen und Überschwemmungen, sondern kann durch mehr Grün, Wasser und Verdunstung auch dazu beitragen, unsere Städte an heißen Sommertagen kühler und lebenswerter zu machen.

Auch unser persönlicher Alltag wird sich verändern müssen. Warum muss ein normaler Arbeitstag im August bei 38°C genauso organisiert sein wie im Oktober bei 18°C? Früher anfangen, längere Mittagspausen machen, Schulen und Kitas flexibler organisieren, körperliche Arbeit im Freien in die kühleren Tageszeiten verschieben – vieles, was uns in Südeuropa lange etwas fremd erschien, wird auch bei uns sinnvoll werden. Auch die Landwirtschaft muss stärker an lange Trockenperioden angepasst werden, vor allem müssen unsere Wälder widerstandsfähiger werden. Monokulturen und gleichförmige Forste sind in langen Trockenperioden besonders anfällig. Wer gesehen hat, wie rasch die trockenen Kiefernwälder an der französischen Atlantikküste Feuer gefangen haben, versteht vielleicht, warum Waldumbau und Brandvorsorge künftig ebenso selbstverständlich werden müssen wie Hochwasserschutz.

Klimaanpassung darf aber nicht bedeuten, dass wir den Klimaschutz aufgeben, beides gehört zusammen. Wir müssen versuchen, die weitere Erwärmung zu begrenzen und gleichzeitig akzeptieren, dass ein Teil der Veränderung längst bei uns angekommen ist. Der Sommer 2026 macht das auf fast paradoxe Weise sichtbar: Er kann so wunderschön sein und bedrohlich zugleich. Sorgen wir also dafür, dass wir ihn in Zukunft auch noch genießen können.

Um Sommer, Sonne und Hitzestau geht es auch im ersten Beitrag dieser Woche, das Deutsche Ärzteblatt berichtet über ein erhöhtes Mortalitätsrisiko für Menschen mit Diabetes. Das zweite Thema beschäftigt sich mit den umfangreichen regulatorischen Prozessen und fragt nach den Ursachen, warum der algorithmische Stillstand für echte Closed-Loop-Innovation so sehr auf der Stelle tritt, und mit dem dritten und letzten Beitrag schauen wir einmal nach den Erfahrungen von Menschen mit Diabetes im Zusammenhang mit Technologie. Auf geht’s!

Bei chronischen Erkrankungen kann Hitze zu einer zusätzlichen Belastung werden, das gilt insbesondere für Menschen mit Diabetes. Das Deutsche Ärzteblatt hat aktuell über ein erhöhtes Sterberisiko bei Menschen mit Diabetes im Zusammenhang mit Hitzewellen berichtet. Gleichzeitig steigt offenbar auch die Zahl diabetesbedingter Krankenhausaufenthalte. Dies sind erste Ergebnisse eines noch nicht veröffentlichten Cochrane-Reviews, den Sabrina Schlesinger vom Deutschen Diabetes-Zentrum und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf auf dem Frühjahrskongress der DDG in Berlin vorstellte. Ein Thema also, das uns künftig wohl häufiger beschäftigen wird:

Hitzewellen könnten Mortalitätsrisiko bei Menschen mit Diabetes erhöhen

Heiße Sommertage mit Temperaturen von bis zu 40°C sind in Deutschland keine Seltenheit mehr. Prognosen des Deutschen Wetterdienstes zufolge könnten in Berlin, wenn sich die Entwicklung wie bisher fortsetzt, künftig im Sommer 16 Hitzetage und fünf tropische Nächte auftreten. Menschen mit Diabetes sind durch Hitze besonders gefährdet, denn sie kann zu größeren Blutglucoseschwankungen mit Hypo- und Hyperglykämien führen, Neuropathien verstärken und zusätzlich Kreislauf und Nieren belasten. Gleichzeitig können auch Wirkung und Stabilität von Medikamenten und Diabetes-Technologie durch hohe Temperaturen beeinflusst werden.

AID-Systeme sind wohl der dynamischste Bereichen der Diabetes-Technologie. Die Algorithmen werden immer leistungsfähiger, die Vision eines vollständig geschlossenen Regelkreises (Fully Closed Loop, FCL) rückt technisch zunehmend in Reichweite. Doch ausgerechnet dort, wo Software heute eigentlich besonders schnell weiterentwickelt werden könnte, entsteht ein neuer Flaschenhals: bei Validierung, Zulassung und Implementierung von Updates. Die spannende Frage lautet deshalb inzwischen weniger, ob ein FCL technisch möglich ist, sondern vielmehr, wie schnell Innovation tatsächlich bei den Menschen mit Diabetes ankommt:

Der algorithmische Stillstand: Warum echte Closed-Loop-Innovation auf der Stelle tritt.

Der ehemalige wissenschaftliche und medizinische Leiter der ADA, Bob Gabbay, publiziert gemeinsam mit Mitarbeitern von Kelly Close regelmäßig Einschätzungen zum Stand verschiedener diabetologischer Themen. Nun hat er sich mit der Entwicklung von Systemen zur automatisierten Insulinabgabe (AID) beschäftigt und dabei vor allem einen Punkt herausgestellt: den zunehmenden Widerspruch zwischen immer leistungsfähigeren Algorithmen und den vergleichsweise langsamen Prozessen, mit denen Softwareänderungen in Medizinprodukten umgesetzt werden.

Moderne Diabetestechnologie kann den Alltag von Menschen mit Typ-1-Diabetes erheblich erleichtern. Sie kann Sicherheit geben, entlasten und die Therapie deutlich komfortabler machen. Gleichzeitig bringt sie neue Anforderungen mit sich, die in klinischen Studien häufig nur am Rand erfasst werden. Eine aktuelle qualitative Untersuchung zeigt, wie ambivalent die Erfahrungen im Alltag sein können und welche Aspekte für Betroffene neben Glucosewerten und Time in Range zunehmend wichtig werden:

Diabetestechnologie und Patientenerfahrung bei Typ-1-Diabetes

In JAMA Network Open wurde kürzlich von Estelle Everett et al. die qualitative Studie „Contemporary Diabetes Technology and the Patient Experience“ veröffentlicht [1]. Untersucht wurde mit dieser Studie, wie sich der Einsatz moderner Diabetestechnologien (Insulinpumpen, Systeme zum kontinuierlichen Glucosemonitoring (CGM) und automatisierte Insulinabgabesysteme, AID) auf Alltag und psychosoziales Wohlbefinden erwachsener Menschen mit Typ-1-Diabetes (T1D) auswirkt.

Das Bild der Woche

Bilder wie dieses könnten es in die Kategorie „Foto des Jahres“ schaffen. Rauch verdunkelt den Himmel, Asche rieselt auf den Strand an der französischen Atlantikküste, und während im Hintergrund die Wälder brennen, spielen Kinder weiter im Sand.

Das Bild bringt die Widersprüchlichkeit dieses Sommers eindringlich auf den Punkt:
Ferienidylle und Katastrophe liegen nur wenige Kilometer auseinander.

 

Zum Schluss noch wie immer das Letzte

Auch wenn wir hier in deutschen Landen nicht immer den Eindruck haben – die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet tatsächlich voran. Und manchmal auf Wegen, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte.

Eine zunächst skurril klingende, bei näherem Hinsehen aber durchaus pragmatische Idee hat das US-Unternehmen Casana aus Rochester, New York, entwickelt: einen „smarten“ Toilettensitz. Das Besondere daran: Während man ganz normal seine Sitzung abhält, werden automatisch verschiedene Gesundheitsdaten erfasst, unter anderem Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz. Die erhobenen Daten werden anschließend an eine App übertragen und können dort weiter ausgewertet oder auf Wunsch geteilt werden.

Das System basiert nach Angaben des Unternehmens auf rund zehn Jahren klinischer Forschung. Dazu gehören unter anderem eine Studie mit invasiver arterieller Blutdruckmessung als Referenzmethode, eine Untersuchung zur kontrollierten Absenkung der Sauerstoffsättigung sowie unabhängige Validierungsstudien durch Dritte. Hinter der Entwicklung stehen internationale Patente und namhafte Investoren beziehungsweise Partner wie General Catalyst, Matrix, Morningside, Outsiders, Kaiser Permanente und Bemis, der weltweit größte Hersteller von Toilettensitzen.

Erfasst und im zeitlichen Verlauf mit den jeweils individuellen Normalwerten verglichen werden Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Sauerstoffsättigung im Blut (pO₂), Atemfrequenz und Blutdrucktrends, aber auch die sogenannte Sit-to-Stand Power, also die Kraft beziehungsweise Leistungsfähigkeit beim Aufstehen aus dem Sitzen, ein interessanter Parameter für Muskelkraft und funktionelle Mobilität.

Weichen Werte auffällig vom persönlichen Normalbereich ab, gibt das System einen dezenten Hinweis. Die Daten können außerdem mit Familienmitgliedern oder dem behandelnden Arzt geteilt werden. Sie werden allerdings ausdrücklich nur als Trends für das allgemeine Gesundheitsmonitoring dargestellt und sind nicht zur medizinischen Diagnosestellung gedacht. Auch an den Datenschutz wurde gedacht. Die vom Smart Seat erfassten biometrischen Messwerte werden verschlüsselt gespeichert und sollen nicht an Dritte weitergegeben werden. Um verschiedene Nutzer innerhalb eines Haushalts auseinanderzuhalten, nutzt der Sitz eine biometrische Identifikation.

Die Idee dahinter ist – so albern sie sich im ersten Moment anhören mag – durchaus nachvollziehbar: Warum Menschen bitten, ein Wearable zu tragen, wenn es einen Ort gibt, den alle ohnehin regelmäßig aufsuchen? Damit bekommt der Begriff „digitale Gesundheitsversorgung“ eine ganz neue Dimension. Smartwatch, Schlafring und CGM waren offenbar erst der Anfang. Und eigentlich ist das sogar konsequent. Schließlich wird der menschliche Alltag seit Jahren systematisch vermessen: Schritte, Schlafphasen, Herzrhythmus, Glucosewerte, Stresslevel – warum also ausgerechnet die Toilette aussparen?

Man darf gespannt sein, wie weit das noch geht. Denkbar wäre irgendwann die vollständige Integration: Der Toilettensitz erkennt Blutdruck und Herzfrequenz, die Smartwatch meldet schlechten Schlaf, das CGM einen nächtlichen Glucoseanstieg und die KI fasst am Morgen alles freundlich zusammen: „Guten Morgen. Ihre Nacht war unruhig, der Blutdruck ist leicht erhöht und das Dessert gestern Abend war metabolisch eher ambitioniert.“ So könnte die Zukunft der Prävention aussehen, einfach mal (aus)sitzen!

Das war‘s mit unserem Wiedereinstieg nach langer Sommerpause. Noch ist er nicht vorbei, der Sommer, auch wenn er ein wenig in die Jahre gekommen ist und nicht mehr alles gibt. Die Nächte werden kühler, der Herbst kündigt sich langsam an, die Ferien sind fast überall vorbei und nach und nach kehrt wieder Alltag ein. Genau der richtige Moment, um noch einmal kurz zurückzublicken und dann mit frischem Kopf in die nächsten Wochen zu starten.

Wir sind also wieder da – und freuen uns auf einen spannenden Herbst mit Euch. Herzliche Grüße aus dem Rheinland von

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Mit freundlichen Grüßen