Eine aktuelle Übersichtsarbeit hat die bislang noch überschaubare Datenlage dazu zusammengetragen [1]. Das Ergebnis: Vor allem GLP-1-basierte Therapien erscheinen vielversprechend, allerdings fehlen weiterhin größere und längerfristige Studien. Insgesamt werteten die Autoren neun randomisierte kontrollierte Studien und zehn Real-World-Studien zu begleitenden medikamentösen Therapien bei Menschen mit Typ-1-Diabetes und AID-Systemen aus.
Besonders interessant sind die Daten zu Semaglutid und Tirzepatid bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas. Über die verschiedenen Studien hinweg zeigten sich vor allem drei Effekte: Gewichtsverlust, ein deutlich geringerer Insulinbedarf und teilweise eine Verbesserung der Time in Range (TIR). Schwere Hypoglykämien oder diabetische Ketoazidosen (DKA) wurden in den hervorgehobenen Studien nicht beobachtet.
Hier ein paar Beispiele:
- Pasqua et al. (n = 28): Nach vier Wochen mit Semaglutid 1 mg einmal wöchentlich stieg die TIR um 4,8 %, ohne Zunahme der Time below Range. Das Körpergewicht sank um 5,1 %, der tägliche Insulinbedarf um median 11,3 Einheiten. Sowohl Basal- als auch Bolusinsulin konnten reduziert werden.
- Shah et al. (n = 72): Nach 26 Wochen Semaglutid sank der HbA1c um 0,3 %, das Gewicht um 8,8 kg und der tägliche Insulinbedarf um 22,3 Einheiten. Gleichzeitig nahm die TIR um 8,8 % zu.
- In einer Real-World-Studie mit 19 Personen führte eine sechsmonatige GLP-1-RA-Therapie zu einer Gewichtsreduktion von 11 % und zu einer Abnahme des täglichen Insulinbedarfs um 15,1 Einheiten. HbA1c und TIR veränderten sich allerdings nicht signifikant.
- Snaith et al. (n = 22): Unter Tirzepatid 5 mg einmal wöchentlich sank das Gewicht nach zwölf Wochen um durchschnittlich 8,8 %, der HbA1c um 0,4 % und der tägliche Insulinbedarf um 24,2 Einheiten. TIR, TBR und TAR veränderten sich dagegen nicht signifikant.
- In einer retrospektiven Ein-Zentrum-Studie mit zehn Personen führte Tirzepatid nach drei Monaten zu einer Gewichtsreduktion von 12,2 %. Der tägliche Insulinbedarf sank von 59,8 auf 33,9 Einheiten, die TIR stieg von 70 auf 86 %.
Damit zeichnet sich ein recht konsistentes Bild ab: Der größte zusätzliche Nutzen der GLP-1-basierten Therapie scheint derzeit weniger in einer spektakulären Verbesserung der Glucosewerte als vielmehr in Gewichtsreduktion und einer deutlichen Senkung des Insulinbedarfs zu liegen. Für Menschen mit Typ-1-Diabetes und Adipositas könnte das durchaus relevant sein.
Auch SGLT-2-Hemmer können in Kombination mit AID-Systemen die TIR erhöhen und den Insulinbedarf reduzieren. Für Empagliflozin wurde dies in mehreren Studien gezeigt, ohne dass gleichzeitig mehr Hypoglykämien auftraten.
Allerdings bleibt die bekannte Achillesferse von Ketose und DKA dieser Substanzklasse bestehen. In einigen Studien wurden unter SGLT-2-Hemmern höhere mittlere Keton-Konzentrationen beziehungsweise mehr Ketose-Episoden beobachtet. DKA-Ereignisse waren zwar insgesamt selten, das Risiko lässt sich aber auch durch ein AID-System nicht vollständig eliminieren.
Fazit: GLP-1-basierte Therapien könnten insbesondere für Menschen mit Typ-1-Diabetes, AID-System und gleichzeitigem Übergewicht oder Adipositas eine interessante zusätzliche Behandlungsoption darstellen. Die bisherigen Daten zeigen deutliche Effekte auf Körpergewicht und Insulinbedarf und zum Teil auch auf die TIR.
Noch ist die Evidenz allerdings dünn: Die Studien sind klein, häufig kurz und zum Teil retrospektiv. Ob sich langfristig auch Vorteile hinsichtlich kardiovaskulärer Ereignisse oder anderer klinisch relevanter Endpunkte ergeben, ist bislang offen.
Bei SGLT-2-Hemmern bleibt dagegen das Ketose-Risiko der entscheidende limitierende Faktor. Gerade hier könnte die künftig verfügbare kontinuierliche Ketonkörper-Messung interessant werden: Sie würde möglicherweise erstmals ermöglichen, das metabolische Risiko solcher Zusatztherapien kontinuierlich zu erfassen – und damit vielleicht auch besser beherrschbar zu machen.
Literatur
- Kitsios K, Trakatelli C-M. Adjunctive Treatments for Patients with Type 1 Diabetes Using Automated Insulin Delivery Systems. A Narrative Review. Diabetes Technology & Therapeutics. 2026;0(0):15209156261486127. doi:10.1177/15209156261486127. PMID: 42695140.
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