Nachhaltigkeit ist ein relevantes Thema in vielen Bereichen unseres modernen Lebens – das gilt auch für die Therapie von Menschen mit Diabetes und insbesondere für die dabei eingesetzten Medizinprodukte. Im Alltag sind es häufig kleine Schritte, die dennoch einen spürbaren Einfluss haben können. Bei allen Überlegungen zur Nachhaltigkeit darf jedoch die Patientensicherheit nicht vernachlässigt werden. Medizinprodukte erfordern ein hohes Maß an Sterilität. Daher sind Verbrauchsmaterialien für Insulinpumpen – wie Reservoirs oder Infusionssets – in der Regel Einwegprodukte, was traditionell zu einem erheblichen Verpackungsaufkommen führt. Die dabei verwendeten Verbundverpackungen sind zudem häufig schwierig zu recyceln.
Die Firma mylife Diabetes Care (früher Ypsomed) ist nun einen konkreten und praktisch umsetzbaren Schritt gegangen. Im Kern geht es um die Reduktion von medizinischem Verpackungsmüll durch die smarte Wiederverwendung eines Verbrauchsmaterials für die Insulintherapie. Durch einen vergleichsweise einfachen Prozessschritt können bei Insulin-Reservoirs rund 50 % des Verpackungsmülls eingespart werden.
Eine solche Lösung bietet das sogenannte „Refill“-Konzept: Dabei wird das Insulin-Reservoir der mylife YpsoPump einmalig nach der ersten Verwendung nachgefüllt, anstatt direkt entsorgt zu werden. Hierfür kommt ein kleines Hilfsmittel zum Einsatz, ein Transferadapter, der bereits jeder Verpackung beiliegt. Dadurch entsteht kein zusätzlicher Produktions- oder Verpackungsaufwand.
Der Adapter ermöglicht ein sicheres, schnelles und unkompliziertes Nachfüllen des Reservoirs mit Insulin. Die Nutzungsdauer des Reservoirs wird dadurch schlicht verdoppelt. Aus ökologischer Sicht führt dies zu einer Einsparung von 50 % bei Primär- und Sekundärverpackungen und damit zu einer signifikanten Senkung des CO₂-Fußabdrucks pro Nutzer und Jahr.
In einer technischen Bewertung wurde gezeigt, dass das Nachfüllen keinen Einfluss auf die Sterilität hat. Untersucht wurde insbesondere, ob eine mögliche Kompromittierung der Sterilität des umgefüllten Insulins auftreten könnte.
Die Biokompatibilität gemäß ISO 10993-1 wurde im Rahmen einer Extractables-Studie nach ISO 10993-18 geprüft. Dabei wurde untersucht, ob durch die erneute Exposition des Reservoirs gegenüber Insulin zusätzliche Stoffe freigesetzt werden. Nach dem Nachfüllen wurden weder neue chemische Substanzen noch erhöhte Konzentrationen extrahierbarer Stoffe nachgewiesen.
Eine einmalige erneute Verwendung des Reservoirs stellt somit kein zusätzliches toxikologisches oder allergenes Risiko für den Patienten dar. Wichtig ist jedoch: Das Nachfüllen ist nicht beliebig oft wiederholbar. Das Reservoir darf nur einmal innerhalb von sieben Tagen nach der ersten Verwendung nachgefüllt werden. Diese zeitliche Begrenzung muss beachtet werden.
Die Nachfülloption wird seit Herbst 2025 aktiv im Markt kommuniziert. Erste Markterfahrungen, basierend auf Befragungen von mehreren Hundert Nutzern, zeigen eine gute Akzeptanz: Rund zwei Drittel der Befragten nutzen die Option. Etwa 60 % der Nutzer nannten den Umweltaspekt als größten Vorteil, was die wachsende Bedeutung dieses Themas unterstreicht. Wie bei vielen anderen Initiativen gilt auch hier: Nachhaltigkeit funktioniert besonders gut, wenn sie einfach und unkompliziert umzusetzen ist.
Das Diabetes-Team kann Anwender dieser Pumpe gezielt auf diese Option hinweisen. Eine entsprechende zusätzliche Gebrauchsanweisung (IFU) steht zur Verfügung. Diese IFU inklusive Ergänzung zur Nachfülloption liegt den Reservoirs mittlerweile bei und kann auch online auf der Website heruntergeladen werden. Bei Nutzern, die zu Beginn der Pumpentherapie eine technische Einweisung durch Produkttrainer erhalten, wird ebenfalls direkt auf diese Möglichkeit hingewiesen.
Fazit: Eine kleine Modifikation in der Handhabung einer Insulinpumpe kann zu einer signifikanten Verbesserung der Umweltbilanz führen. Abfall wird proaktiv reduziert und eine vorhandene Ressource effizienter genutzt.
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