Eine aktuell in „The Lancet Diabetes & Endocrinology“ publiziertes Positionspapier zum kontinuierlichen Monitoring von Ketonkörpern (CKM) zeigt, dass sich diese neue Option grundsätzlich effektiv in die Praxis einführen lässt [1]. Die Publikation basiert auf Empfehlungen für den gezielten Einsatz von CKM bei Menschen mit Typ-1-Diabetes (T1D), insbesondere bei erhöhtem Risiko für eine diabetische Ketoazidose (DKA). Die Empfehlungen wurden im Rahmen eines Workshops im März 2025 erarbeitet, der von „Breakthrough T1D“ organisiert wurde.
Die Leitlinien formulieren klare Mindestanforderungen an CKM-Systeme in Bezug auf Genauigkeit und Leistungsfähigkeit entsprechend den regulatorischen Vorgaben. Dazu gehört auch die verlässliche Abbildung unterschiedlicher Dynamiken der Ketonkörper-Entwicklung, etwa durch Trendpfeile, die Veränderungsraten von 0,4 mmol/l pro Stunde anzeigen.
Für die Bewertung der Ketonkonzentration werden folgende Schwellenwerte vorgeschlagen:
Normal <0,6 mmol/l, erhöht 0,6 bis 1,5 mmol/l, hoch >1,5 bis <3,0 mmol/l und dringend hoch ≥3,0 mmol/l. Vor dem Hintergrund möglicher Alarmmüdigkeit wird empfohlen, Alarme erst bei Werten ≥3,0 mmol/l auszulösen.
Zusätzlich sollten alle Anwender eines CKM-Systems über ein Blutmessgerät zur Keton-Bestimmung verfügen, um Messwerte zu überprüfen, wenn klinische Symptome nicht mit den angezeigten Werten übereinstimmen. Ebenso zentral ist eine strukturierte Schulung, damit Betroffene erhöhte Ketonwerte richtig einordnen und angemessen reagieren können.
Bestimmte Patientengruppen haben ein besonders hohes Risiko für eine DKA und könnten daher besonders von CKM profitieren. Dazu zählen unter anderem Insulinpumpennutzer mit potenziellen Problemen an der Infusionsstelle oder Infusionsset, Menschen mit T1D und Begleiterkrankungen wie chronischer Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung sowie schwangere Frauen mit bestehendem Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes.
Zum Hintergrund: Ist im Körper nicht ausreichend Insulin vorhanden, kann Glukose nicht mehr effektiv als Energiequelle genutzt werden. Der Organismus greift dann auf Fett als alternativen Brennstoff zurück, was zu einer vermehrten Bildung von Ketonkörpern führt. Steigen diese stark an, kann sich eine DKA entwickeln – ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand, der eine sofortige medizinische Behandlung erfordert. Nicht selten wird ein T1D erst im Rahmen einer solchen Stoffwechselentgleisung diagnostiziert. Aber auch bei bekannten Patienten kann es, etwa im Rahmen von Infektionen, zu einer DKA kommen. Derzeit erfolgt die Ketonmessung überwiegend über Blut- oder Urintests. Allerdings zeigen Umfragen, dass diese im Alltag nur unregelmäßig genutzt werden, während die DKA-Raten weiterhin hoch bleiben.
Vor diesem Hintergrund erscheint CKM als vielversprechender Ansatz. Ein erstes System von Abbott soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Analog zu CGM-Systemen misst es kontinuierlich die Ketonkörper-Konzentration und warnt bei kritischen Entwicklungen in Echtzeit. Mehrere Unternehmen, darunter Tandem, Beta Bionics, Sequel Med Tech und Ypsomed, planen bereits, diese Technologie künftig in ihre AID-Systeme zu integrieren. Sibionics bietet ebenfalls ein CKM-System an, allerdings derzeit lediglich als Wellness-Produkt, ohne medizinische Zulassung.
Die amerikanische Stiftung „Breakthrough T1D“ unterstützt die Entwicklung von CKM-Systemen gezielt, um Menschen mit T1D besser vor den Risiken einer DKA zu schützen. Gleichzeitig werden Forschungsprojekte gefördert, die klären sollen, welchen Beitrag CKM zur Prävention, zum besseren Verständnis der Erkrankung und zur Analyse klinisch relevanter Muster leisten kann. Ziel ist es, die Evidenzbasis für den Einsatz dieser Technologie rasch zu erweitern und damit eine Grundlage für regulatorische Entscheidungen und Fragen der Kostenerstattung zu schaffen.
Fazit: Welche konkrete Rolle CKM künftig im Versorgungsalltag spielen wird, ist noch offen. Vieles spricht jedoch dafür, dass diese Technologie das Management des Typ-1-Diabetes sinnvoll ergänzen und insbesondere zur Reduktion von DKA-Risiken beitragen kann.
- Dhatariya K, Bergenstal RM, Al-Sofiani M, Albanese-O’Neill A, Battelino T, Close K, et al. Continuous ketone monitoring for people with diabetes: international expert recommendations on the application of a new technology. The Lancet Diabetes & Endocrinology. 2026;14(1):82–92. doi: 10.1016/S2213-8587(25)00331-6.
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