Herzlich willkommen beim diatec weekly,
echt jetzt? Das hören wir Sie buchstäblich sagen! Muss sich der weekly nun auch noch mit dieser unappetitlichen Affäre beschäftigen? Wir haben lange gezögert, ob wir das Thema überhaupt aufgreifen sollen. Weil wir aber hier im Intro über Dinge schreiben, die uns bewegen, und weil wir sie verstehen wollen und weil uns diese Geschichte ebenso bewegt für vielleicht den halben Rest der Welt, wenn auch mit einem etwas anderen Hintergrund, lautet die eigentliche Frage für uns nicht, wer wann wo und warum gewesen ist und was er dort getan hat, sondern: Wie konnte ein solches System überhaupt existieren und so lange funktionieren?
Diese Geschichte ist weniger ein Kriminalfall als eine Studie über Macht und über die Power von Netzwerken, die über Vertrauen funktionieren. Über das menschliche Bedürfnis, dazugehören zu wollen, und über die erstaunliche Elastizität moralischer Grenzen, sobald Nähe zu Einfluss ins Spiel kommt. Epstein war kein Staatsoberhaupt, kein Konzernchef, kein offiziell legitimierter Machtträger. Sein Einfluss war sozialer Natur. Er war ein Knotenpunkt, ein Gastgeber, ein Türöffner. Ein Mann, der Räume schuf, in denen sich Reichtum, Prominenz und politischer Einfluss begegneten. Solche Räume sind magnetisch. Sie versprechen Zugang und genau dieser Zugang ist die eigentliche Währung der Eliten.
Wer sich in diesen Kreisen bewegt, bewegt sich nicht aus krimineller Motivation, sondern weil man dazugehören will. Weil man glaubt, dass dort Ideen, Geschäfte und Allianzen entstehen. Weil Nähe zu Macht ein Gefühl von Bedeutung erzeugt und weil die sexuelle Komponente mit offenbar grenzüberschreitenden Optionen zusätzlich ein wohliges Schauern bei den Akteuren erzeugt. Psychologisch ist das kein Randphänomen, sondern zutiefst menschlich, soziale Hierarchien üben seit jeher eine enorme Anziehungskraft aus.
Gerade hochintelligente, erfolgreiche Menschen sind dafür nicht immun, im Gegenteil. Wer gewohnt ist, Probleme zu lösen, Regeln zu biegen und Realitäten zu gestalten, glaubt schnell, auch moralisch über den Dingen zu stehen. Nicht aus Bosheit, sondern aus Gewöhnung an Einfluss. Man ist eingeladen. Man kennt sich. Man vertraut darauf, dass „die anderen“ schon wissen, was sie tun. Verantwortung verteilt sich und verdünnt sich dabei. So entstehen Zonen des kollektiven Wegsehens. Und des Versteckens – unsere Überschrift beschreibt ja genau die Kultur, in der Verbergen zur sozialen Kompetenz geworden ist.
Die Psychologie dahinter ist gut dokumentiert: Menschen passen ihre Wahrnehmung an ihr Umfeld an. Wenn niemand widerspricht, wird das Ungewöhnliche normal. Wenn alle lachen, wirkt selbst das Fragwürdige gesellschaftsfähig, das kennen wir noch von den schlüpfrigen Witzen aus den 60ern, die heute kaum noch jemand erzählt. Machtumfelder erzeugen eigene Wirklichkeiten und je exklusiver der Kreis, desto stärker die Selbstbestätigung. Kritik bleibt außen vor, Zweifel werden weggedrückt und irgendwann stellt niemand mehr die Frage: Sollte ich hier eigentlich sein?
Dass bekannte Namen aus Wirtschaft, Technologie, Politik und sogar aus Königshäusern in solchen Kontexten auftauchen, ist deshalb weniger überraschend als viel mehr beunruhigend. Nicht weil sie automatisch schuldig wären, Nähe ist kein Beweis. Sondern weil es zeigt, wie durchlässig moralische Schutzmechanismen werden, wenn die soziale Belohnung groß genug ist. Hinzu kommt ein struktureller Faktor: Eliten kontrollieren oft ihre eigenen Räume. Sie bewegen sich in privaten Sphären, auf privaten Inseln und privaten Flugzeugen, in Villen, auf Konferenzen hinter verschlossenen Türen. Öffentlichkeit entsteht dort nur, wenn jemand sie erzwingt. Solange Systeme in sich geschlossen bleiben, fehlt das Korrektiv. Transparenz ist deshalb kein natürlicher Zustand von Macht, sondern muss aktiv hergestellt werden.
Die Epstein-Affäre wirkt wie ein Brennglas, das nicht nur individuelle Abgründe zeigt, sondern eine Architektur des Wegsehens, die überall dort entstehen kann, wo Einfluss, Bewunderung und soziale Abhängigkeit zusammentreffen. Sie erinnert daran, dass moralisches Versagen selten mit einem Paukenschlag beginnt, sondern leise und mit kleinen Zugeständnissen. Mit rationalisierten Entscheidungen. Mit dem beruhigenden Satz: Das wird schon seine Ordnung haben.
Vielleicht ist das Unheimlichste an dieser Geschichte nicht das Spektakuläre, sondern das Vertraute. Die Mechanismen sind dieselben, die in Unternehmen, Institutionen und Gesellschaften wirken. Menschen orientieren sich immer an ihrem Umfeld. Sie wollen dazugehören. Sie vermeiden Konflikte. Und sie überschätzen regelmäßig ihre eigene Unabhängigkeit. Die Affäre ist deshalb weniger ein Blick in eine fremde Welt als ein Blick in den Spiegel, der zeigt, wie fragil moralische Gewissheit wird, wenn Status, Nähe und Macht ins Spiel kommen. Und sie stellt eine unbequeme Frage, die über jede einzelne Person hinausgeht: Wer hätte es gewagt zu widersprechen – und wann?
„Epstein, Epstein, alles muss versteckt sein“ klingt wie der alte Kinderreim zum Versteck-Spiel und genau darin liegt das Unheimliche: Verstecken wirkt so lange harmlos, bis man merkt, wie systematisch es geworden ist. Eine Gesellschaft misst sich nicht daran, dass sie keine Skandale hat, sondern daran, wie schnell sie lernt, Räume zu schaffen, in denen Widerspruch möglich bleibt. Und eine reife Gesellschaft erkennt man daran, dass selbst die Mächtigen nicht vor Fragen geschützt sind. Das wäre doch mal ein gutes Ziel!
Unsere Beiträge in dieser Woche sind ein Rückblick auf die diatec 2026 mit dem Hackathon, der parallel zu diatec stattfand, dann gibt’s aktuelle Ergebnisse zur Frage des Monats und zum Schluss stellen wir einen jungen Mann vor, den wir beim t1day kennengelernt haben und der einen wunderbaren YouTube-Kanal hat. Auf geht’s!
Es war wieder ein Familientreffen, die diatec 2026 und wir sind immer noch ganz beseelt von den gemeinsamen Tagen in Berlin. In den kommenden Tagen werden alle Vorträge online stehen, damit man sich das eine oder andere nochmals in Ruhe anschauen kann, alle Teilnehmer erhalten dazu eine Mail mit den Zugangsdaten. Hier und heute haben wir einen ersten Überblick zum:
Familientreffen mit Zukunft
Same procedure as every year? Ja und Nein! Die Rede ist von der diatec, die gerade zum 15. Mal in Berlin stattgefunden hat – und das wurde gebührend gefeiert. Mit allem, was dazugehört: ein starkes Programm mit hochkarätigen Referenten, Aufbruchstimmung für Technologie, ausgelassenes Tanzen am Freitagabend zum DJ-Set – und insgesamt eine Atmosphäre, die man nur als elektrisierend beschreiben kann. „Familientreffen“ war das Wort, das immer wieder fiel. Und genauso fühlte es sich an: ein Zusammentreffen einer Großfamilie, neudeutsch Clan, mit einem Universum aus Bildern und Dynamiken, mit einem Stimmengewirr zwischen Wiedersehensfreude und Erfahrungsaustausch, mit einem Tisch, der eigentlich zu klein ist und an dem trotzdem alle Platz finden. Und mit einem beruhigenden Gefühl: Es gibt eine Zukunft für uns.
Es gibt wieder aktuelle Ergebnisse zur Frage des Monats, sie erinnern sich? Die Frage des Monats widmet sich aktuellen politischen, versorgungs- oder behandlungsbezogenen Diabetesthemen. Wie die dia·link-Community die Frage beantwortet hat, können Sie jeweils im Folgemonat in Ihrem Newsbereich einsehen. Hier geht es zu den Ergebnissen der Frage des Monats Januar und das war die Frage des Monats Januar:
» Was gibt Ihnen Hoffnung im Umgang mit Diabetes?«
In den sozialen Medien sind wir auf die Frage gestoßen, was Menschen im Umgang mit Diabetes Hoffnung gibt. Diese Fragestellung hat uns angesprochen und inspiriert, sie auch an unsere Community weiterzugeben, um unterschiedliche Perspektiven von Menschen mit Diabetes, ihren Angehörigen und BehandlerInnen sichtbar zu machen.
Alexander Kikelj hat seit 27 Jahren Diabetes. Seit 2008 trägt er eine Insulinpumpe und seit 2019 ist er ein DIY Looper. In der Szene ist er bekannt, weil er seit 2020 einen YouTube-Kanal hat und dort Videos zum Thema DIY Looping mit dem Android APS-System postet, um Menschen mit Diabetes zu unterstützen. Seinen Kanal nennt er Sandy’s Diabetes Loop und hier möchte er sich gerne selbst vorstellen:
Sandy‘s Diabetes Loop – gelebte Diabetes-Technologie zwischen Alltag, Barrierefreiheit und Community
Hallo, ich bin Sandy (gesprochen Sandi). Ich mache meinen YouTube-Kanal mittlerweile seit über 5 Jahren und helfe Menschen im Umgang mit der Technik und den Alternativen, wie man sie für sich sinnvoll nutzen kann:
Seit über 29 Jahren lebe ich mit Typ-1-Diabetes. Aus dieser persönlichen Erfahrung heraus habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, moderne Diabetes-Technologien verständlich, praxisnah und barrierefrei zugänglich zu machen – insbesondere für Menschen mit Sehbehinderung, aber auch für alle, die sich aktiv mit automatisierter Insulintherapie beschäftigen möchten.
Das Bild der Woche

Aktuelle Marktzahlen von Kelly: CGM triggert die Versorgung im Diabetes Care-Bereich, während die Bedeutung von Blutzuckerselbstmessung kontinuierlich abnimmt.
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Zum Schluss noch wie immer das Letzte…
Früher brauchte man für ein Schulungsvideo ein Kamerateam, Licht, Maske, einen nervösen Sprecher und mindestens drei Tage Geduld. Heute braucht man nur noch Text und einen Avatar, der besser aussieht als man selbst. Willkommen im Zeitalter von Synthesia, einem britischen KI-Unternehmen. Das Londoner Start-up produziert Videos mit KI-Moderatoren, die nie heiser werden, nie Urlaub brauchen und in 140 Sprachen sprechen. Mehr als 200 digitale Schauspieler stehen bereit, geschniegelt, freundlich und jederzeit verfügbar. Synthesia behauptet, ein Video in fünf Minuten erstellen zu können. Fünf Minuten! Das ist kürzer als die Diskussion darüber, welches die richtigen Kabel sind.
Einer der ersten Großkunden war der Fast-Food-Konzern McDonald’s. Man brauchte Schulungsvideos für Mitarbeitende auf der ganzen Welt. Früher hätte man dafür wochenlang gedreht. Heute tippt man ein Skript ein und bekommt ein fertiges Video zurück. Die Fritteuse lernt global in Echtzeit.
Möglich wurde das durch Forschung, die auch aus Deutschland stammt. Der Informatiker Matthias Nießner aus München entwickelte eine Software, die Gesichter in Videos in Echtzeit animieren kann. Sein Paper „Face2Face“ schlug ein wie ein Meteorit – plötzlich konnte ein Mensch in seiner Sprache sprechen und ein anderer bewegte seinen Mund dazu. Nun spricht David Beckham neun Sprachen perfekt, sehen Sie hier:
Synthesia ist inzwischen vier Milliarden Dollar wert und die Gründer sind Milliardäre. Und irgendwo sitzt vermutlich ein arbeitsloser Greenscreen und fragt sich, was schiefgelaufen ist. Videoproduktion kostet irgendwann praktisch nichts mehr, jeder kann sein eigenes kleines Filmstudio besitzen. Hollywood im Wohnzimmer. Schulungsvideo heute, Vorträge morgen und übermorgen vielleicht sogar den Oscar? Bleibt nur eine Frage: Wenn unsere Avatare künftig Vorträge halten, Schulungen geben und vielleicht sogar Meetings besuchen – dürfen wir dann selbst zu Hause bleiben? Schöne neue Welt!
Das war’s wieder für die Woche. Wir hoffen, unsere Freitagsgedanken haben Ihnen gefallen, schließen möchten wir angesichts der verstörenden Ereignisse jenseits des Atlantiks mit einem Satz der 22-jährigen Sängerin Billy Eilish bei der diesjährigen Grammy-Verleihung, der uns gut gefallen hat: „Nobody is illegal in a stolen country!“
Manchmal muss man sich das eine oder andere nochmal in Erinnerung rufen. Bleiben Sie entspannt und genießen Sie Ihr Wochenende,
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Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!
Mit freundlichen Grüßen
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