Wenn Sie eine Sache an der Diabetesversorgung in Deutschland sofort verbessern könnten – was wäre das?
Menschen mit Diabetes sind im Alltag auf eine verlässliche und gut abgestimmte Versorgung angewiesen. Dazu gehören neben der medizinischen Betreuung auch Schulungen, Hilfsmittel, Medikamente und eine schnelle Unterstützung bei Problemen. Wie gut die Diabetesversorgung in Deutschland tatsächlich funktioniert und wo Verbesserungsbedarf besteht, wird jedoch unterschiedlich wahrgenommen.
Insgesamt haben 938 Personen die Frage beantwortet, davon waren 90,7 % Menschen mit Diabetes, 3,0 % Angehörige und 3,4 % BehandlerInnen, 51,3 % der Befragten waren Frauen. Die Teilnehmenden waren zwischen 21 und 90 Jahren alt, das mittlere Alter betrug 59,8 Jahre, 72,4 % der Menschen mit Diabetes haben Typ-1-Diabetes und 27,6 % Typ-2-Diabetes. Im Mittel leben sie seit 29,8 Jahren mit ihrem Diabetes.
Die zahlreichen Freitextantworten zeigen, dass die Teilnehmenden Verbesserungsbedarf an ganz unterschiedlichen Stellen sehen. Einige Themen wurden dabei immer wieder angesprochen, darunter bürokratische Hürden, der Zugang zu Hilfsmitteln, die Verfügbarkeit von Fachpersonal, Schulungen und psychologische Unterstützung. Gleichzeitig gibt es auch viele Stimmen, die mit ihrer aktuellen Versorgung zufrieden sind.
Weniger Bürokratie und einfacher Zugang zu Hilfsmitteln
Der Wunsch nach weniger Bürokratie zieht sich deutlich durch die Antworten. Während die Begriffe „Bürokratie“ und „bürokratisch“ sowie entsprechende Wortformen 18-mal ausdrücklich genannt wurden, thematisierten rund 115 Antworten (etwa 12 %) administrative Hürden, insbesondere im Zusammenhang mit Rezepten, Überweisungen, Genehmigungen und der Beantragung von Hilfsmitteln.
Gewünscht werden beispielsweise „Dauerrezepte, für die man nicht immer zum Arzt gehen muss“, eine „einfachere und schnellere Genehmigung“ sowie eine „vereinfachte Antragstellung bei den Krankenkassen bezüglich CGM-Sensoren und Insulinpumpen“.
Gerade bei einer chronischen Erkrankung wird nicht verstanden, warum dauerhaft benötigte Leistungen immer wieder neu beantragt werden müssen. Eine Person fordert deshalb sehr deutlich: „Stoppt diese Bürokratie!“ Eine andere Person wünscht sich, „sich nicht rechtfertigen zu müssen, wieso man bestimmte Medikamente/Hilfsmittel braucht. Wir sind darauf angewiesen und haben uns das nicht ausgesucht.“
Damit verbunden ist der Wunsch nach einem leichteren Zugang zu moderner Diabetestechnologie. Genannt werden „CGM für alle, kostenlos von der Krankenkasse“ und „Versorgung aller! Diabetiker (ohne Einschränkung) mit CGM-Systemen“ und mehr Wahlfreiheit bei Sensoren und Pumpen. Auch ein „offenes Diabetes-Ökosystem mit echter Interoperabilität zwischen Sensoren, Pumpen und Algorithmen“ wird gefordert.
Mehr Fachkräfte, bessere Erreichbarkeit und mehr Schulungen
Auch die Verfügbarkeit diabetologischer Betreuung ist ein Thema, das viele Teilnehmende beschäftigt. Gewünscht werden mehr Diabetologen und Schwerpunktpraxen, insbesondere im ländlichen Raum, sowie kürzere Wartezeiten. Eine Person beschreibt die Praxen als „durchweg hoffnungslos überlaufen“, eine andere möchte „in einem annehmbaren Zeitraum einen Termin bekommen und nicht Monate warten“.
Daneben werden mehr und regelmäßigere Schulungen gefordert. Dass diese nicht nur nach der Diagnose wichtig sind, zeigt die folgende Aussage: „Auch wenn man schon seit 13 Jahren Diabetes hat, wie ich, gibt es immer wieder Unsicherheiten.“
Mehr Diabeteskompetenz im Krankenhaus
Die Rückmeldungen zur Versorgung im Krankenhaus sind besonders eindrücklich. Mehrere Befragte wünschen sich besser geschultes medizinisches Personal, insbesondere im Umgang mit Insulinpumpen und AID-Systemen.
Eine 85-jährige Person schreibt: „Ich habe Angst davor, in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden.“ Sie berichtet, dass sie ihren Diabetes dort selbstständig regelt, da ÄrztInnen und Pflegepersonal aus ihrer Sicht nicht ausreichend mit der Pumpentherapie vertraut sind. Andere wünschen sich „in jedem Krankenhaus Ärzte und Pfleger/innen, die sich mit der Krankheit perfekt auskennen“, oder Fachkräfte, die bei Problemen mit Pumpen- und Loop-Systemen hinzugezogen werden können.
Auch die psychische Belastung gehört zur Versorgung
Einige Antworten machen deutlich, dass eine gute Diabetesversorgung über Medikamente und Technik hinausgeht. Es werden mehr psychologische und psychodiabetologische Angebote gefordert, beispielsweise „psychologische Unterstützung bei der Erstdiagnose“ oder „fachpsychologische Versorgung bzw. Hilfe für jeden Menschen mit Diabetes […], auch kurzfristig“.
Auch der Wunsch, die Herausforderungen des Diabetes stärker wahrzunehmen, kommt zum Ausdruck: „PatientInnen in ihren Alltagssituationen mit den Höhen und Tiefen mehr ernst zu nehmen.“
Versorgungssicherheit und Zufriedenheit
Ein weiteres Thema ist die zuverlässige Verfügbarkeit von Insulin, Sensoren und Pumpenzubehör. „Jedes Insulin muss immer verfügbar sein“, fordert eine Person. Eine andere Person beschreibt die Sorgen, die mögliche Engpässe auslösen: „Eine mangelnde Versorgung ist wohl für jeden Diabetiker die größte Angst überhaupt.“
Gleichzeitig zeigen die Antworten aber auch, dass viele mit ihrer persönlichen Versorgung zufrieden sind. „Für mich passt alles. Ich empfinde mich als gut versorgt bei meinen Ärzten.“ Ein anderer schreibt: „Die Diabetesversorgung, zumindest in Bezug auf meine Person, ist in Deutschland hervorragend.“ Ein weiterer Teilnehmer berichtet: „Ich selbst bin sehr gut versorgt! Daher bin ich sehr zufrieden! Ich würde mir wünschen, dass dies für alle Diabetiker zutrifft.“
Was bleibt?
Die Antworten zeigen: Viele Menschen mit Diabetes fühlen sich grundsätzlich gut versorgt. Verbesserungsbedarf sehen sie vor allem dort, wo die Versorgung unnötig kompliziert wird oder Unterstützung nicht schnell genug verfügbar ist. Im Mittelpunkt stehen dabei: Weniger Bürokratie, ein leichterer Zugang zu Hilfsmitteln und moderner Technik, ausreichend Fachpersonal, gute Schulungen sowie eine sichere Versorgung mit Medikamenten und Zubehör.
Eine gute Diabetesversorgung bedeutet aus Sicht der Befragten somit nicht nur eine gute Therapie, sondern auch, unkompliziert, verlässlich und individuell die Unterstützung zu erhalten, die im Alltag mit Diabetes benötigt wird.
Abschließend noch zur Frage des September:
Unterzuckerungen (Hypoglykämien) können im Alltag von Menschen mit Diabetes immer wieder auftreten. Um den Glucosewert rasch anzuheben, werden in der Regel schnell wirksame Kohlenhydrate empfohlen.
Was dafür tatsächlich genutzt wird, kann jedoch ganz unterschiedlich sein. Manche greifen auf klassische „Hypo-Helfer” zurück, andere haben ihre ganz persönlichen Favoriten.
Vielen Dank für Ihre Teilnahme!
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