Dominic Ehrmann vom Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Mergentheim eröffnete eine Session zu diesem Thema beim ATTD in Barcelona mit Ergebnissen aus dem dt-report 2026. Die Zahlen lesen sich beeindruckend: Die Daten von mehr als 6.500 Menschen mit Diabetes und rund 1.000 Gesundheitsfachkräften aus acht Ländern wurden in die Auswertung einbezogen, und die Zufriedenheit mit Smart Pens ist hoch. Das spiegelt sich in einem Empfehlungsindex von 52 % wider, mit deutlichen Unterschieden zwischen den Ländern, von 19 % in Italien bis zu 59 % in Österreich.
Und doch bleibt die Nutzung von Smart-Pens überschaubar. In Deutschland liegt sie seit Jahren stabil bei etwa 5 %, ohne erkennbares Wachstum. Die Gründe sind erstaunlich bodenständig: Viele bevorzugen weiterhin vorgefüllte Pens (57 %), die Insulinauswahl ist begrenzt (54 %), und die Kosten werden als zu hoch empfunden (51 %). Auffällig ist, was kein Hindernis darstellt: fehlende Evidenz oder mangelnder klinischer Nutzen. Im Gegenteil – Funktionen wie die Erinnerung an versäumte Dosen werden von mehr als der Hälfte der Befragten als „sehr wichtig“ eingestuft.
Dass genau hier ein zentraler Hebel liegt, unterstrich Johan Jendle von der Universität Örebro. Für viele Menschen mit Diabetes ist es schlicht schwierig, im Alltag den Überblick über den richtigen Zeitpunkt der Insulingabe zu behalten. Smart Pens können hier unterstützen, indem sie verspätete oder ausgelassene Injektionen reduzieren, die Time in Range verbessern und insgesamt zu einer stabileren Glukosekontrolle beitragen.
Eine kleinere Studie mit dem NovoPen 6 zeigt, was das konkret bedeuten kann: 42 % weniger verspätete und 48 % weniger ausgelassene Bolusdosen im Verlauf. Die Richtung stimmt also. Gleichzeitig bleibt eine Lücke: Es fehlt noch an klarer Evidenz dazu, ob Smart Pens langfristig die Krankheitslast senken, Komplikationen reduzieren und auch ökonomisch überzeugen.
Dass die Technologie dennoch hinter den Erwartungen zurückbleibt, erklärte Lutz mit einem pragmatischen Blick auf den Markt. Die Prognosen für digitale Pens sind seit Jahren optimistisch, die tatsächliche Marktdurchdringung bleibt jedoch verhalten. Ein Grund: Die Systeme sind bislang meist unidirektional. Sie geben Empfehlungen, setzen diese aber nicht direkt um. Das klingt nach einem kleinen Detail, ist im Alltag jedoch ein entscheidender Unterschied.
Der Blick nach vorn richtet sich deshalb auf künstliche Intelligenz, die Dosierungsentscheidungen intelligenter, kontextbezogener und individueller machen soll. Ebenso rückt das Thema Nachhaltigkeit stärker in den Fokus – etwa durch wiederverwendbare Komponenten und ressourcenschonende Designs. Die Entwicklung geht weiter, auch wenn sie langsamer verläuft als erwartet.
Besonders interessant ist der Einsatz bei Kindern und Jugendlichen. Peter Adolfsson von der Universität Göteborg zeigte, wie Smart Pens Familien im Alltag entlasten können – durch klare, strukturierte Therapieanleitungen und Funktionen, die den richtigen Zeitpunkt der Insulingabe unterstützen. Smart Pen-Systeme – wie der InPen – kombinieren Dosierungsrechner, Erinnerungsfunktionen und die Anbindung an CGM-Daten und helfen so, Schule, Sport und Alltag besser zu koordinieren. Entsprechend deutlich fällt die Unterstützung durch aktuelle Konsenspapiere aus, die den Einsatz in der Pädiatrie ausdrücklich befürworten.
Zum Abschluss wurde mit dem MiniMed Go ein weiterer Entwicklungsschritt vorgestellt. Das System verknüpft Smart Pen, CGM-Daten und Dosierungsempfehlungen in einer Plattform und soll Nutzer „dort abholen, wo sie stehen“. Ziel ist es, Alarmmüdigkeit zu reduzieren und aus Daten tatsächlich handlungsrelevante Hinweise zu machen. Statt pauschaler Warnungen werden Kontext und bereits verabreichtes Insulin berücksichtigt – ein Ansatz, der näher an den realen Alltag heranrückt.
Fazit: Unterm Strich bleibt ein bekanntes Bild: Smart Pens funktionieren, sie werden geschätzt – und trotzdem zu wenig genutzt. Vielleicht liegt genau darin ihre größte Herausforderung. Und zugleich ihre Chance. Denn zwischen einfacher Pen-Therapie und komplexen AID-Systemen klafft weiterhin eine Lücke. Smart Pens könnten sie füllen. Sie tun es nur noch nicht.
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