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einfache Frage, schwierige Antwort: Was bewegt die Welt mehr – Geld oder Liebe? Sie gehören nicht derselben Ordnung an, deshalb vergleichen wir Äpfel mit Birnen. Geld ist ein Mittel und Liebe eine Beziehung. Geld lässt sich zählen, übertragen, vermehren und auch wieder verlieren, Liebe entzieht sich jeder verlässlichen Berechnung, besitzt keinen festen Kurs, keinen messbaren Ertrag und keine Garantie auf Bestand. Geld fasziniert, weil wir glauben, damit die Unübersichtlichkeit des Lebens besser beherrschen zu können, Liebe kann das nicht, ist aber eine wesentliche Grundlage menschlichen Zusammenlebens.

Geld gibt den Dingen einen Preis und macht sie damit vergleichbar. Ein Haus, eine Arbeitsstunde, ein Kunstwerk, ein Stück Land – alles kann in Zahlen übersetzt werden und das schafft Ordnung. Geld erlaubt Tausch, Planung und Entscheidung und ohne Geld wäre unsere moderne Welt kaum vorstellbar. Aber es gibt Dinge, die sich dieser Logik entziehen: Was kostet eine Stunde Lebenszeit? Was ist ein Menschenleben wert? Welchen Preis hat Vertrauen? Lässt sich verlorene Nähe ersetzen, versäumte Zeit zurückkaufen oder eine zerbrochene Freundschaft ausgleichen? Bei Fragen wie diesen endet die Macht des Geldes – und dennoch sollten wir Geld nicht geringschätzen. Armut adelt niemanden, existenzielle Unsicherheit raubt Energie, verengt den Blick und begrenzt Freiheit. Geld kann Sicherheit schaffen und Angst mindern, Geld ermöglicht, dass Menschen ihr Leben selbst gestalten können. Wer kein Geld hat, weiß ziemlich gut um seine Bedeutung.

Die schwierigere Frage lautet: Wie viel Geld ist genug? Geld kennt von sich aus kein Genug. Jeder Betrag lässt sich durch einen größeren ersetzen, jeder Besitz vermehren, jede Rendite steigern. Genau darin liegt seine Verführung. Erich Fromm hat diesen Gegensatz als den zwischen Haben und Sein beschrieben. Im Modus des Habens definieren wir uns über das, was uns gehört: Besitz, Wissen, Einfluss, Status und Verfügbarkeit. Und irgendwann behandeln wir nicht nur Häuser, Autos oder Vermögen wie Eigentum, sondern auch Beziehungen, Erfahrungen und Überzeugungen. Wir glauben, dass Geld uns das Recht gibt, andere zu besitzen.

Das Leben aber lässt sich nicht besitzen. Wer liebt, besitzt den anderen nicht. Wer denkt, besitzt nicht die Wahrheit. Und wer lebt, verfügt nicht über seine Zeit, sondern verbraucht sie unwiderruflich. Das Sein folgt einer anderen Logik und fragt nicht danach, was mir gehört, sondern: Wer bin ich? Wie begegne ich anderen? Wofür stehe ich ein? Liebe ist nicht etwas, das man hat, sondern etwas, das man tut und sie zeigt sich in Aufmerksamkeit, Fürsorge, Verantwortung und der Bereitschaft, den anderen nicht auf seinen Nutzen zu reduzieren. Während Besitz sich verwalten lässt, muss Liebe immer wieder neu gelebt werden. Geld verspricht Unabhängigkeit, Liebe schafft Bindung und verlangt, dass wir einen Teil unserer Freiheit aufgeben. Vielleicht fällt uns Geld deshalb manchmal leichter als Liebe. Geld stellt keine Fragen an unser Innerstes und verlangt weder Vergebung noch echtes Zuhören. Liebe hingegen macht verletzlich.

Für die Philosophin Hannah Arendt zeigt sich Menschsein nicht nur im Privaten, sondern überall dort, wo Menschen miteinander sprechen, handeln und eine gemeinsame Welt gestalten, eine Welt, die mehr ist als die Summe persönlicher Interessen. Sie entsteht dort, wo wir fragen: Wie wollen wir miteinander leben? Vermutlich ist dies eine der zentralen Fragen jeder Zeit und ganz besonders der unseren, in der viel die Rede ist von Märkten als zentrale Taktgeber unserer modernen Welt. Märkte, die bestimmen, was produziert, entwickelt und zunehmend auch, was als wertvoll gilt. Märkte, die verteilen, bewerten und beschleunigen, jedoch nicht entscheiden, was gerecht, würdig oder bewahrenswert ist.

Trotzdem dringt ihre Logik immer tiefer in Bereiche ein, die nach anderen Regeln funktionieren sollten. Bildung wird zur Investition, Gesundheit zum Kostenfaktor, Pflege zur Dienstleistung und Zeit zur Ressource. Patienten werden zu Kunden, Menschen zu Konsumenten und Datensätzen. Natürlich kann Geld ein Krankenhaus bauen, aber nicht darüber entscheiden, wie einem kranken Menschen dort begegnet wird. Geld kann eine Schule finanzieren, aber nicht bestimmen, welches Menschenbild dort vermittelt wird. Geld kann Kommunikation ermöglichen, aber noch lange kein Gespräch. Liebe bewegt die Welt auf eine andere Weise: durch Bedeutung. Sie bringt Menschen dazu, Kinder großzuziehen, Kranke zu begleiten, Freundschaften zu bewahren und Verantwortung für Menschen zu übernehmen, die ihnen vielleicht niemals etwas zurückgeben können. Also, was brauchen wir mehr Geld oder Liebe?

Wir brauchen beides: die materielle Sicherheit und die menschliche Verbundenheit. Wo alles nur noch nach Nutzen, Effizienz und Rendite bewertet wird, schrumpft die Welt. Und die Liebe allein, auch wenn man in alten Zeiten angeblich von ihr und der Luft leben konnte, hat noch niemanden satt gemacht.

Die Themen der Woche: Es gibt aktuelle Ergebnisse zur Frage des Monats August: Was müsste sich in der Diabetesversorgung verbessern? Außerdem stellen wir ein neues internationales Konsensus-Paper zum Einsatz von Diabetes-Technologie in der Schwangerschaft vor und zum Schluss geht es um die American Diabetes Association: Nach dem Eklat im Sommer, als renommierte Wissenschaftler den Kongress verlassen mussten, werden nun offen Rücktritte in der ADA-Führungsebene gefordert. Auf geht’s!

Es gibt aktuelle Ergebnisse zur Frage des Monats, die sich aktuellen politischen, versorgungs- oder behandlungsbezogenen Diabetesthemen widmet. Wie die dia·link-Community die Frage beantwortet hat, können Sie jeweils im Folgemonat in Ihrem Newsbereich einsehen. Hier geht es zu den Ergebnissen und das war die

Frage des Monats August:

Wenn Sie eine Sache an der Diabetesversorgung in Deutschland sofort verbessern könnten – was wäre das?

Menschen mit Diabetes sind im Alltag auf eine verlässliche und gut abgestimmte Versorgung angewiesen. Dazu gehören neben der medizinischen Betreuung auch Schulungen, Hilfsmittel, Medikamente und eine schnelle Unterstützung bei Problemen. Wie gut die Diabetesversorgung in Deutschland tatsächlich funktioniert und wo Verbesserungsbedarf besteht, wird jedoch unterschiedlich wahrgenommen.

CGM und AID sind aus der modernen Diabetesbehandlung kaum noch wegzudenken, darüber haben wir im weekly immer wieder berichtet. In der Schwangerschaft allerdings gelten andere, ja stärkere Regeln: Die Glucose-Ziele sind enger, der Insulinbedarf verändert sich teilweise innerhalb kurzer Zeit und jede Abweichung kann Auswirkungen auf Mutter und Kind haben. Ein neuer internationaler Konsensus gibt nun erstmals umfassende Empfehlungen dazu, wie moderne Diabetes-Technologien vor, während und unmittelbar nach einer Schwangerschaft sinnvoll eingesetzt werden können:

Neuer internationaler Konsens zu Diabetes-Technologien in der Schwangerschaft

Veröffentlicht wurde das Konsensuspapier im Februar 2026 in The Lancet Diabetes & Endocrinology. Unter der Leitung von Katrien Benhalima aus Belgien erarbeitete ein internationales Expertenteam Empfehlungen zum Einsatz von kontinuierlichem Glucosemonitoring (CGM) und automatisierter Insulindosierung (AID) bei Frauen mit Typ-1-, Typ-2- oder Gestationsdiabetes. Das Papier wird von 24 internationalen Fachgesellschaften und Organisationen unterstützt.

Bei der American Diabetes Association (ADA) kommt keine Ruhe auf. Was Anfang Juni bei den Scientific Sessions in New Orleans mit dem Ausschluss von fünf renommierten Wissenschaftlern begann, hat sich inzwischen zu einer handfesten Vertrauens- und Führungskrise entwickelt. Nun fordern zahlreiche Mitglieder offen personelle Konsequenzen an der Spitze der weltweit einflussreichsten Diabetes-Fachgesellschaft:

Forderung nach Rücktritt der ADA-Führung

Im Zentrum der Kritik stehen ADA-CEO Charles „Chuck“ Henderson und die Chief Scientific and Medical Officer Rita Kalyani. In einer Petition wird ihr Rücktritt gefordert, initiiert von fünf bekannten Persönlichkeiten der Diabetologie: Michael Haller, Irl Hirsch, Rayhan Lal, Lori Laffel und Anne Peters, die ihren Aufruf „im Namen der New Orleans Five und aller ADA-Mitglieder, die sich weigern, den Status quo zu akzeptieren“ veröffentlichten.

Das Bild der Woche

Einer der etwa  40.000 Schwarzbären in Kalifornien, der eine gute Abkühlung in einem privaten Pool gefunden hat. Hauptsache, er will nicht gleich einziehen

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Zum Schluss noch wie immer das Letzte

Während wir noch darüber nachdenken, ob nun Geld oder Liebe die Welt bewegt, liefert uns die künstliche Intelligenz in diesen Tagen reichlich Stoff für beides. Der Cyberangriff autonomer KI-Agenten von OpenAI auf andere Systeme sorgt weiterhin für Fassungslosigkeit und die Technologiebranche erlebt an den Börsen unruhige Zeiten. Die KI kann inzwischen offenbar nicht nur Texte schreiben, Diagnosen unterstützen und Unternehmen effizienter machen, sondern auch auf ziemlich eigenwillige Ideen kommen.

Woran können wir uns da noch festhalten? Natürlich an der Liebe. Und auch dabei hilft inzwischen – wer hätte es gedacht – die KI. In Tokio macht eine von der Stadt unterstützte Dating-App Schlagzeilen, die Menschen nicht einfach nur nach einem schnellen Wisch nach links oder rechts zusammenbringt. Wer mitmachen möchte, muss es ernst meinen, sich registrieren und verifizieren lassen und Fragen zu Persönlichkeit, Werten, Lebensstil und Vorstellungen von Partnerschaft beantworten. Ein Algorithmus sucht anschließend nach möglichst passenden Partnern – und das offenbar nicht erfolglos: Die hohen Übereinstimmungsraten sollen inzwischen zu 265 Eheschließungen geführt haben.

Hinter dem ungewöhnlichen staatlichen Verkupplungsversuch steckt allerdings ein ernstes Problem: Die Menschen in Japan werden immer älter, immer weniger heiraten und die Geburtenrate ist auf einem sehr niedrigen Stand. Tokio versucht deshalb, der Liebe ein wenig auf die Sprünge zu helfen – nun eben mit künstlicher Intelligenz. Ob ein Algorithmus tatsächlich weiß, wer zu wem passt, sei dahingestellt. Vielleicht kann er Interessen, Lebensentwürfe und Gewohnheiten besser miteinander abgleichen als die Zufallsbekanntschaft in einer Bar. Ob es dann aber wirklich Liebe wird, entscheidet sich wohl weiterhin jenseits aller Datenpunkte.

Die KI kann uns inzwischen vieles abnehmen und nun sogar die Suche nach einem Partner. Verlieben aber müssen wir uns vorerst noch selbst.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein wunderbares Wochenende mit möglichst wenig Cyberangriffen, stabilen Kursen und vor allem mit genügend lieben Menschen, für die es keinen Algorithmus braucht.

Es grüßen herzlich,

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Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!

Mit freundlichen Grüßen