Das FCL-Symposium stand unter der Leitung von Roman Hovorka (Cambridge), einem der zentralen Pioniere der Closed-Loop-Forschung. Den Auftakt machte Moshe Phillip (Israel) mit einem Überblick über die Rolle automatisierter Insulindosierungssysteme (AID) in der klinischen Praxis. Anschließend beleuchtete Katrien Benhalima (Belgien) die Chancen und Herausforderungen der derzeit verfügbaren Hybrid-AID-Systeme, die zwar bereits viele Therapieentscheidungen automatisieren, jedoch weiterhin Mahlzeitenankündigungen durch die Nutzer erfordern.
Der dritte Vortrag von Charlotte Boughton (Großbritannien) widmete sich schließlich direkt der Frage, wie vollständig automatisierte Systeme in Zukunft bei Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes eingesetzt werden könnten. Dabei wurden vor allem Daten aus Studien mit dem in Cambridge entwickelten FCL-System präsentiert.
Auch in den Sessions mit freien wissenschaftlichen Vorträgen wurde das Thema aufgegriffen. N. Kadiyala aus der Arbeitsgruppe von Roman Hovorka stellte Ergebnisse der CLEAR-Phase-2-Studie vor (OP 09-51), in der ein Fully-Closed-Loop-System untersucht wurde.
In dieser randomisierten Studie verbesserte die achtwöchige Nutzung eines FCL-Systems mit dem CamAPS-HX-Algorithmus – ohne Kohlenhydrateingabe und ohne Mahlzeitenboli – die glykämische Kontrolle im Vergleich zu einer konventionellen Pumpentherapie mit CGM bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes und erhöhtem HbA1c (≥7,5 %).
Eine qualitative Teilstudie untersuchte zusätzlich die Auswirkungen auf den Alltag der Teilnehmer. Zwölf Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 13 bis 20 Jahren nahmen an virtuellen, halbstrukturierten Interviews teil und beantworteten standardisierte Fragebögen zur Diabetesbelastung (PAID-T), zur Angst vor Hypoglykämien (HFS)sowie zur Zufriedenheit mit Closed-Loop-Systemen (INSPIRE).
Die Teilnehmer berichteten übereinstimmend, dass der Aufwand für das Diabetesmanagement deutlich geringer geworden sei. Da weder Kohlenhydrate abgeschätzt noch Mahlzeitenboli abgegeben werden mussten, fühlten sich viele weniger belastet und machten sich seltener Sorgen um ihre Glucosewerte.
Dies führte zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität, mit einem stärkeren Gefühl von Freiheit und Normalität – insbesondere im Zusammenhang mit Mahlzeiten. Einige Teilnehmer berichteten zudem von positiven Effekten auf körperliche Aktivität, Schlaf, soziale Aktivitäten, Stimmung und Arbeitsalltag.
Besonders positiv wurde auch die sogenannte „Boost“-Funktion bewertet, die eine vorübergehend intensivere Insulinabgabe ermöglicht, um die Glucosekontrolle zu stabilisieren. Allerdings nannten die Teilnehmer auch Einschränkungen. Kritisiert wurden vor allem die relativ langsame Reaktion des Algorithmus auf postprandiale Glucosespitzen sowie Probleme mit den Infusionssets. Rund die Hälfte der Teilnehmer verwendete im Alltag eine Omnipod-Patchpumpe.
Die Fragebogendaten zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen der FCL-Phase und der üblichen Therapie in Bezug auf Hypoglykämieangst (FCL: 56 vs. Standardtherapie: 60; p = 0,22) oder Diabetesbelastung (FCL: 63 vs. 72; p = 0,12). Die Ergebnisse des INSPIRE-Fragebogens zeigten jedoch insgesamt eine hohe Zufriedenheit mit dem FCL-System.
Fazit: Bei Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes konnte ein Fully-Closed-Loop-System den täglichen Therapieaufwand deutlich reduzieren und zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen. Auch wenn weiterhin technische Herausforderungen bestehen, zeigen die Daten, dass vollständig automatisierte Systeme ein vielversprechender Ansatz sein könnten, um gerade in dieser Altersgruppe die oft noch suboptimalen Therapieergebnisse zu verbessern.
Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!
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