Die Diskussion um GLP-1-Rezeptor-Agonisten wird meistens medizinisch geführt: Wir sprechen über Gewichtsreduktion, kardiovaskuläre Effekte und neue therapeutische Horizonte. Seltener geht es um eine nüchterne, aber ebenso relevante Frage: Was kosten diese Therapien eigentlich das Solidarsystem?
Eine Annäherung liefert eine Auswertung der öffentlich zugänglichen Datenbank des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, dem PharMaAnalyst-Portal. Dort liegen aktuell die Abrechnungszahlen für das Jahr 2024 vor; die Daten für 2025 werden voraussichtlich erst Mitte oder Ende dieses Jahres verfügbar sein. Für 2024 ergeben sich folgende Nettokosten zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung:
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Produkt |
Kosten in Mio. € |
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Mounjaro |
292,4 |
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Ozempic |
272,9 |
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Trulicity |
244,2 |
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Victoza |
56,4 |
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Bydureon |
59,7 |
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Byetta |
27,3 |
Gesamtkosten: rund 952,8 Mio. €
(ohne Saxenda und Wegovy, die in dieser Datenbank nicht gelistet sind)
Wichtig zur Einordnung: Diese Summen entsprechen den „Nettokosten“ für die GKV. Vom Bruttoumsatz wurden die gesetzlich vorgeschriebenen Hersteller- und Apothekenrabatte bereits abgezogen. Enthalten bleiben jedoch Umsatzsteuer und Eigenanteile der Versicherten. Individuelle Rabattverträge einzelner Krankenkassen mit Pharmaunternehmen werden in dieser Berechnung nicht berücksichtigt, die tatsächlichen Kosten können also im Einzelfall niedriger liegen. In welchem Ausmaß Menschen solche Medikamente privat gekauft haben, entzieht sich solch einer Abschätzung.
Fazit: Bereits 2024 lagen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für GLP-1-Rezeptor-Agonisten nahe an der Milliardenmarke. Für 2025 ist eher von einem weiteren Anstieg auszugehen. Gleichzeitig bleibt die Dynamik dieses Marktes schwer vorhersehbar: Ein erheblicher Anteil der Anwender beendet die Therapie innerhalb des ersten Jahres, während parallel neue Wirkstoffe mit noch stärkerer Gewichtsreduktion und günstigerem Einfluss auf die Körperzusammensetzung in Entwicklung oder Zulassung sind.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich hier ein kurzfristiger Hype oder eine dauerhafte strukturelle Verschiebung in der Arzneimittelversorgung abzeichnet. Sicher ist nur: Die ökonomische Dimension dieser Therapien wird die gesundheitspolitische Debatte weiter begleiten.
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