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„We the people“ – Was für ein Satz, mit dem die Verfassung der Vereinigten Staaten beginnt. Jenes demokratischen Versprechens also, das wenige Jahre nach der Staatsgründung formuliert wurde und bis heute nachwirkt: „Wir, das Volk der Vereinigten Staaten, um eine vollkommenere Union zu bilden, Gerechtigkeit zu schaffen, innere Ruhe zu sichern, für die gemeinsame Verteidigung zu sorgen, das allgemeine Wohl zu fördern und die Segnungen der Freiheit für uns und unsere Nachkommen zu bewahren, verordnen und begründen diese Verfassung für die Vereinigten Staaten von Amerika.“
Das war etwas sensationell Neues: Nicht König oder Kaiser, nicht Adel oder Kirche und auch nicht die angeblich gottgegebene Macht Einzelner sollten über das Gemeinwesen bestimmen, sondern das Volk selbst. „We the people“ – drei Worte nur, aber in ihnen liegt eine politische Revolution. Der Mensch steht nicht länger unter der Macht, sondern wird zu ihrem Ursprung. Ein Staat ist nicht Eigentum der Herrschenden, sondern gemeinsame Verantwortung seiner Bürgerinnen und Bürger.
Heute aber leben wir in einer Zeit, in der an vielen Stellen der Welt wieder das Gegenteil behauptet wird. Nicht „We the people“, sondern: Ich, Putin. Ich, Erdoğan. Ich, Xi Jinping. Und ganz vorne dabei: Ich, Mr. T. Es ist die Stunde der Egomanen. Nun hat jede Zeit ihre Helden, ihre Mahner, ihre Träumer, ihre Verführer und zurzeit sind das eben ihre Egomanen. Menschen, die so sehr um sich selbst kreisen, dass sie den Rest der Welt nur noch als Bühne, Bedrohung oder Beute wahrnehmen. Sie treten nicht an, um zu gestalten, sondern um zu dominieren. Nicht, um zu verbinden, sondern um zu spalten. Nicht, um Verantwortung zu übernehmen, sondern um Macht zu demonstrieren.
Dabei inszenieren sie sich als Retter, als Ordnungsmacher und Tabubrecher. Institutionen verachten sie, denn sie begrenzen ihre Macht. Freie Medien verabscheuen sie, weil sie Fragen stellen. Unabhängige Gerichte missachten sie, weil sie Regeln verteidigen. Kompromisse lehnen sie ab, weil diese voraussetzen, dass auch der andere ein Recht auf seine Sicht hat. Und letztlich verachten sie das „Wir“, weil es ihrem „Ich“ im Weg steht.
„Land of the free“ – auch das ist so ein Satz, der groß klingt und doch nie für alle gleichermaßen galt. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass die Vereinigten Staaten von Beginn an ein demokratisches Versprechen mit schweren blinden Flecken waren. Mit „We the people“ waren eben nicht alle Menschen gemeint, sondern zunächst vor allem weiße, freie Männer. Die Gründer der amerikanischen Demokratie formulierten große Worte über Freiheit und Gleichheit, während sie die indigene Bevölkerung vertrieben und Menschen aus Afrika versklavten. Auch George Washington, James Madison und Thomas Jefferson, die ersten drei Präsidenten der Vereinigten Staaten, besaßen Sklaven.
Das Wahlrecht galt lange nur für wenige. Frauen waren ausgeschlossen, Schwarze Amerikaner wurden systematisch behindert, und bis heute ist Wählen in den USA komplizierter als in fast allen anderen Demokratien: Ein Präsident wird nicht direkt durch die Mehrheit aller abgegebenen Stimmen gewählt, sondern über das Electoral College. In fast allen Bundesstaaten gilt dabei das Prinzip „winner takes all“: Wer einen Staat knapp gewinnt, erhält alle Wahlleute dieses Staates. Hinzu kommen komplizierte Registrierungsverfahren, unterschiedliche Ausweisregeln und das Gerrymandering – also der Zuschnitt von Wahlkreisen in einer Weise, die einer Partei möglichst viele Vorteile verschafft. Das alles macht aus dem einfachen Satz „jede Stimme zählt“ eine deutlich kompliziertere Realität.
Nun könnte man sagen: Vor 250 Jahren galten eben andere Regeln. Frauen hatten generell kaum Rechte, Sklaverei war vielerorts gesellschaftliche Realität, und politische Teilhabe war ein Privileg weniger Elitegruppen. Seitdem jedoch ist viel erkämpft worden: Bürgerrechte, Frauenwahlrecht, Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenschutz.
Doch gerade jetzt wirkt es, als drehe sich ein Teil der Geschichte rückwärts und die alte Versuchung ist wieder da: Einer wird es schon richten. Einer, der stärker, reicher, lauter und skrupelloser ist als alle anderen. Einer, der nicht lange diskutiert, sondern entscheidet. Der nicht nach dem Gemeinwohl fragt, sondern danach, was ihm nützt. Der Komplexität nicht erklärt, sondern Schuldige benennt. Und es sind längst nicht nur alte weiße Männer, die am Rad der Zeit drehen. Auch in jüngeren rechten Milieus wird offen diskutiert, ob man Frauen das Wahlrecht wieder aberkennen sollte. Begründet wird das mit der Vorstellung, nicht das Individuum, sondern die Familie sei die politische Grundeinheit und männliche Führung dabei gottgewollt.
Zwar ist das als konkrete politische Maßnahme derzeit kaum realistisch, als Symptom einer autoritär-patriarchalen Radikalisierung am rechten Rand sollte man es dennoch ernst nehmen. Die Befürworter solcher Entwicklungen leben von einem Missverständnis, das in unsicheren Zeiten besonders gut funktioniert: Sie verkaufen Rücksichtslosigkeit als Stärke und Vereinfachung als Klarheit und die Spaltung einer Gesellschaft als Befreiung von angeblichen Fesseln. Das ist durchaus verführerisch, denn unsere Zeit ist kompliziert mit ihren Kriegen, dem Klimawandel, der zunehmenden Migration, der wirtschaftlichen Unsicherheit und den technologischen Umbrüchen … all das führt zu überforderten Demokratien und zu erschöpften Menschen. Wer wollte da nicht jemanden, der kommt und sagt: Ich mache das jetzt. Ich räume auf. Ich weiß, wer schuld ist. Ich gebe euch die Kontrolle zurück.
Es wird aber keinen neuen Messias geben, der die Dinge für uns richtet. Den hat es nie gegeben und so ist die Stunde der Egomanen nicht nur ein politisches Phänomen, sondern ein Spiegel, der uns fragt, warum wir so anfällig für einfache Antworten geworden sind. Und wie schnell wir bereit sind, das Gemeinsame preiszugeben, wenn es unbequem wird. „We the people“ meint nicht: Jeder für sich und auch nicht: Die Mehrheit darf alles. Diese drei Worte sind deshalb so beeindruckend, weil sie uns auffordern: Gebt euch Regeln, damit Freiheit für alle möglich bleibt. Begrenzt die Macht, damit niemand über den anderen gestellt wird. Streitet, aber zerstört nicht den Raum, in dem gestritten werden kann.
„We the people“ ist deshalb kein nostalgischer Satz aus einer fernen Vergangenheit, sondern eine Erinnerung daran, dass Freiheit aus einem belastbaren Wir besteht. Die Stunde der Egomanen wird nicht mit einem lauten Knall enden, sondern leise und in dem Moment, in dem wir aufhören, ihnen die Bühne zu überlassen. Dafür brauchen wir Menschen, die nicht nur fragen, was ihnen zusteht, sondern was sie beitragen können. Wir brauchen PolitikerInnen, die nicht auf jeder Empörungswelle reiten, sondern erklären, warum Lösungen Zeit brauchen. Wir brauchen Medien, die aufklären statt aufheizen und Wissenschaft, die ernst genommen wird, auch wenn ihre Antworten unbequem für uns sind. Und wir brauchen BürgerInnen, die sich nicht aus Enttäuschung zurückziehen, sondern sich einmischen. Gerade jetzt. Und gerade deshalb.
Mit den Themen der Woche berichten wir mit einem längeren Beitrag über frühe Erkennung von Diabetes, insbesondere Typ-1 und welche Möglichkeiten bereits eingesetzt werden und wir enden mit aktuellen Daten zur Frage des Monats und stellen dabei auch die Frage des Monats Juli vor. Auf geht’s!
Typ-1-Diabetes wird bis heute häufig erst dann diagnostiziert, wenn die Erkrankung klinisch manifest ist – nicht selten sogar erst im Rahmen einer diabetischen Ketoazidose. Für die Betroffenen und ihre Familien bedeutet das einen abrupten Einstieg in eine lebenslange Therapie, oft verbunden mit Angst, Überforderung und einem medizinischen Notfall, der vermeidbar gewesen wäre:
Typ-1-Diabetes früher erkennen – und behandeln
Der Blick auf Typ-1-Diabetes verändert sich gerade grundlegend, denn die autoimmune Erkrankung beginnt nicht erst mit hohen Glucosewerten, Gewichtsverlust, Durst und Insulinpflichtigkeit. Sie entwickelt sich über Jahre hinweg, lange bevor Symptome auftreten. Inselzellen-Autoantikörper, genetische Risikoprofile, CGM-Daten und neue immunmodulierende Therapien eröffnen die Möglichkeit, Typ-1-Diabetes früher zu erkennen, besser zu überwachen und den Verlauf möglicherweise zu verzögern.
Die Frage des Monats widmet sich aktuellen politischen, versorgungs- oder behandlungsbezogenen Diabetesthemen. Wie die dia·link-Community die Frage beantwortet hat, können Sie jeweils im Folgemonat in Ihrem Newsbereich einsehen. Hier geht es zu den Ergebnissen der Frage des Monats Juni und das war die
Frage des Monats Juni: „Was verstehen Menschen ohne Diabetes Ihrer Meinung nach am wenigsten über das Leben mit Diabetes?“
Menschen mit Diabetes treffen jeden Tag zahlreiche Entscheidungen, die für andere oft unsichtbar bleiben. Von der Beurteilung ihrer Glucosewerte über die Berechnung von Kohlenhydraten bis hin zum Umgang mit Unter- oder Überzuckerungen begleitet die Erkrankung viele Betroffene rund um die Uhr. Doch Diabetes im Alltag zu managen, bedeutet häufig mehr als “nur” die Glucosewerte im Auge zu behalten. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Missverständnisse darüber, was das Leben mit Diabetes tatsächlich bedeutet und welche Herausforderungen damit verbunden sind.
Das Bild der Woche

Amerika feiert sich! Und das mit guten Grund, denn so sehr das System der Checks and Balances
derzeit unter Druck steht, so sichtbar ist auch: Es lebt noch. In Gerichten, Institutionen, Medien
und in all den Menschen, die sich dafür einsetzen, dass die Demokratie nicht unter die Räder gerät.
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Zum Schluss noch wie immer das Letzte!
Nun haben wir viel über Amerika und seinen Widersprüche und demokratischen Zumutungen gesprochen. Zum Schluss soll aber auch dieses hier gesagt werden: Dieses Land ist viel mehr als seine aktuelle Politik. Viel größer, viel weiter, viel widersprüchlicher und in ganz vielem nach wie vor großartig.
Wir dürfen das sagen, weil wir seit inzwischen 15 Jahren einen Teil des Jahres in den USA leben. Wir sind dort keine Touristen mehr, aber auch (noch) keine Amerikaner. Wir leben irgendwo dazwischen, mit deutschem Blick und amerikanischen Alltagsmomenten. Aus dieser Zwischenposition heraus bleibt neben allem Unverständnis auch sehr viel Zuneigung.
Amerika kann einen wahnsinnig machen. Mit seiner Bürokratie, die es angeblich nicht gibt, mit seiner Lautstärke, seiner Selbstgewissheit, seiner Liebe zu Superlativen und seiner manchmal schwer erträglichen politischen Polarisierung. Aber Amerika kann einen auch immer wieder berühren. Durch seine Offenheit. Durch seine Energie. Durch die Freundlichkeit im Alltag, die nicht tief sein muss, um trotzdem gutzutun. Durch Menschen, die einen anlächeln, ins Gespräch kommen wollen, helfen, fragen, erzählen. Und durch diesen selbstverständlichen Satz: „You can do it.“
Das mag manchmal naiv klingen, aber es ist auch eine Kraft. In den USA wird nicht zuerst gefragt, warum etwas nicht geht, sondern wie man es möglich machen kann. Diese Haltung hat das Land geprägt: In den Wissenschaften, in der Medizin, in Technologie und Kultur, in Musik, Film, Literatur, Unternehmertum und Forschung. Amerika ist Silicon Valley und Jazz, ist Nachbarschafts-Hilfe und gemeinsames Barbecue, ist Bruce Springsteen und Elvis, ist der Grand Canyon und Diners am Straßenrand, die NASA, Harvard, Berkeley und Stanford, die Bürgerrechtsbewegung, Garagen-Start-ups, Bibliotheken, Community Colleges, viele freiwillige Helfer bei den Food Banks, Heros wie die Feuerwehrleute, engagierte Lehrerinnen und Lehrer, Ärztinnen und Ärzte.
Und dann ist da die Landschaft. Wer einmal in Kalifornien morgens am Pazifik gestanden hat, wenn der Nebel über dem Wasser hängt und die Pelikane knapp über die Wellen gleiten und ein bisschen weiter die Delphine durch die Wellen springen, der versteht, warum dieses Land Sehnsüchte weckt. Die Weite der Wüsten, die Wälder der Sierra Nevada, die roten Felsen im Südwesten, die Küstenstraßen und die Nationalparks – all das gehört ebenso zu Amerika wie Washington, Wahlkampf und Wall Street.
Zur 250-Jahr-Feier der Vereinigten Staaten darf deshalb beides nebeneinanderstehen – die Kritik und die Bewunderung. Die Enttäuschung über politische Entwicklungen und die Dankbarkeit für das, was dieses Land der Welt gegeben hat. Die Sorge um die Demokratie und die Erinnerung daran, dass Amerika immer auch ein Land der Korrekturbewegungen war. Ein Land, in dem Fehler nicht verschwinden, aber immer wieder Menschen aufstehen, um sie zu benennen. Dies ist das Beste an Amerika! Es hat vielleicht sein Versprechen nie ganz eingelöst, aber auch nie aufgegeben: „We the people“ war von Anfang an größer als die Wirklichkeit und darin liegt eine Kraft, die jede Generation aufs Neue herausfordert, dieses „Wir“ zu fassen und das Land gerechter zu machen.
Also ja: Man darf sich über Amerika ärgern. Man muss sich sogar sorgen. Aber man darf dieses Land auch lieben für seine Großzügigkeit, seine Kreativität, seine Weite, seine Widerspenstigkeit und seine Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden und das ist ein schöner Gedanke zum Schluss: Amerika ist nicht nur das Land der Egomanen. Es ist auch das Land der Mutigen, der Suchenden, der Erfinderinnen, der Träumer. Ein Land, das uns seit 15 Jahren immer wieder aufnimmt für einen Teil des Jahres. Und eines, von dem wir uns wünschen, dass es sich rechtzeitig daran erinnert, wie groß es sein kann, wenn es nicht mehr „Ich“ sagt, sondern wieder „Wir“.
Es ist Sommer. Voller Sonnenzeit und unbeschwerten Ferien, die auch wir nun für eine Pause nutzen. Wir melden uns Ende August zurück und wünschen Ihnen bis dahin eine wunderschöne und entspannte Zeit.
Nun gehen wir gemeinsam ins Wochenende. Mit herzlichen Grüßen,
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Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!
Mit freundlichen Grüßen
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