Herzlich willkommen beim diatec weekly.
„Das Glück, kein Reiter wird’s erjagen“, heißt es in Johann Wolfgang von Goethes Faust. Der Tragödie erster Teil – und darin liegt eine zeitlose Einsicht. Wir wünschen uns Glück, suchen es in Traditionen und in der Leistungsgesellschaft, glauben gern, dass alle anderen glücklicher sind, und halten einen Lottogewinn für das größte Glück. Oder den beruflichen Erfolg, für den wir uns so sehr anstrengen – und der uns am Ende doch nur Rückenschmerzen oder Burnouts beschert. Wir suchen das Glück in der Liebe und wundern uns im Alltag, wo es geblieben ist. Wir suchen das Glück in der Vergangenheit oder in der Zukunft, aber selten dort, wo es ist – im Augenblick. Glück ist eines dieser großen Worte, die wir leicht in den Mund nehmen, aber nur schwer festhalten können. Wir verbinden es mit Momenten: einem gelungenen Abend, einem Erfolg, einer Reise, einem Lachen zur richtigen Zeit. Dann blitzt das Glück kurz auf – um sich gleich wieder zu entziehen.
Was macht uns also glücklich? Können wir überhaupt dauerhaft glücklich sein? Unsere Gegenwart liefert auf diese Fragen scheinbar einfache Antworten und verspricht viele Möglichkeiten: Freiheit, Spaß und Abenteuer. Komfort. Gleichzeitig wächst die Angst, es nicht zu finden. Nicht in der Traumreise, nicht im Traumhaus und nicht im Traumjob. Vielleicht, weil Glück als Zustand verstanden wird, den man erreichen, sichern und sogar optimieren kann. Glück als Ergebnis oder als Ziel und wir glauben, es erreichen zu können, wenn wir uns nur genug anstrengen.
Doch genau hier liegt das Missverständnis. Glück ist wie eine Glaskugel: fein, zerbrechlich und wunderschön ziseliert. Hält man sie fest in der Hand, zerspringt sie. Liegt sie leicht in der offenen Hand, rollt sie beim leisesten Windstoß davon. Stillhalten hilft auch nicht weiter – Glück liegt in der Bewegung und nicht im Stillstand. Und es widerspricht unserer Natur, dauerhaft glücklich zu sein.
Wo also finden wir das Glück? In uns selbst, sagt Shi Heng Yi, Shaolin-Meister der 35. Generation. Dabei spricht er selten von Glück, eher von Ordnung und Klarheit, von Übung und Verantwortung. Glück scheint bei ihm ein Nebenprodukt zu sein: Erst wenn Körper, Geist und Handeln im Einklang sind, stellt sich Zufriedenheit ein – stabiler, tragfähiger und damit verlässlicher als Glück, dieses flüchtige Gefühl, das niemals ein Dauerzustand sein kann. Wer versucht, Glück festzuhalten, erzeugt eher Leid als Zufriedenheit.
Was möglich ist, sagt Shi Heng Yi, ist etwas Tieferes: innere Stabilität. Ein Zustand, in dem wir nicht permanent von unserer Außenwelt abhängig sind, der nicht aus dem nächsten Erfolg oder der nächsten Anerkennung entsteht, sondern aus der Fähigkeit, mit dem, was ist, in Beziehung zu bleiben. Wach und präsent zu sein, nicht betäubt, aber auch nicht getrieben. Das klingt gut, aber wie kommen wir dorthin?
Durch Disziplin des Körpers und durch Klarheit des Geistes, sagt Shi Heng Yi. Aha, sagen wir und wollen es genauer wissen. Disziplin des Körpers entsteht durch Kraft und Beweglichkeit – nicht umsonst ist Shaolin auch ein Kampfsport, der hilft, den Körper zu „ordnen“. Zur Klarheit des Geistes gelangt man durch Konzentration, Meditation und den bewussten Umgang mit den eigenen inneren Widerständen. Selbstkontrolle also, aber nicht als Unterdrückung, sondern als Freiheit von innerem Chaos. Wer Verantwortung für das eigene Leben übernimmt, auf Ausreden verzichtet und vor allem sich selbst gegenüber ehrlich ist, erkennt schließlich: Nicht die uns umgebende Welt ist das Problem, sondern die eigene ungeordnete innere Welt.
Das führt zu einer unbequemen Erkenntnis: Vieles von dem, was wir im Leben verfolgen, macht uns nicht glücklich. Status, Besitz, Wettbewerb – all das kann stimulieren, aber es nährt uns nicht. Sinn entsteht durch anderes: Verbundenheit mit Familie und Freunden, das Erleben von Selbstwirksamkeit, die Erfahrung, gebraucht zu werden, die Fähigkeit, bei sich zu bleiben, auch wenn es schwierig wird.
Glück ist also weniger ein Ziel als mehr eine Nebenwirkung und stellt sich dann ein, wenn wir unser Leben nicht nach Belohnung, sondern nach Bedeutung ausrichten. Wenn wir akzeptieren, dass auch Unzufriedenheit, Zweifel und Schmerz zum Leben dazugehören, und zwar nicht als Fehler im Betriebssystem, sondern als Teil des Ganzen. Wenn wir es wirklich wollen und aufhören, uns permanent abzulenken. Dann finden wir es – vielleicht! Weil darin eine zeitgemäße Definition von Glück liegt: nicht in der ständigen Suche danach, sondern in der inneren Ruhe, die es uns erlaubt, durch wechselnde Lebensphasen zu gehen, ohne uns selbst zu verlieren. In diesem Sinne ist Glück kein Dauerzustand, sondern Vertrauen – in uns selbst und in unsere Fähigkeit, mit dem Leben so umzugehen, wie es ist. Auch das wusste Goethe, als er seinen Faust sagen ließ: „Werd‘ ich zum Augenblicke sagen, verweile doch. Du bist so schön!“
Noch eine Woche bis zur diatec! Wir sind alle schon ganz aufgeregt und freuen uns sehr, Euch in Berlin zu treffen, News auszutauschen und mit Euch über neue Technologien zu diskutieren. Hier und heute haben wir brandaktuelle Themen, z.B. einen beeindruckenden Überblick zu Diabetes-Technologie im vergangenen Jahr 2025 von der belgischen Diabetologin Inge van Boxelaer. Zur Frage des Monats von dia·link haben wir Ergebnisse aus gleich zwei Monaten, November und Dezember, und der dritte Beitrag ist ein Schnappschuss von der wichtigen J.P. Morgan Healthcare Conference 2026 zu Dexcom und deren Aktivitäten und Ergebnissen. Auf geht’s!
Jahr wird in der Diabetes-Technologie aufs Neue die kühne Behauptung aufgestellt, nun stehe der große Durchbruch unmittelbar bevor. Systeme werden angekündigt, die alles verändern sollen. 2025 bildete hier keine Ausnahme – und doch war dieses Jahr anders: Überraschend viele der gemachten Versprechen mündeten tatsächlich in spürbare Veränderungen in der Praxis. Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung dessen, was die Diabetes-Technologie im Jahr 2025 wirklich vorangebracht hat: Was war relevant und wann, bei welchem Hersteller und mit welchem Produkt?
Der Text ist die deutsche Übersetzung einer Analyse der belgischen Diabetologin Inge van Boxelaer, die die Ankündigungen des Jahres konsequent der Realität gegenübergestellt hat:
2025 in der Diabetes-Technologie – Versprechen und Wirklichkeit im Rückblick.
Automatisierte Insulindosierung (AID) – Realitätscheck 2025: 2025 markierte einen weiteren Reifeschritt für Systeme zur automatisierten Insulindosierung (AID). Nach Jahren der Ankündigungen und Pilotprojekte erreichten mehrere Systeme den klinischen Alltag breiter Nutzergruppen. Der Fokus verschob sich dabei von der reinen Machbarkeit hin zu Alltagstauglichkeit, Stabilität und sicherem Betrieb unter realen Bedingungen.
Die dia·link-Frage des Monats widmet sich aktuellen politischen, versorgungs- oder behandlungsbezogenen Diabetesthemen. Wie die dia·link-Community die Frage beantwortet hat, können Sie jeweils im Folgemonat in Ihrem Newsbereich einsehen. Hier geht es zu den Ergebnissen der Frage des Monats November. Und das war die
Frage des Monats:
Digitalisierung ist in aller Munde – und doch bleibt vieles voneinander getrennt.
Ein Wort taucht dabei immer wieder auf: Interoperabilität. Uns hat interessiert, was Sie mit dem Wort Interoperabilität verbinden und Sie im November gefragt:
»Welches Wort verbinden Sie mit Interoperabilität? «
Die großen Healthcare-Investorenkonferenzen gelten als Seismograf für strategische Prioritäten, Marktdynamiken und technologische Ambitionen. Auf der J.P. Morgan Healthcare Conference 2026 nutzte Dexcom den Auftritt, um sowohl starke Finanzzahlen als auch seine technologische und kommerzielle Roadmap zu präsentieren – in einem Markt, der spürbar kompetitiver wird:
Dexcom bei der JPM 2026 – Wachstum, Wettbewerb und strategische Beschleunigung
Der neu ernannte CEO Jake Leach stellte dabei nicht nur die vorläufigen Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 vor, sondern ordnete diese auch strategisch ein. Hier im Einzelnen:
Finanzielle Entwicklung: Der vorläufige weltweite Umsatz von Dexcom belief sich 2025 auf rund 4,6 Mrd. USD (+16 % gegenüber dem Vorjahr). Im vierten Quartal wurden etwa 1,2 Mrd. USD umgesetzt (+13 %). Die Zahl der aktiven CGM-Nutzer (ohne Stelo) stieg auf 3,5 Millionen – ein Zuwachs von über 20 %.
Für 2026 prognostiziert Dexcom einen Umsatz zwischen 5,16 und 5,25 Mrd. USD (+11–13 %).
Das Bild der Woche

Im Kampf mit der Natur!
Und doch liegt in jeder Welle nicht nur Gefahr, sondern auch Richtung.
Und manchmal zeigt sich Stärke nicht im Stillstand, sondern darin, Kurs zu halten.
Zum Schluss noch wie immer das Letzte
Vom 6. Bis zum 9. Januar 2026 fand in Las Vegas die alljährliche Consumer Electronics Show – kurz CES – statt. Sie gilt als der weltweit wichtigste Auftakt für das neue Tech-Jahr. Auch in diesem Jahr stand die Messe wieder im Zeichen bahnbrechender Innovationen aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Robotik, Mobilität, Gesundheitstechnologie und Unterhaltungselektronik. Mit über 148.000 Besuchern und Tausenden Ausstellern aus aller Welt hat die CES einmal mehr gezeigt,
wohin die Reise der Technologie in diesem Jahr gehen wird.
Ein zentrales Thema der CES 2026 war die künstliche Intelligenz in praktisch allen Lebensbereichen. Das ging von neuen Ideen zum Smart-Home über Haushaltsgeräte bis hin zu Industrie-Anwendungen. Der Fokus liegt inzwischen nicht mehr nur auf reiner Daten-KI, sondern auf physisch agierenden Systemen, die wirklich Hand anlegen – mit einem LG-Roboter beispielsweise, der die Wäsche faltet und weitere alltägliche Aufgaben übernehmen kann (mein Traum!).
Auch die gute alte Waschmaschine rüstet auf und wird nun KI-gesteuert. Sie erkennt selbstständig, welche Art von Wäsche sie waschen soll, und erinnert womöglich auch daran, dass die Bettwäsche mal wieder gewechselt werden sollte.
Herdplatten optimieren ihre Temperaturprogramme automatisch, damit der Milchreis nicht mehr überkocht und das Steak in Sterne-Qualität aus der Pfanne kommt. Der Kühlschrank wird bald selbstständig Bestellungen auslösen, der nächstgelegene Supermarkt bringt alles zeitnah und wir sind nie wieder ohne Milch oder Butter.
Selbst das Kinderzimmer wird intelligent: Lego bringt Smart-Bricks, die zwar aussehen wie normale LEGO-Steine, aber Sensoren, Licht-LEDs, Lautsprecher, Mikrofon und Bewegungs-Sensorik enthalten. Vielleicht bauen sie sich sogar von ganz allein auf, wer weiß, zumindest aber wissen sie genau, wie das Auto oder Schiff aussehen muss. Ach ja, Motorengeräusche oder Lichtschwerter sind in den smarten Steinen bereits enthalten, was garantiert zu mehr Lärm im Kinderzimmer führt. Dafür werden schon unsere Kleinsten direkt in die digitalen Welten eingeführt.
Für die Großen gibt es neue Fernseher mit Riesen-Display für das echte Kino-Feeling, auch kommen sie mehr wie ein immersives Unterhaltungszentrum daher. Das gibt einem das Feeling, direkt im Film mitzuspielen, wenn auch nur als Statist.
Auch in der Industrie gehen KI und Robotik Hand in Hand. Die Messe zeigte Beispiele, wie KI und Robotik nicht nur Produkte für EndkundInnen, sondern ganze Branchen formen, indem sie digitale Fabrikzwillinge und Simulationen einsetzen, die reale Produktionslinien virtuell abbilden. Roboter werden in Logistik, Service und Medizin eingesetzt und übernehmen mehr und mehr echte Aufgaben aus dem echten Leben, z.B. Medikamente verteilen oder Vitalparameter messen. Er könnte auch Blut oder Abstriche entnehmen und ins Labor bringen oder er wird zum empathischen Begleiter für demente und geriatrische PatientInnen. Für emotionalen Support ganz ohne Gassi-Gehen und teure Tierarztrechnungen sorgen bald auch KI-Hunde und das Auto fährt demnächst allein zum Supermarkt, um einzukaufen.
Letzteres ist vielleicht noch ein Wunschtraum, was es aber gab, waren humanoide Roboter, die sich einen Boxkampf geliefert haben. Damit könnten sie zukünftig im Sport eingesetzt werden und für uns Fußball spielen oder im Zehnkampf brillieren. Fragt sich nur, wer dann die Medaillen erhält. Unsere Idee: Ausbildung von humanoiden Robotern als Soldaten für den Kampfeinsatz, dann müssen wir nicht mehr selbst unsere Leben auf dem Schlachtfeld lassen. Schöne neue Welten also, die Vegas gezeigt hat, und wir sind gespannt, wann und vor allem was davon Einzug in unsere Leben erhält.
Bitte nehmt nicht alles allzu ernst, was wir hier an neuen Helferlein vorgestellt haben, aber wer weiß! Manches wird kommen, anderes ist zumindest vorstellbar. Das jedenfalls war es mal wieder für diese Woche. Wir hoffen, es hat euch gefallen, wir sehen uns kommende Woche in Berlin. Bis dahin wünschen wir ein entspanntes Wochenende, bleibt gesund.
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Dieser Artikel erscheint als Teil des wöchentlichen Letters zu hochaktuellen Entwicklungen im Bereich Diabetes Technologie. Nutzen Sie das nebenstehende Formular um sich für den diatec weekly Newsletter anzumelden!
Mit freundlichen Grüßen
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