Herzlich willkommen bei diatec weekly,
ein neues Jahr ist ein Anfang, auch wenn es im Prinzip nur die Gegenwart fortschreibt. Und doch beginnt mit jedem neuen Jahr etwas Eigenartiges, ein leiser Zauber, der nicht laut, aber spürbar ist.
Wir haben uns neben einem guten Rutsch hinein in das Jahr vor allem Glück gewünscht. Ist es aber eine Frage des Glücks ist, ob das neue Jahr ein erfolgreiches werden wird? Anders gefragt: Leben wir nicht bereits im Glück, zumindest viele von uns in einem Land wie dem unseren? Interessanterweise bewerten viele Menschen in Deutschland ihre eigene Zukunft durchaus positiv, während sie gleichzeitig die Zukunft unseres Landes als negativ einschätzen. Das hat viele Gründe. Einer davon ist, dass unsere eigenen Zukunftsträume eher bodenständig und greifbar sind, während für das Land oder die Gesellschaft ein großes gemeinsames Bild fehlt. Eines, das zeigt, wo wir als Gesellschaft in zehn oder zwanzig Jahren stehen wollen und welche Ideen von Fortschritt und von einem guten Leben uns antreiben.
Nun ist die Zukunft auch nicht mehr das, was sie mal war! Außerdem wird sie immer weniger, wenn man in unserem Alter angekommen ist. Viele der politischen Entscheidungen werden wir wohl nicht mehr erleben. Die alte Zukunft aber mit ihrem Wohlstand, ihrer Stabilität und dem gewohnten stetigen Wachstum bröckelt, auch deshalb, weil wir vieles davon bereits erreicht haben. Was soll da noch kommen? Mit Beginn des neuen Jahrtausends befinden wir uns auf einem konstant-komfortablen Level, aber ein Flugzeug im Gleitflug sinkt trotzdem und wird irgendwann aufschlagen. Stillstand ist also keine Option.
Die Frage lautet auch nicht, ob wir uns bewegen, sondern wie und wohin. Andere Länder scheinen offensive Antworten auf diese Frage zu finden. China beispielsweise gilt als eines der optimistischsten Länder der Welt – das war durchaus mal anders. Auch Spanien, Litauen oder sogar Saudi-Arabien blicken erstaunlich zuversichtlich nach vorn und haben Zukunftsstrategien entwickelt. Finnland, obwohl es mit einer gefährlichen Nachbarschaft lebt, leuchtet sogar irgendwie von innen und seine Bewohner gelten als die glücklichsten Europas. Zukunft ist keine diffuse Bedrohung, sondern etwas, das gemeinsam gestaltet wird, mit klaren Zielen, Zuständigkeiten und einem hohen Maß an Selbstwirksamkeit. Was alle diese Länder eint, ist eine Zukunftsstrategie. Sie haben Pläne und Ziele für ihre Zukunft und die sind offengelegt und für Jederfrau einsehbar.
Warum haben wir keine Zukunftsbeauftragten? Deutschland glaubt, es reicht in einer liberalen Demokratie, wenn wir alle vier Jahre mal wählen dürfen, nach dem Motto neues Spiel, neues Glück. Auch macht sich das Land gern kleiner, als es ist, vor allem im europäischen Kontext. Vielleicht aus Vorsicht, vielleicht auch, um sagen zu können: Wir haben’s ja kommen sehen. Wir denken viel zu oft darüber nach, was alles passieren könnte, statt uns zu fragen, was wir konkret und prophylaktisch dagegen tun können. Die Amerikaner sprechen sogar offen von der „German Angst“.
Irgendwie haben wir auf dem Weg aus der gemütlichen Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft unsere Selbstwirksamkeit verloren. Selbstwirksamkeit entsteht aber nur im Handeln, im Üben, auch im Scheitern und im gemeinsamen Vorbereitet-sein – und nicht erst im Krisenfall. Bestes Beispiel aktuell: Der Berliner Stromausfall. Es war lange bekannt, wie fragil unsere Infrastruktur ist.
Dabei leben wir in einer Zeit, in der es objektiv vielen Menschen besser geht als früheren Generationen. Überhaupt gab es nie eine Zeit, in der es tatsächlich besser war, nur unser Glücksanspruch ist gestiegen und damit auch die Angst, etwas zu verlieren. Vielleicht erklärt das einen Teil unseres Pessimismus. Vielleicht spielt auch unsere Größe eine Rolle: Kleinere Länder wirken oft familiärer und verbindlicher, sowohl gegenüber ihren Mitmenschen als auch gegenüber dem Staat. Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Grundton bei uns, der den Pessimismus geradezu kultiviert. Skepsis gilt als klug, Zuversicht als naiv. Besonders im intellektuellen Milieu ist Zukunftsskepsis fast schon schick. Doch wer glaubt, dass alles immer schlimmer wird, müsste längst den Untergang erlebt haben. Haben wir aber nicht.
Wie immer hilft ein Blick auf die Fakten. Es gibt ein spannendes Buch mit dem Titel Factfulness von Hans Rosling, einem schwedischen Arzt und Professor für internationale Gesundheit. Rosling ist ein Daten-Visionär, der mit Hilfe von Daten, Beispielen und überraschenden Einsichten Denkfallen aufdeckt und Wege vorstellt, wie wir die Welt faktenbasiert und realistischer sehen können. Factfulness ist kein Selbstoptimierungsbuch im klassischen Sinn, sondern ein Denk- und Perspektivbuch, das hilft, die eigenen Vorurteile und kognitiven Fallen zu erkennen. (Verlag Ullstein, ISBN-13: 978-3-548-06041-5)
Zurück also zur Zukunft, denn sie ist vor allem eines: ein Gefühl. Wer immer wieder die Erfahrung macht, sich aus seiner Komfortzone hinauszubewegen und ein Stückchen weiterzugehen und noch ein wenig mehr zu wagen, entwickelt Vertrauen in die eigene Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen. Zukunft ist die Geschichte, die wir uns heute erzählen, damit das Morgen möglich wird. Machen wir sie groß, zuversichtlich, pragmatisch mit einer guten Geschichte über das Morgen!
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen für dieses Jahr und für Ihre persönliche Zukunft mehr Optimismus, mehr Zuversicht und mehr Selbstwirksamkeit. Und uns allen mehr Gelassenheit im Umgang mit Problemen und der nicht ganz einfachen Weltlage.
Nun sind es nur noch zwei Wochen bis zur diatec in Berlin. Wir haben wieder ein spannendes und vielfältiges Programm erstellt und freuen uns auf Euch. Wer sich noch nicht angemeldet hat, aber gerne nach Berlin kommen möchte, es gibt noch einige wenige Plätze vor Ort. Die virtuelle Teilnahme ist natürlich immer möglich.
Bevor wir nun in die Themen der Woche einsteigen, möchten wir noch auf eine aktuelle Folge der „Candy Diaries“ aufmerksam machen, denn nun ist tatsächlich der Podcast, der im letzten Jahr live auf der Bühne bei diatec 2025 von Stephan Seiler und Laura Karasek aufgenommen wurde, überall dort, wo es Podcasts gibt, erhältlich.

Bei den Themen der Woche haben wir einen sehr langen Beitrag zu den aktualisierten ADA-Leitlinien (American Diabetes Association) zu deren Standards of Care, gefolgt von einem nicht ganz so langen Beitrag zu einem vernachlässigten Laborwert, der gerade eine Renaissance erlebt – die Rede ist vom C-Peptid. Auf geht’s!
Mitte Dezember eines jeden Jahres erscheint seit dem Jahr 1988 ein beachtlich dickes Heft der American Diabetes Association (ADA) mit aktualisierten Leitlinien, die eine Reihe von Themen bei der Diabetes-Therapie betreffen (Volume 49 Issue Supplement_1 | Diabetes Care | American Diabetes Association (https://diabetesjournals.org/care/issue/49/Supplement_1)). Sie werden als Standards of Care (SoC) bezeichnet und beziehen sich auf die jeweils aktuelle Evidenz, die von amerikanischen Kollegen des entsprechenden Fachausschusses ermittelt werden. Im Hinblick auf die aktuelle deutsche Situation, wo es immer häufiger zu Ablehnungen von CGM-Systemen seitens der Kostenträger kommt, lohnt sich ein Blick auf die:
Aktualisierten ADA-Leitlinien für 2026 aus einem deutschem Blickwinkel
Eine vollständige Liste der US-amerikanischen Kolleginnen und Kollegen des zuständigen ADA-Fachausschusses, die diese Leitlinien jährlich unter Berücksichtigung der aktuellen Evidenz aktualisieren, findet sich am Ende der Einleitung der SoC. Hervorzuheben dabei ist, dass sich die SoC konsequent an der jeweils verfügbaren Evidenzlage orientieren, und besonders bemerkenswert ist, dass diese zeitintensive Arbeit neben den klinischen Verpflichtungen der Beteiligten geleistet wird.
Seit einiger Zeit rückt das C-Peptid wieder verstärkt in den Fokus – insbesondere im Kontext der Diabetesdiagnostik und der klinischen Forschung bei neu erkanntem Typ-1-Diabetes (T1D). Aktuell wird die C-Peptid-Konzentration zunehmend als relevanter Endpunkt in klinischen Studien diskutiert, etwa zur besseren Klassifizierung von Diabetesformen in der klinischen Routine sowie zur Bewertung krankheitsmodifizierender Therapien bei T1D:
C-Peptid – vom vernachlässigten Laborwert zum Schlüsselmarker in Diagnose, Therapie und Regulierung
Zu den Herausforderung der Diabetesklassifikation im klinischen Alltag diskutierten in einer der letzten Sitzungen des Kongresses der EASD (European Association for the Study of Diabetes) 2025 Andy Jones von der Universität Exeter und Mark Strachan (Western General Hospital, Edinburgh) die anhaltenden Probleme bei der Klassifizierung von Diabetes bei Erwachsenen. Beide betonten, dass Fehldiagnosen nicht nur häufig, sondern auch klinisch relevant sind – mit unmittelbaren Konsequenzen für Therapieentscheidungen.
Das Bild der Woche

Das diesjährige UNICEF Foto des Jahres zeigt die zehnjährige Hajira beim stillen Lernen in ihrem Zuhause in einem abgelegenen Dorf in der Provinz Nangarhar, östlich von Kabul. Mädchen, die zur Schule gehen, geben Hoffnung, dass sich die Welt langsam, aber sicher zum Besseren wendet.
Zum Schluss noch wie immer das Letzte
„Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben“, soll Albert Einstein gesagt haben. Werfen wir also einen Blick nach vorn, was uns in technologischer Hinsicht dort erwartet und ganz oben bei den Entwicklungen steht dort autonomes Fahren und die leise Macht der KI. Beides sind technologische Entwicklungen, die eher leise, aber umso tiefgreifender sind.
Schon in diesem Jahr ist autonomes Fahren ist 2026 keine Science-Fiction mehr und das muss auch nicht alles aus China oder den USA kommen. Mercedes zeigt mit seinem neuen CLA, wie weit automatisiertes Fahren bereits ist. Mit Drive Assist Pro Level 2 ist das Auto souverän, sicher und defensiv durch San Francisco gefahren und hat dabei umfangreiche Sensorik und KI genutzt. Überhaupt wird autonomes Fahren vor allem von KI getragen, und zwar als Systemkompetenz und nicht als einzelne Features.
Aber noch ist nicht der Moment gekommen, in dem wir uns entspannt ins Auto setzen, „Ziel: Berlin“ sagen und die Zeitung aufschlagen. Autonomie wird auch nicht als Komplett-Paket kommen, sondern Stück für Stück eingesetzt. Vieles davon können moderne Fahrzeuge schon jetzt, eigenständig rückwärts einparken oder Spur halten auf der Autobahn. Unser Auto bremst automatisch, wenn wir zu dicht auf den Vorderwagen auffahren. Im Kern erleben wir gerade den Übergang von regelbasierten Assistenzsystemen zu lernenden, kontextsensitiven Modellen. Fahrzeuge der Zukunft werden Verkehr nicht nur erkennen, sondern interpretieren! Das bedeutet, die Absichten anderer Fahrer einschätzen, Unsicherheiten bewerten und situationsabhängig reagieren.
Möglich wird das alles durch multimodale KI, die Kamera-, Radar-, Lidar- und Kartendaten zu einem konsistenten Weltmodell verbindet. Hinzu kommen sogenannte Foundation Models für Mobilität, die ähnlich wie die großen Sprachmodellen vortrainiert werden und damit auch mit seltenen und kritischen Situationen umgehen können.
Europa, und hier tatsächlich vor allem Deutschland, geht dabei einen eigenen Weg innerhalb klarer Sicherheits- und Zulassungsgrenzen. Vertrauen entsteht hier nicht durch maximale Geschwindigkeit, sondern durch Nachvollziehbarkeit. Entsprechend rückt ein oft unterschätzter Bereich in den Fokus: KI für Sicherheit, Simulation und Validierung. Die „KI hinter der KI“ wird zum Schlüssel, um Autonomie überhaupt genehmigungsfähig zu machen.
Parallel wandelt sich das Fahrzeug selbst: vom Verbrenner mit Software-Anhang zum rollenden KI-Computer. Zentrale Hochleistungsrechner, kontinuierliche Updates und ein klar gemanagter KI-Lebenszyklus werden zur Voraussetzung. Für Mercedes-Benz, BMW und die Volkswagen Group heißt das: Software wird zum Produkt, Autonomie zur langfristigen Beziehung zwischen Mensch und Maschine – und zunehmend auch Betreiber.
In Deutschland zeichnet sich ein klarer Weg ab: Level 3 ist die Bezeichnung für Privatkunden auf der Autobahn und Level 4 für Flotten, Shuttles und Robotaxis in klar begrenzten Gebieten. Auch wenn der rechtliche Rahmen vorhanden ist, bis zum Alltagseinsatz braucht es nachweisbare Sicherheit.
Statt einer schnellen Autonomie-Explosion erwartet uns eine schrittweise, ingenieurgetragene Entwicklung – zuerst bessere Level-3-Funktionen, später lokale Level-4-Angebote. Vollautonomes Fahren für alle bleibt vorerst eine Vision, doch gerade diese vorsichtige, vertrauensbasierte Herangehensweise ist eine europäische Stärke.
Das war’s mal wieder für den ersten weekly im Januar 2026. Nächste Woche gibt es noch einen und dann machen wir eine kurze diatec-Pause. Für heute bleibt uns, ein schönes und entspanntes Wochenende zu wünschen und weil gerade mal wieder die halbe Welt erkältet ist – bleiben Sie gesund!
Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!
Mit freundlichen Grüßen
![]()